Nahost-Konflikt

Waffenruhe in Nahost - Atempause für Zivilisten

Feiernde Palästinenser
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Feiern zum Ende der Waffenruhe in Gaza-Stadt. Die Hamas sieht sich als Siegerin des Konflikts.

Die Einstellung der Kämpfe bedeutet unmittelbar ein Ende der tödlichen Gewalt. Die Menschen in Israel und im Gazastreifen können zunächst einmal aufatmen. Doch eine dauerhafte Lösung der Probleme ist nicht in Sicht.

Tel Aviv/Gaza (dpa) - Im Gaza-Konflikt schweigen nach elf Tagen Kämpfen zwischen Israel und militanten Palästinensern nun die Waffen. Seit Freitag um 02.00 Uhr Ortszeit (01.00 MESZ) gilt eine von Ägypten vermittelte Waffenruhe. In den ersten Stunden hielten sich beide Seiten daran.

Zugleich gab es zahlreiche internationale Appelle an Israelis und Palästinenser, sich um eine dauerhafte Friedenslösung zu bemühen.

Die Europäische Union (EU) bot dazu ihre Unterstützung an. „Die Wiederherstellung eines politischen Horizonts für eine Zwei-Staaten-Lösung bleibt von größter Bedeutung“, erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Die EU wolle dafür auch ihr Engagement innerhalb des wiederbelebten Nahost-Quartetts ausbauen. Dieses besteht aus den USA, Russland, der EU und den Vereinten Nationen (UN). US-Außenminister Antony Blinken will in Kürze in die Region reisen, wie in Israel verlautete.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Waffenruhe. „Das ist eine gute Nachricht. Jetzt muss es darum gehen, dass diese Waffenruhe auch respektiert wird, dass sie Bestand hat“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Nur eine Zwei-Staaten-Lösung könne die Ursachen der Auseinandersetzung beheben. Wichtig sei auch, dass die humanitäre Hilfe für die Bevölkerung im Gaza-Streifen rasch weitergehe. Dort leben etwa zwei Millionen Palästinenser unter teils prekären Bedingungen.

Auch der Papst hofft auf Fortschritte: „Ich danke Gott für die Entscheidung, die bewaffneten Kämpfe zu stoppen, und ich hoffe, dass die Wege des Dialogs und des Friedens beschritten werden“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa.

Das israelische Militär hob indes die Sicherheitsbestimmungen für die Bevölkerung im Süden des Landes wieder auf. Die Menschen im Gebiet an der Grenze zum Gazastreifen waren vom Raketenbeschuss der islamistischen Hamas und ihrer Verbündeten besonders hart betroffen. Allein am Donnerstag harrten sie die meiste Zeit des Tages in Luftschutzräumen aus. Grundsätzlich mussten sie sich auf Weisung der Armee gut elf Tage hindurch in der Nähe der Schutz bietenden Einrichtungen aufhalten.

Die Waffenruhe war am Vorabend vom israelischen Kabinett und von der Führung der Hamas in Gaza gebilligt worden. Beide Seiten warnten jedoch, dass sie hinfällig würde, sollte sich die Gegenseite nicht an die zugrundeliegende Vereinbarung halten. „Die Entscheidung, den Raketenbeschuss Israels wieder aufzunehmen, bleibt eine Option“, erklärte ein Sprecher der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas, im islamistischen Fernsehsender Al-Aksa.

Im Gazastreifen strömten noch in der Nach Tausende Menschen auf die Straßen. Inmitten von Ruinen machten sie ihrer Erleichterung über das Ende des Schreckens Luft. Sie zündeten Feuerwerkskörper, gaben Schüssen in die Luft ab und riefen „Allahu akbar!“ (Gott ist groß!).

Das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) warnte derweil vor übertriebenen Hoffnungen. Die Waffenruhe löse die eigentlichen Probleme nicht, sagte UNRWA-Direktor Matthias Schmale. „Es wird wieder ein Krieg ausbrechen, solange die fundamentalen Ursachen nicht angegangen werden.“

Die Folgen der in den letzten elf Tagen entfesselten Gewalt sind verheerend. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden bis Donnerstag 232 Palästinenser getötet, unter ihnen 65 Kinder und Jugendliche. 1900 Menschen erlitten Verletzungen. Bei den israelischen Luftangriffen wurden 1800 Wohnungen und Häuser zerstört, darunter fünf Hochhäuser. Krankenhäuser wurden schwer beschädigt, Straßen ruiniert.

In Israel starben zwölf Menschen, mehr als 300 wurden verletzt. Die militanten Palästinenser schossen nach israelischen Angaben insgesamt 4340 Raketen auf das Land ab. Rund 90 Prozent der Geschosse fing nach diesen Angaben das israelische Abwehrsystem Eisenkuppel ab. Erstmals erreichten Raketen in beträchtlicher Zahl auch die Küstenmetropole Tel Aviv, das Wirtschaftszentrum Israels. Der Konflikt war am 10. Mai mit dem Raketenbeschuss der Hamas auf Jerusalem eskaliert. Israel reagierte darauf mit massiven Angriffen im Gazastreifen.

Kurz vor Verkündung der Waffenruhe hatte Bundesaußenminister Heiko Maas die Region besucht - eher Begleitmusik zu den hinter den Kulissen verlaufenen Bemühungen um eine Waffenruhe. Entscheidend war der Beitrag der USA, des wichtigsten Verbündeten Israels. US-Präsident Joe Biden erhöhte zuletzt den Druck auf Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der die militärischen Kapazitäten der Hamas entscheidend schwächen wollte.

Aus amerikanischer Sicht ist klar, dass die Waffenruhe allein noch keine Entschärfung der explosiven Lage in Nahost bringen wird. In Kürze wird deshalb US-Außenminister Blinken zu Gesprächen in der Region erwartet.

© dpa-infocom, dpa:210520-99-683040/16

Der Konflikt kostete 232 Menschen im Gazastreifen und 12 Menschen in Israel das Leben.

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