Gespräche über Atomkonflikt

Trump zeigt plötzlich moderaten Optimismus in Nordkoreakrise

US-Präsident Donald Trump und Südkoreas Präsident Moon Jae In (3.v.r) beim Mittagessen mit US-Truppen und südkoreanischen Truppen. Foto: Andrew Harnik
1 von 10
US-Präsident Donald Trump und Südkoreas Präsident Moon Jae In (3.v.r) beim Mittagessen mit US-Truppen und südkoreanischen Truppen. Foto: Andrew Harnik
US-Präsident Donald Trump und seine Frau, First Lady Melania Trump, steigen in Pyeongtaek, Südkorea, auf dem Osan Luftwaffenstützpunkt, aus der Air Force One. Foto: Ryu Seung-Il
2 von 10
US-Präsident Donald Trump und seine Frau, First Lady Melania Trump, steigen in Pyeongtaek, Südkorea, auf dem Osan Luftwaffenstützpunkt, aus der Air Force One. Foto: Ryu Seung-Il
Atom-Politik in 140 Zeichen: Twitter-Nachricht von Donald Trump zu den nordkoreanischen Atomtests. Foto: Christoph Dernbach
3 von 10
Atom-Politik in 140 Zeichen: Twitter-Nachricht von Donald Trump zu den nordkoreanischen Atomtests. Foto: Christoph Dernbach
"Raketenmann" und Staatschef: Kim Jong Un bei der Inspektion eines angeblichen Wasserstoffbomben-Sprengkopfes. Foto: KCNA via KNS
4 von 10
"Raketenmann" und Staatschef: Kim Jong Un bei der Inspektion eines angeblichen Wasserstoffbomben-Sprengkopfes. Foto: KCNA via KNS
Ballistische Raketen bei einer Militärparade in Pjöngjang. Foto: Wong Maye-E
5 von 10
Ballistische Raketen bei einer Militärparade in Pjöngjang. Foto: Wong Maye-E
Südkoreanische Soldaten spannen in Paju Stacheldraht während einer Militärübung nahe der Grenze zu Nordkorea. Foto: Ahn Young-Joon
6 von 10
Südkoreanische Soldaten spannen in Paju Stacheldraht während einer Militärübung nahe der Grenze zu Nordkorea. Foto: Ahn Young-Joon
Test des Raketen-Abwehrsystems THAAD: Das System dient der Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen und zielt auf die Bedrohung durch Nordkorea. Foto: Ralph Scott/Department Of Defense
7 von 10
Test des Raketen-Abwehrsystems THAAD: Das System dient der Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen und zielt auf die Bedrohung durch Nordkorea. Foto: Ralph Scott/Department Of Defense
Südkoreanische Soldaten in der Nähe der nordkoreanischen Grenze während eines Militärmanövers. Foto: Ahn Young-Joon
8 von 10
Südkoreanische Soldaten in der Nähe der nordkoreanischen Grenze während eines Militärmanövers. Foto: Ahn Young-Joon

Trump schlägt neue Töne an. In Seoul hält sich der US-Präsident auffällig zurück, verzichtet auf alles Poltern. Stattdessen ruft er Nordkorea zu einer Lösung am Verhandlungstisch auf. Sogar eine "gewisse Bewegung" will er erkennen.

Seoul (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat sich in der Krise um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm vorsichtig optimistisch geäußert. Er sehe Fortschritt und gewisse Bewegungen, sagte Trump in einer Pressekonferenz mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In. Ins Detail ging er nicht.

Trump rief die diplomatisch isolierte Führung in Pjöngjang dazu auf, an den Verhandlungstisch zu kommen und einen "Deal" zu machen. Zur Frage direkter Gespräche wollte er sich nicht äußern. 

Trump wiederholte, die USA würden nötigenfalls auch die volle Bandbreite militärischer Mittel einsetzen, doch war seine Rhetorik im Vergleich zu früherer Schärfe deutlich abgemildert. Trump hatte Nordkorea mit vollständiger Vernichtung gedroht und mit "Feuer und Wut", wie es die Welt noch nie gesehen habe. Auch daran gemessen gab sich Trump in Seoul sehr zurückhaltend und offen für eine diplomatische Lösung. 

"Wir haben viele Dinge in Position, von denen wir bei Gott hoffen, dass wir sie nie einsetzen müssen", betonte Trump. Wörtlich verwies er auf mehrere Flugzeugträger und ein Atom-U-Boot. Nordkorea verstehe, dass die USA so stark seien wie noch nie.

Moon sagte, die USA und Südkorea strebten eine friedliche Lösung des Atomstreits mit Nordkorea an. Trump und er seien einer Meinung, dass der Druck auf die Führung in Pjöngjang verstärkt werden müsse, "bis sie ihr Atomprogramm aufgibt". Die USA und ihre Verbündeten könnten Nordkorea eine "bessere Zukunft" anbieten.

Nach Gesprächen in Japan war Trump zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Südkorea eingetroffen. Er wird unter anderem von Außenminister Rex Tillerson begleitet. Die Spannungen in der Region hatten sich nach zahlreichen Raketentests Nordkoreas seit Anfang des Jahres und dem sechsten Atomtest des Landes am 3. September erheblich verschärft. 

