Auch Trump droht Kim

Südkorea testet Rakete: Eskaliert jetzt der Nordkorea-Konflikt?

Die USA sind im Nordkorea-Konflikt auch zum Einsatz ihrer Atomwaffen bereit. Als Reaktion auf den jüngsten Atomtest Nordkoreas hat Südkorea Raketen gestartet.

Washington - US-Präsident Donald Trump habe dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe bei einem Telefongespräch zugesagt, dass die USA ihr eigenes Gebiet sowie ihre Verbündeten verteidigen würden, wobei "die volle Bandbreite der diplomatischen, konventionellen und nuklearen Möglichkeiten eingesetzt" würde, teilte das Weiße Haus mit. Nordkorea hatte die Weltgemeinschaft am Sonntag mit einem erneuten Atomwaffentest schockiert, das Staatsfernsehen des Landes sprach von einer Wasserstoffbombe.

Mit seinem bislang stärksten Atombombentest hat Nordkorea die internationalen Spannungen um sein Nuklearprogramm gefährlich angeheizt.

Südkorea beantwortet Nordkoreas Atomtest mit eigener Übung

Als Reaktion auf den jüngsten Atomtest Nordkoreas hat Südkorea Raketen gestartet. Bei der Übung hätten eine Boden-Boden-Rakete und eine Langstrecken-Luft-Boden-Rakete genau die vorgesehenen Ziele im Japanischen Meer (koreanisch: Ostmeer) getroffen, teilte der Generalstab mit. Die simulierten Ziele seien unter Berücksichtigung der Entfernung zum im Nordosten Nordkoreas liegenden Atom-Testgelände festgelegt worden. Der UN-Sicherheitsrat berief für Montag eine Sondersitzung ein.

Nordkorea hatte eigenen Angaben zufolge am Sonntag eine Wasserstoffbombe getestet, die ein Vielfaches stärker ist als herkömmliche atomare Sprengsätze. Die USA drohten Nordkorea daraufhin mit einer massiven militärischen Antwort, falls die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bedroht werden sollten.

So bekräftigte US-Präsident Donald Trump seine Entschlossenheit, das eigene Land und Verbündete zu verteidigen - „mit der vollen Bandbreite der zur Verfügung stehenden diplomatischen, konventionellen und nuklearen Kapazitäten“. Trump erklärte das dem Weißen Haus zufolge in einem Telefongespräch mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Bereits zuvor hatte Verteidigungsminister James Mattis Nordkorea gewarnt, dass es im Fall einer Bedrohung der USA oder derer Verbündeten mit einer massiven militärischen Antwort rechnen müsse. Die USA hätten viele militärische Optionen.

Hinweise auf weiteren Raketentest

Südkorea hat Hinweise auf einen weiteren geplanten Raketentest Nordkoreas. Die Regierung in Pjöngjang bereite den "Abschuss einer ballistischen Rakete vor", erklärte das Verteidigungsministerium in Seoul am Montag. Nach Angaben des Ministeriums wollen die USA und Südkorea wegen der angespannten Lage ihr gemeinsames Raketenabwehrsystem ausbauen.

Womöglich plane Pjöngjang den Abschuss einer weiteren Interkontinentalrakete, erklärte das Ministerium. Die Sprengkraft des vermuteten Atomwaffentests vom Sonntag schätzt Seoul demnach auf 50 Kilotonnen. Das wäre dreimal so stark wie die Atombombe, die die USA 1945 auf das japanische Hiroshima abwarfen.

Keine Bestätigung gibt es bisher für nordkoreanische Angaben, es habe sich um eine Wasserstoffbombe gehandelt. Ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums in Seoul sagte aber, es sei "nukleares Material" zum Einsatz gekommen.

Als Reaktion solle das Raketenabwehrsystem THAAD ausgebaut werden, erklärte das Ministerium. Bisher sind zwei Raketenwerfer einsatzbereit, in Kürze sollen demnach vier weitere dazukommen. Die US-Abfangraketen sind rund 300 Kilometer südlich von Seoul stationiert. China argumentiert, das System destabilisiere die Region.

Putin ruft zur Besonnenheit auf

Der russische Präsident Wladimir Putin rief die internationale Gemeinschaft zu Besonnenheit im Umgang mit Pjöngjang auf. Der Kremlchef fordere dazu auf, „sich nicht von Emotionen leiten zu lassen, ruhig und ausgeglichen zu reagieren“, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Tass zufolge. Eine umfassende Lösung könne nur mit politischen und diplomatischen Mitteln gefunden werden. „Bislang kann man feststellen, dass die bereits bestehenden Sanktionen keine positiven Ergebnisse gebracht haben“, sagte Peskow. „Im Gegenteil: Die Situation lässt sehr zu wünschen übrig.“ Gemeinsam mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping habe Putin betont, dass ein Chaos auf der koreanischen Halbinsel unbedingt zu vermeiden sei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte im TV-Duell der Kanzlerkandidaten, eine Lösung des Nordkorea-Konflikts sei ohne Trump nicht möglich. Sie wolle sich bei Trump in aller Klarheit für eine friedliche Lösung einsetzen.

Der sechste Atomversuch Nordkoreas seit 2006 löste weltweit scharfe Kritik aus. UN-Generalsekretär António Guterres warf Pjöngjang eine „weitere schwerwiegende Verletzung“ internationaler Abkommen vor. EU-Ratspräsident Donald Tusk drohte mit einer Verschärfung der Sanktionen.

Der Konflikt mit Nordkorea heizt sich seit Monaten auf. Am Dienstag hatte Nordkorea erneut eine Mittelstreckenrakete getestet. Die Rakete flog über den Norden Japans. Seither wird bereits über neue Sanktionen diskutiert.

AFP/dpa/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Brexit-Abstimmung: May übersteht Misstrauensvotum und will „jetzt liefern“

Die Abstimmung über den Brexit-Deal endete im britischen Unterhaus mit einem „No“. Theresa May hat das anschließende Misstrauensvotum überstanden und wird den Brexit …
Brexit-Abstimmung: May übersteht Misstrauensvotum und will „jetzt liefern“

Klares Votum: AfD-Abgeordnete stimmen für Poggenburgs Fraktionsausschluss

Nach seinem Austritt will der Ex-Partei- und Fraktionschef der AfD in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, eine neue Partei gründen. Seine Ex-Kollegen fällen derweil ein …
Klares Votum: AfD-Abgeordnete stimmen für Poggenburgs Fraktionsausschluss

Tsipras' Vertrauensfrage: Entscheidung im griechischen Parlament gefallen

Nach dem Bruch der griechischen Regierungskoalition stellt sich Ministerpräsident Alexis Tsipras am Mittwochabend im Parlament der Vertrauensfrage.
Tsipras' Vertrauensfrage: Entscheidung im griechischen Parlament gefallen

Nach der verlorenen Brexit-Abstimmung - was passiert jetzt?

Das britische Unterhaus hat am Dienstag den Brexit-Deal mit der EU abgelehnt - nun droht ein chaotischer Austritt.
Nach der verlorenen Brexit-Abstimmung - was passiert jetzt?

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.