Langer Atem gefordert

Von der Leyen: „Afghanistan wird uns noch lange begleiten“

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Von der Leyen in Afghanistan

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat den deutschen Soldaten in Afghanistan Mut zugesprochen und einen langen Atem für ihren Einsatz gefordert.

Sie haben wirklich versucht, es sich so besinnlich wie möglich zu machen im Camp Marmal. Zwei große Tannenbäume haben sie geschmückt, eine bunte Lichterkette ziert das Atrium im Feldlager. Rund 400 Soldaten stehen in der afghanischen Kälte und trinken Glühwein. Ein knappes Dutzend trägt rote Nikolausmützen zum Flecktarn. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen steht am Rednerpult in einer knallgelben Winterjacke. „Das ist zu einem Ritual geworden, das mir liebgeworden ist“, sagt sie.

Sechs Mal besuchte die CDU-Politikerin schon die Truppe am Hindukusch, fünf Mal davon in der Adventszeit. Weihnachtsbesuche deutscher Verteidigungsminister sind in Afghanistan zur Tradition geworden. Aber die Besinnlichkeit trügt. Der Frieden könnte ferner nicht sein in dem kriegsgeplagten Land. Seit 16 Jahren läuft der Einsatz bereits, inzwischen nur noch als Ausbildungsmission. Die Sicherheitslage hat sich dramatisch verschlechtert. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Afghanistan war fast in Vergessenheit geraten

Dabei war Afghanistan zwischenzeitlich in Deutschland fast schon in Vergessenheit geraten. So sehr nun der Einsatz in Mali oder der Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak im Fokus stehen: Der Afghanistan-Einsatz ist nach wie vor der größte und verlustreichste Einsatz in der Geschichte der Bundeswehr. Hoffnung auf ein schnelles Ende gibt es nicht - im Gegenteil. Die afghanische Armee bekommt die Lage nicht alleine in den Griff. Die USA wollen die Truppen deshalb wieder aufstocken. Und auf Deutschland - nach den USA größter Truppensteller - wächst der Druck, mitzuziehen.

Knapp 1000 deutsche Soldaten sind noch da. Sie kämpfen nicht mehr, sondern beraten, bilden aus, verwalten. Und das auch über die Feiertage, 5000 Kilometer fern der Heimat. Wie jedes Jahr haben die Soldaten einen improvisierten Weihnachtsmarkt im Feldlager nahe der nordafghanischen Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif aufgebaut. Lange Schlangen bilden sich vor den Glühweinständen, Bratwurstbuden verströmen leckeren Duft. An der Wand hängt eine große Videoleinwand, die Kameraden in Kabul sind live für die Rede der Ministerin zugeschaltet, sie stehen stramm und blicken in die Kamera.

Von der Leyen wählt deutliche Worte für ihre Weihnachtsbotschaft, Feststimmung hin oder her. Sie fordert von den Soldaten vor allem eins: einen langen Atem. „Wir alle wissen, die internationale Gemeinschaft, dass wir Geduld haben müssen, dass die Afghanen Zeit brauchen.“ Es werde immer wieder Rückschläge geben. So wie Ende Mai dieses Jahres: Bei einem Anschlag mit einem Tanklaster nahe der deutschen Botschaft in Kabul sterben bis zu 150 Menschen.

Von der Leyen schätzt die außerordentliche Leistung 

Aber die Oberbefehlshaberin will auch die Truppenmoral unterm Tannenbaum stärken, den Soldaten Mut zusprechen für die Zukunft, die in Afghanistan alles andere als rosig scheint. „Wir wissen und schätzen, wie außerordentlich Ihre Leistung hier ist“, sagt sie. Der Einsatz trage langsam Früchte. Die afghanischen Sicherheitskräfte hätten dieses Jahr acht Provinzhauptstädte von den Taliban zurückerobert. „Wenn wir Bilanz ziehen, müssen wir immer wieder bedenken, woher dieses Land seit 2001 gekommen ist. Es war die Brutstätte des internationalen Terrors, es war ein Land geschunden von militärischer Auseinandersetzung, ohne Regierung.“

Sie übergibt gelbe Bänder als Symbol der Verbundenheit, unterzeichnet vom Büro des Wehrbeauftragten und von Bundestagsabgeordneten. Sie verteilt Gutscheine für Kakao, Glühwein, Bratwurst. Sie singt mit der Truppe ein paar Weihnachtslieder. Dann wirft sich die Oberbefehlshaberin in die Menge. Aus den Boxen dröhnt mittlerweile Popmusik. Sofort umkreisen die Soldaten die Politikerin, zücken ihre Handys, posieren für Selfies mit von der Leyen - es ist die gleiche Prozedur wie jedes Jahr. Und es dürfte nicht der letzte Weihnachtsbesuch dieser Art in Afghanistan gewesen sein.

dpa

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