Gemeint ist ein anderer

„Unser Präsident ist ein Idiot“: Dieses Etikett ist kreativ, aber ...

München - Ein amerikanischer Taschenhersteller entschuldigt sich auf dem Etikett für den Präsidenten. Was nach einer aktuellen Nachricht klingt, hat in Wirklichkeit einen ganz anderen Hintergrund.

Wer sich eine Tasche des US-Herstellers Tom Bihn genauer ansieht und das Etikett prüft, staunt nicht schlecht. Denn neben den üblichen Pflege-Hinweisen wie „Mit warmen Wasser waschen. Keine Bleiche benutzen. Nicht im Wäschetrockner trocknen“ finden sich dort noch zwei Sätze, die aufhorchen lassen: „Es tut uns leid, dass unser Präsident ein Idiot ist. Wir haben nicht für ihn gestimmt.“ Angesichts der derzeitigen (Un-)Beliebtheitswerte des neuen US-Oberhaupts Donald Trump klingt dies nach einer aktuellen Nachricht. Ist es aber nicht.

Denn obwohl Trump polarisiert wie wohl kein Präsident vor ihm, gab es bei seinen Vorgängern auch schon Amtsinhaber, die ähnlich verrufen waren. In diesem Fall handelt es sich um seinen Vor-Vorgänger George W. Bush, der von 2000 bis 2007 regierte. Und genau ihm ist auch das Etikett gewidmet, von dem ein Bild derzeit in den sozialen Medien kursiert. Es zeigt das Etikett eines Textils mit den oben genannten Worten - allerdings auf Französisch.

Das Anti-Präsidenten-Etikett ist 13 Jahre alt

"Nous sommes désolés que notre president soit un idiot. Nous n'avons pas vote pour lui“, ist darauf zu lesen. Die Übersetzung haben Sie oben schon gelesen. Den Grund dafür liefern wir nach: Das Foto stammt nämlich aus dem Jahr 2004, als die Beziehungen zwischen den USA und Frankreich äußerst angespannt waren. Die Vereinigten Staaten waren im März des Vorjahres im Irak einmarschiert, um den damaligen Machthaber Saddam Hussein abzusetzen, da dieser angeblich chemische und biologische Massenvernichtungswaffen im großen Stil herstellte.

Europa war damals gespalten in Länder, die die USA bei ihrer Intervention unterstützten, wie Großbritannien, Italien oder auch Spanien. Und eben diejenigen, die sich gegen den Krieg ausgesprochen haben. Neben Deutschland war dies auch Frankreich mit dem damaligen Staatschef Jacques Chirac. Vor allem die französische Weigerung wurde in Washington damals mit Unwillen quittiert. Die öffentlich gezeigte Abneigung ging so weit, dass die in den Staaten damals (und heute auch) unter dem Namen „French fries“ bekannten Pommes frites im US-Repräsentantenhaus den Namen „Freedom Fries“ (etwa: „Freiheits-Fritten“) verpasst bekamen.

Bilder wie dieses kursieren derzeit in den sozialen Medien.

Nicht nur Trump ist ein unbeliebter US-Präsident

Nachdem schon kurz nach dem Einmarsch im Irak klar wurde, dass andere Interessen im Vordergrund standen (Sicherung von Ölreserven, strategische Lage), wuchs auch in den USA der Unmut gegenüber Bush. Doch er war nun mal gewählt und bekam von den US-Bürgern auch noch das Vertrauen für eine zweite Amtszeit. Nicht so aber von einigen Mitarbeiten von Tom Bihn.

Böse Zungen behaupten allerdings, dass gar nicht der US-Präsident gemeint war. Focus online zitiert Tom Bihn persönlich: "Ich nehme an, dass es ein Witz über mich ist. Natürlich ziehen Leute voreilige Schlüsse, wenn man die Wörter 'Idiot' und 'Präsident' im selben Satz benutzt." Er kündigte an, dem Mitarbeiter, der sich diesen Witz erlaubt habe, allerdings nicht etwa zu bestrafen, sondern eine Gehaltserhöhung zu verpassen. Dem Geschäft von Tom Bihn hat das Etikett aber offenbar nicht geschadet. Bis zu 2000 davon wurden gedruckt und Hunderte davon in Taschen verarbeitet. 

Wer sich also in Zeiten von Donald Trump nur zustimmend über das Etikett freut, sollte sich zweierlei Tatsachen bewusst sein. Erstens: Es ist schon 13 Jahre alt. Zweitens: Es gab schon US-Präsidenten, die ähnlich unbeliebt waren wie der Milliardär. Allerdings hat der ja noch fast mindestens vier Jahre vor sich.

bix

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