Trump rief China und Russland dazu auf, ihren Einfluss in Nordkorea geltend zu machen. Es sei zwingend, dass die UN-Sanktionen gegen das Land vollständig umgesetzt würden. "Chinas Präsident Xi Jinping war sehr, sehr hilfreich", sagte Trump. Er hoffe, dass Russland sich ähnlich verhalte. Am Mittwoch wird der US-Präsident in Peking erwartet - der dritten Station seiner fast zweiwöchigen Asienreise. 

Ein weiteres Thema des Treffens zwischen Moon und Trump war der Ausbau der südkoreanischen Verteidigungsfähigkeiten. Mit Trump habe er eine endgültige Einigung erzielt, dass Südkorea die Obergrenze für die Nutzlast seiner Raketen komplett aufheben könne, sagte Moon. "Wir einigen uns auch darauf, sofort Verhandlungen über die Entwicklung und die Beschaffung der modernsten militärischen Überwachungssysteme durch Südkorea aufzunehmen."

Trump versicherte Südkorea erneut der unverbrüchlichen Sicherheitspartnerschaft der USA. Gleichwohl müssten die bilateralen Handelsbeziehungen neu verhandelt werden, da der bestehende Vertrag nicht fair und nicht sehr erfolgreich gewesen sei.

Nach seiner Ankunft besuchte Trump zunächst einen US-Militärstützpunkt südlich von Seoul. Zusammen mit Präsident Moon aß Trump mit südkoreanischen und amerikanischen Soldaten zu Mittag.

Zum Konflikt mit Nordkorea sagte Trump im Camp Humphreys vor US-Soldaten: "Ich denke, wir werden in gewisser Zeit eine Menge Antworten haben. Am Ende wird alles funktionieren. Weil es immer funktioniert hat - weil es funktionieren muss."

Was diese Bemerkungen für eine US- oder eine internationale Strategie inhaltlich bedeuten, sagte er nicht. Der Stützpunkt liegt etwa 70 Kilometer südlich von Seoul, seine Erweiterung in den vergangenen Jahren wurde hauptsächlich von Südkorea finanziert. 

Trumps Besuch in Seoul war von zahlreichen Protesten gegen seine Politik wie auch von pro-amerikanischen Kundgebungen begleitet. In der Nähe des Präsidentenpalastes in der Innenstadt gingen Hunderte auf die Straße, um entweder gegen den Besuch zu protestieren oder Trump zu begrüßen. "Trump: Geh' nach Hause zusammen mit der US-Armee!" und "Friedensvertrag sofort!", war auf Plakaten der Trump-Gegner zu lesen.

Bei einer Gegendemonstration begrüßten die Teilnehmer den Besuch Trumps und forderten eine härtere Gangart gegen Pjöngjang. Tausende Bereitschaftspolizisten waren in der Gegend um den Präsidentenpalast und die amerikanische Botschaft im Einsatz. 

THAAD, Patriot, Aegis: Raketenabwehr in Südkorea und Japan

Warum ein Krieg mit Nordkorea so gefährlich wäre

Mehr als nur Säbelrasseln: Heikler Gipfel von Trump und Xi

Offiziell gibt es nur fünf Atommächte: die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China. Doch es gilt als sicher, dass auch Nordkorea, Indien, Pakistan und Israel Kernwaffen besitzen. Die mit Abstand größten Arsenale haben nach Angaben der Federation of American Scientists (FAS) Russland mit 7000 und die USA mit 6800 Sprengköpfen. Tatsächlich einsatzbereit haben die Russen davon demnach 1950 und die USA 1740 Atomsprengköpfe.

Mit weitem Abstand folgt Frankreich mit insgesamt 300 Sprengköpfen vor China (260) und Großbritannien (215). Pakistan hat laut FAS insgesamt etwa 120 bis 130 Sprengköpfe in seinen Arsenalen. Indien kommt auf etwa 110 bis 120 und Israel auf etwa 80. Über das Waffenprogramm Nordkoreas ist relativ wenig bekannt.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Skurrile Wende: Seehofer präsentiert Stoiber und Waigel - statt klarer Worte

Für die CSU sollte es ein wichtiger Tag werden - Horst Seehofer wollte seine Zukunft klären. Stattdessen trat die Vergangenheit in Person von Theo Waigel und Edmund …
Skurrile Wende: Seehofer präsentiert Stoiber und Waigel - statt klarer Worte

Deutsche und Türken gedenken der Anschlagsopfer von Mölln

Vor 25 Jahren starben in Mölln erstmals nach 1945 wieder Menschen bei fremdenfeindlichen Anschlägen. Hoffentlich haben alle daraus gelernt, sagt der türkische …
Deutsche und Türken gedenken der Anschlagsopfer von Mölln

„Habe mich den Ratschlägen gebeugt“ - Seehofer erklärt seinen Sinneswandel

Am Nachmittag hieß es bereits, die Zukunft von Horst Seehofer in der CSU stehe fest. Am Ende kommt es anders - aber Seehofer lässt Raum für Spekulationen. Alle …
„Habe mich den Ratschlägen gebeugt“ - Seehofer erklärt seinen Sinneswandel

Prozess-Nebenkläger: NSU wurde schon früher gegründet

In den Plädoyers im NSU-Prozess zeigen sich immer mehr Differenzen zwischen Anklage und Nebenklage. Ein Opfer-Vertreter bezweifelt, dass Beate Zschäpe und ihre beiden …
Prozess-Nebenkläger: NSU wurde schon früher gegründet

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.