Trump droht Republikanern

"Obamacare"-Abstimmung im Kongress weiter völlig offen

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Nein, er ist nicht wütend - zumindest nicht hier: US-Präsident Donald Trump gestikuliert in einem Sattelzug bei einem Treffen mit Lastwagenfahrern. Foto:  Andrew Harnik

Das hatte sich Trump leichter vorgestellt. Auch am Freitag hatten seine Republikaner zunächst nicht genügend Stimmen für die Abschaffung von "Obamacare" zusammen. Der Präsident machte offen Druck.

Washington (dpa) - Mit einer unverhohlenen Drohung in letzter Minute versucht US-Präsident Donald Trump, seine Partei hinter einem Gesetzentwurf für die Abschaffung von "Obamacare" zu versammeln. Entweder stimmten die Republikaner heute für den von ihm unterstützten Entwurf, oder Obamas Gesundheitssystem bleibe in Kraft.

Trumps Haushaltschef Mick Mulvaney setzte den republikanischen Abgeordneten am Donnerstagabend (Ortszeit) ein "Ultimatum": Bei fehlender Mehrheit werde sich Trump anderen Dingen zuwenden. Eine Modifizierung oder Abschaffung der Gesundheitsreform seines Amtsvorgängers wäre damit zunächst vom Tisch.

Die für Donnerstag geplante Abstimmung war wegen fehlender Stimmen bei den Republikanern auf heute verschoben worden. Sie sollte bis zum Abend (MEZ) über die Bühne gehen. Hinter den Kulissen wurde im US-Kongress heftig und lautstark um Mehrheiten gerungen.

Es handelt sich um den ersten bedeutenden Gesetzgebungsprozess, seit Trump vor zwei Monaten Präsident wurde - und ein zentrales Wahlversprechen. Trump setzte sich mit vollem politischen Gewicht für den Gesetzentwurf ein, konnte sich aber zunächst nicht durchsetzen.

Am Freitag hieß es in Medienberichten, mindestens 30 Abgeordnete von Trumps Partei hätten angekündigt, nicht für die vom Präsidenten unterstützte Gesetzesvorlage zu stimmen. Die Republikaner können sich höchstens 22 Abtrünnige erlauben.

Sollte der Entwurf im Repräsentantenhaus durchkommen, stünde eine Abstimmung im Senat bevor, wo die Partei eine knappere Mehrheit hat als im Unterhaus. In der jetzigen Fassung gilt der Entwurf im Senat als chancenlos.

Republikaner lehnen "Obamacare" unter anderem deshalb ab, weil es aus ihrer Sicht zu viel staatliche Einmischung in den Versicherungsmarkt vorsieht und durch höhere Beiträge für Wohlhabende eine Vermögensumverteilung darstelle.

Trump nannte "Obamacare" im Wahlkampf sowie als Präsident immer wieder ein Desaster. Die Versicherung sei viel zu teuer und belaste Millionen von Amerikanern.

Der republikanische Entwurf sieht im Gegensatz zu "Obamacare" keine Versicherungspflicht für alle vor. Ein Programm zur kostenlosen Versicherung für Bedürftige wird eingeschränkt. Die Subventionierung von Beiträgen wird nach Alter und nicht mehr primär nach Einkommen gestaffelt. Die geplanten Zuschüsse über Steuergutschriften fallen deutlich magerer aus als die Hilfen unter "Obamacare".

Moderaten Republikanern ist die Kompromisslösung wiederum zu riskant, weil Millionen bisher versicherter Amerikaner wieder ohne bezahlbare Krankenversicherung dastehen könnten.

Das unabhängige Budgetbüro des Kongresses schätzt, dass trotz der jüngsten Nachbesserungen nach dem Plan der Republikaner im kommenden Jahr 14 Millionen weniger Amerikaner krankenversichert wären als unter "Obamacare". Im Jahr 2026 wären es sogar 24 Millionen Versicherte weniger.

Bericht der New York Times

Angaben des Congressional Budget Office

Kampf um die Gesundheitsreform: Trump wirbt und droht

Was ist "Obamacare"?

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