Reaktionen zum Vorfall

Chef der Muslime wütet nach Amokfahrt in Münster: „Brauchen uns nicht wundern ...“

Aiman Mazyek.
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Aiman Mazyek.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat sich entsetzt über die Amokfahrt in Münster gezeigt. Auch Kanzlerin Merkel und der Chef der Muslime in Deutschland meldete sich zu Wort. Die Reaktionen.

Münster - Ein Mann war am Samstagnachmittag mit einem Kleintransporter in eine Menschenmenge gefahren und hatte dabei drei Menschen getötet und 20 weitere verletzt, sechs von ihnen schwer. Er erschoss sich anschließend selbst.

Alle Infos im Ticker:  Zwei Tote bei Amok-Fahrt in Münster

Axel Prahl und Jan Josef Liefers (Kommissare im Münster-“Tatort“): „Erste Bilder und Nachrichten aus Münster brechen mir das Herz. Einer der friedlichsten und freundlichsten Orte, die ich kenne - trotz dieses kranken Anschlags. Meine Gedanken sind bei allen Münsteranern, besonders den Toten und Verletzten, ihren Freunden und Angehörigen“, twittert Liefers.

„Ich bin schockiert und traurig. Ich wünsche den Familien und Angehörigen der Opfer jetzt ganz viel Kraft und den Verletzten eine hoffentlich schnelle und vollständige Genesung. Wir denken an Euch. Münster, bleib wie Du warst und wie wir Dich lieben: offen, friedlich, freundlich, stark und stolz. Lass Dich jetzt nicht unterkriegen“, schrieb Prahl auf Facebook.

Münster-"Tatort": Axel Prahl (l.) und Jan-Josef Liefers.

Aiman Mazyek (Vorsitzender Zentralrat der Muslime in Deutschland): "Deutsche Täter sind psychisch gestört - muslimische 'islamistische' Terroristen?", fragte Zentralratschef Aiman Mazyek am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Mit diesem unsäglichen Doppelstandarddiskurs brauchen wir uns nicht wundern, warum Islamphobie stets weiter steigt." Damit werde "das Geschäft der Extremisten und Terroristen" betrieben.

Die Reaktionen aus der Politik

Bundeskanzlerin Angela Merkelzeigte sich "zutiefst erschüttert" über die "schrecklichen Geschehnisse" in der westfälischen Universitätsstadt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einer "schweren Gewalttat" und sprach den Betroffenen sein Beileid aus. "Die Meldungen, die uns aus Münster erreichen, sind entsetzlich", erklärte Steinmeier.

Bundesinnenminister Horst Seehofer: Die Tat habe einmal mehr gezeigt, "dass bei allen Bemühungen einer staatlichen Gemeinschaft leider eine absolute Sicherheit nicht möglich ist", sagte Seehofer am Sonntag bei einem Besuch in der nordrhein-westfälischen Stadt. Der Staat müsse aber weiterhin "alles tun, um solche Verbrechen in der Zukunft zu mindern oder vielleicht sogar zu verhindern".

Seehofer sprach von einem "feigen und brutalen Verbrechen". Es gebe "starke Hinweise" darauf, dass es sich um einen Einzeltäter ohne "Bezug zur Terrorszene" gehandelt habe. Es werde aber weiter "in alle Richtungen ermittelt". Der Minister sprach den Opfern und Angehörigen seine Anteilnahme aus und dankte Polizei und Helfern für ihre Arbeit. Alle Beteiligten hätten "sehr schnell, sehr gut und absolut professionell" gearbeitet, sagte er.

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SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles: "Ich bin erschüttert über die Nachrichten, die uns aus Münster erreichen. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker: "Wir trauern mit Münster. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Mein großer Dank gilt all jenen, die ihnen in diesen schweren Momenten helfen. Ich wünsche ihnen ebenso wie natürlich den Verletzten viel Kraft."

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron: "All meine Gedanken sind bei den Opfern des Angriffs von Münster. Frankreich teilt das Leid Deutschlands."

US-Regierungssprecher: "Präsident Donald Trump wurde über den entsetzlichen Angriff mit einem Fahrzeug in Münster informiert. Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Familien der Getöteten."

Nordrhein-westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Nordrhein-westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU): "Ein trauriger, ein schrecklicher Tag für unser Land. Meine Gedanken und Gebete sind bei den Angehörigen der Toten und den Schwerverletzten in Münster." Die Polizei unternehme "alles zur Aufklärung der schrecklichen Tat", schrieb Laschet auf Twitter.

Tags darauf erklärte er bei einem Besuch am Tatort: Der Samstag sei „ein schrecklicher, ein trauriger Tag für die Menschen in Münster“ gewesen, aber auch für ganz Nordrhein-Westfalen und Deutschland, sagte Laschet am Sonntag in der Nähe des Tatorts. Er lobte die Besonnenheit und Solidarität der Bevölkerung und kritisierte diejenigen Nutzer sozialer Netzwerke, die dort kurz nach der Tat „das Hetzen“ begonnen hätten.

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe: "Ich danke schon jetzt den vielen Einsatzkräften, die unermüdlich im Einsatz sind", sagte er vor Journalisten in Münster. "Ganz Münster trauert über dieses schreckliche Ereignis - unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Getöteten, den Verletzten wünschen wir schnelle und baldige Genesung."

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Münsters Bischof Genn: "Ich bin zutiefst erschüttert und fassungslos"

Bischofskonferenzvorsitzender Kardinal Reinhard Marx: "Die Nachricht darüber, dass in Münster ein Fahrer in eine Menschengruppe raste und Menschen getötet und weitere teils schwer verletzt hat, bestürzt mich zutiefst. Meine Gebete gelten den Toten und allen Betroffenen - und mit mir auch die aller Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz."

Münsters Bischof Felix Genn: "Ich bin zutiefst erschüttert und fassungslos. Wir hatten heute in Münster wie in ganz Deutschland den ersten Frühlingstag, die Menschen haben das herrliche Wetter genossen - und dann geschieht so etwas."

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Genn mahnte bei der Bewertung des Vorfalls zur Vorsicht: Die genauen Hintergründe seien noch nicht bekannt. "Doch davon unabhängig gilt: Das, was geschehen ist, ist schrecklich - in meinen Gedanken und Gebeten bin ich bei den Opfern und ihren Familien."

Genn lud alle Menschen in seinem Bistum ein, sich miteinander im Gebet für die Opfer zu verbinden. "Mein ausdrücklicher Dank gilt schon jetzt den Einsatzkräften der Polizei und auch den Notfallseelsorgern. Was sie gerade leisten, verdient höchsten Respekt", erklärte der Bischof.

AFP

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