Über drei Tage nach der Wahl

US-Wahl 2020: Endlich ist das Ergebnis da - warum dauert das Auszählen so lange? - Netz machte sich bereits lustig

Die Auszählung der Stimmen bei der US-Präsidentschaftswahl dauern auch Tage nach der Wahl an. Das hat Gründe. Ein Sieger aber steht nun endlich fest.

Update vom 7. November, 17.42 Uhr: Endlich scheint die Wahl entschieden und ein Ergebnis da zu sein: Der 46. Präsident der USA steht fest und es ist Joe Biden. Pennsylvania und Nevada werden nun dem ehemaligen Vize-Präsidenten zugerechnet. Trump will den Sieg allerdings nicht anerkennen.

Update vom 7. November 2020, 16.41 Uhr: Je länger die Auszählung der Wahlen dauert, desto genauer wird das Ergebnis - das ist bei vielen Konsens. Dennoch gibt die Auszählung Anlass zu Memes und Witzen in den sozialen Netzwerken. Die Heute-Show vergleicht die Auszählung mit der Arbeit eines Faultiers, das bekannt aus einem Disney-Film ist:

Ein Account für Studenten witzelt: Wenn die Auszählung weiter so lange andauert, dann erlebt keiner der Kandidaten das Ergebnis mehr:

Auch ein anderer Account nutzt eine Anspielung auf einen Film als Kommentar auf das lange Auszählen der Stimmen:

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Auszählung der Stimmen verzögert sich immer weiter - warum lässt das Wahlergebnis so lange auf sich warten?

Erstmeldung vom 7. November 2020, 14.01 Uhr: .Washington D.C. - In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (MEZ) schlossen nach und nach die Wahllokale in den Vereinigten Staaten ihre Pforten und die US-Bürgerinnen und Bürger warteten auf die Ergebnisse DER Wahl und die Antwort auf die Frage, wer sie in den kommenden vier Jahren als Präsident regieren wird. Am Samstagnachmittag (MEZ), über drei Tage später, gibt es noch immer keine gesicherten Informationen, wer die Wahl für sich entschieden hat: Amtsinhaber Donald Trump* oder Herausforderer Joe Biden*.

US-Wahl 2020: Immer noch kein Ergebnis für Trump und Biden - warum dauert das Auszählen so lange? 

Verantwortlich hierfür ist zum Teil das komplizierte Wahlsystem der USA. Auf das ganze Land gesehen erhielt Joe Biden über vier Millionen Wählerstimmen mehr als sein Konkurrent Trump. Im auf Wahlmännern basierenden System ist dieser Unterschied jedoch nur bedingt relevant. Einer der beiden Kandidaten muss mindestens 270 Wahlmänner für sich gewinnen, um Präsident zu werden. Um final festzustellen, wer mehr Wahlmänner gewonnen hat, wartet die US-Bevölkerung am Samstagmittag weiterhin auf die Ergebnisse aus sechs Bundesstaaten, die noch keinem Kandidaten zugeschrieben wurden: Arizona, Alaska, Georgia, Pennsylvania, Nevada und North Carolina. Doch wieso dauert die Auszählung so lange?

US-Wahl 2020: Ergebnis fehlt - das sind die Ursachen

Die erste wesentliche Ursache für die Dauer der Stimmauszählungen ist die überdurchschnittliche Anzahl an Briefwähler in diesem Jahr. Auch aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie* in den USA und der damit verbundenen Ansteckungsgefahr in Wahllokalen, hat vor allem ein Großteil der demokratischen Wähler per Brief abgestimmt. Wie focus.de berichte, stieg die Anzahl der landesweiten Briefwähler* von rund 33 Millionen in 2016 auf knapp 100 Millionen.

Bei der Wahl in den USA entscheidet vor allem die Auszählung der Briefwahlstimmen. Und diese dauert noch an.

US-Wahl 2020: Warum dauert die Auszählung so lange? Briefwahlstimmen stellen Behörden vor Herausfoderungen

Viele Behörden waren so schlicht nicht auf die schiere Masse an Briefwählerstimmen vorbereitet, deren Auszählung aufwendiger ist, als die von persönlich abgegebenen Stimmen. Unter anderem müssen die Unterschriften auf jedem Briefwahlzettel mit den Wählerverzeichnissen abgeglichen werden. Gerade in Pennsylvania, wo Briefwähler bisher eine klare Minderheit stellten, kommt es so zu Verzögerungen. Hinzu kommt die Tatsache, dass Briefwahlunterlagen die einen Poststempel mit dem Datum des Wahltages tragen, auch dann gezählt werden müssen, wenn sie deutlich nach der Wahl bei den Behörden eintreffen. In Pennsylvania und North Carolina konnten die Stimmzettel noch bis 6. November eingehen. In Nevada sind auch Stimmen gültig, die erst am Dienstag eintreffen - vorausgesetzt der Poststempel stimmt.

US-Wahl 2020: Wahlhelfer nach Betrugsvorwürfen von Präsident Trump vermehrt unter Druck

Eine weitere Ursache für die Verzögerungen sind die Betrugsvorwürfe, die Präsident Donald Trump bereits vor dem Wahltag äußerte und nach Schließung der Wahllokale erneut bekräftigte. Trump wirft den Demokraten vor die Wahl mit Betrug bei den Briefwahlstimmen „stehlen“ zu wollen. Auf Twitter forderte der US-Präsident die Behörden auf das Auszählen zu stoppen. Wahlhelfer und Verantwortliche sind daher dazu aufgerufen bei der Auszählung besonders sorgfältig vorzugehen. Gerade in Pennsylvania - wo die Demokraten den Gouverneur stellen - sollen keine Fehler gemacht werden.

Da durch das amerikanische Wahlsystem nur wenige Stimmen zwischen Sieg oder Niederlage entscheiden können (in Georgia trennen beide Konkurrenten am Samstagmittag nur knapp 7.000 Stimmen), ist gerade in knappen Staaten enorme Genauigkeit gefordert, welche den Auszählprozess weiter verlangsamt. In Georgia könnte es beispielsweise darüber hinaus zu Nachzählungen kommen, wenn das Endergebnis weniger als 0,5 Prozentpunkte Abstand zwischen den Kandidaten zeigt, wonach es momentan aussieht.

US-Wahl 2020: Ergebnis steht weiterhin aus - verbleibende Stimmen schwierig zu zählen

Als letzter Grund für die Verzögerungen bei der Auszählung der Präsidentschaftswahl können die Eigenschaft der verbleibenden Stimmzettel genannt werden. Einige dieser Stimmen sind offenbar besonders schwierig zu zählen, da sie teilweise falsch oder nicht eindeutig ausgefüllt wurden. In jeden Einzelfall müssen deswegen Experten zurate gezogen werden, die über die Gültigkeit der Stimmzettel entscheiden. Auch fallen sogenannte „Provisional Ballots“ an, bei denen noch eine nachträgliche Identitätsüberprüfung der Wähler stattfinden muss.

US-Wahl 2020: Donald Trump oder Joe Biden? US-Fernsehsender halten sich mit Prognosen zurück

Aufgrund dieser Ursachen und dem Spielraum im Ergebnis, den die noch nicht ausgezählten Stimmen bieten, zögern die großen Fernsehsender in den USA noch einen Gewinner der Wahl bekannt zugeben. CNN adressiert dieses Anlegen nun auch auf ihrer Website und erklärt den Zuschauern, warum noch kein Sieger ernannt wurde. „Es liegt an der Mathematik und daran, dass wir das höchste Level der Gewissheit erreichen wollen, bevor wir eine Vorhersage treffen“, erklärt CNN-Politik-Chef David Chalian. (fd) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © ANGELA WEISS/AFP

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