Ticker zur Vorrunde

Frankreich-Wahl: Le Pen legt Parteivorsitz vorübergehend nieder

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Marine Le Pen will sich voll und ganz auf die Stichwahl konzentrieren. 

Paris - Die Wahl in Frankreich 2017: Emmanuel Macron und Marine Le Pen gehen in die Stichwahl am 7. Mai. Das sind die Reaktionen. Wir begleiten die Wahl im Live-Ticker.

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Das Ergebnis der Wahl in Frankreich

+++ Ihre Liebe begann, als sie seine Lehrerin war: Wir haben zusammengefasst, was Sie zu Brigitte Macron, der Ehefrau von des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron wissen müssen.

+++ Die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen legt vorübergehend den Vorsitz der Front National nieder. Sie wolle "über den Parteiinteressen" stehen und in der Stichwahl möglichst viele Franzosen hinter sich vereinen, sagte sie am Montagabend dem TV-Sender France 2. Le Pen gab sich trotz Umfragen, wonach ihr Rivalen Emmanuel Macron im zweiten Wahlgang mit mehr als 60 Prozent der Stimmen rechnen kann, siegesgewiss: "Wir können gewinnen oder besser gesagt, wir werden gewinnen." 

Le Pen attackierte Macron scharf. Nichts in seinem Programm oder seinem Verhalten lasse "die geringste Liebe zu Frankreich erkennen", sagte sie. Sich selbst stellte sie als "Beschützerin der Franzosen" dar, die eine "Auflösung" des Landes verhindern wolle.

+++ Der gescheiterte Präsidentschaftskandidat François Fillon führt die bürgerliche Rechte Frankreichs nicht in die Parlamentswahlen im Juni. Das kündigte der 63-Jährige am Montag vor dem Leitungsgremium der Republikaner in Paris an.

+++ Am Tag nach der Wahl ist die spannende Frage: Wer hat welchen Kandidaten gewählt? Wir haben verschiedene Grafiken zusammengetragen, die zeigen, wer für Macron und wer für Le Pen gestimmt hat. Unterschiede gibt es vor allem beim Einkommen.

+++ Frankreichs Staatschef François Hollande hat eine Wahlempfehlung für den parteilosen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron ausgesprochen. Ein Sieg der Rechtspopulistin Marine Le Pen in der Stichwahl vom 7. Mai wäre ein "Risiko" für Frankreich, sagte Hollande am Montag in Paris. Er werde deswegen für seinen früheren Wirtschaftsminister Macron stimmen, der in der ersten Wahlrunde am Sonntag vor Le Pen gelandet war.

+++ Auch zur Stichwahl gibt es schon erste Umfragen. Dort liegt ein Kandidat deutlich vorne. Wir haben die Umfragen hier zusammengefasst.

+++ Die EU-Kommission hat sich klar hinter den französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron gestellt - obwohl sie sich damit in eine laufende Wahl einmischt. In Frankreich gebe es eine Entscheidung „zwischen der Verteidigung dessen, was Europa verkörpert, und einer Option, die auf die Zerstörung Europas abzielt“, sagte ein Sprecher von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Montag. „Deshalb dachte unser Präsident, dass es nützlich sei, den Kandidaten anzurufen, der die Wahl für Europa verteidigt hat.“ Juncker hatte Macron noch am Sonntagabend kontaktiert und ihm zum Sieg in der ersten Wahlrunde gratuliert. Ein Sprecher teilte das später per Twitter mit. Eigentlich mischt die EU-Kommission sich nicht in Wahlen in Mitgliedsstaaten ein.

AfD gratuliert Le Pen

+++ AfD-Chefin Frauke Petry hat der Vorsitzenden der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, zum Einzug in die Stichwahl in Frankreich gratuliert. Die Abstimmung habe gezeigt, dass Frankreich ebenso wie Deutschland „den Mehltau aus Stagnation und übertriebener politischer Korrektheit eine deutliche Ablehnung erteilt und sich Alternativen wünscht“, meinte die nach dem Kölner AfD-Parteitag vom Wochenende angeschlagene Bundes- und sächsische Landesvorsitzende am Montag in Dresden.

Viele Bürger hätten für Le Pen gestimmt, weil sie einen Umbau wollten. „Ich freue mich mit ihr zusammen über dieses klare Signal an die Spitzen der EU und auch an bundesdeutsche Politiker, dass ihre Politik des Ausgrenzens und Stigmatisierens der Wähler inzwischen als das gesehen wird, was es in Wahrheit ist: eine übermoralisierende Impertinenz“, sagte Petry.

+++ In einer ersten Reaktion auf das Wahlergebnis in Frankreich hat die russische Regierung auf eine Bewertung verzichtet. "Wir respektieren die Entscheidung des französischen Volkes", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag laut amtlicher Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Auf die beiden Erstplatzierten der ersten Wahlrunde ging der Kreml-Sprecher nicht ausdrücklich ein.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Marine Le Pen Ende März

im Kreml empfangen. Das Treffen war als außergewöhnlich gewertet worden, Putin empfängt nur selten ausländische Kandidaten vor einer Wahl.

DAX erreicht Rekordhoch

+++ Der Deutsche Aktienindex DAX hat am Morgen nach den Wahlen in Frankreich einen neuen Höchststand erreicht. Der Index kletterte auf 12.398,05 Punkte. Die Anleger reagieren mit Erleichterung auf das Wahlergebnis. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) begrüßte das Ergebnis als "ermutigendes Zeichen". Es sei gut, dass sich Frankreich "für einen pro-europäischen Politiker als Topkandidaten ausgesprochen" habe, erklärte BDI-Präsident Dieter Kempf. Der Wahlsieger der ersten Runde, Emmanuel Macron, mache sich für internationale Zusammenarbeit und einen offenen Welthandel stark.

+++ Nach Ausschreitungen am Abend der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl hat die Polizei in Paris 29 Personen in Gewahrsam genommen. Bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und linksradikalen Demonstranten seien zwischenzeitlich 143 Menschen vorläufig festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Polizeipräfektur am Montag.

Sechs Polizisten und drei Demonstranten wurden leicht verletzt. Vor allem am Bastille-Platz und am Platz der Republik war es nach Angaben der Polizei zu Auseinandersetzungen gekommen.

Nach Wahl in Frankreich: Antifaschisten randalieren in Paris

+++ Die europäische Presse ist sich einig: In Frankreich kündigt sich mit diesem Ergebnis ein politisches Erdbeben an. Die europäischen Zeitungen betonen die Wichtigkeit der Entscheidung für ganz Europa: „Die rechtspopulistische Welle in Europa ist gebrochen“, schreibt etwa die Süddeutsche Zeitung.

Pariser Börse reagiert positiv auf das Wahlergebnis

+++ Der französische Aktienmarkt hat die anderen Börsen Europas am Montagmorgen nach der erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl abgehängt. Der Leitindex CAC-40 kletterte mit 5268 Punkten auf den höchsten Stand seit April 2015. Zuletzt lag er 37 Punkte darunter noch mit 3,4 Prozent im Plus. Vorbörslich hatte sich sogar ein Sprung auf das Niveau von 2008 abgezeichnet. Dazu fehlten ihm dann aber rund 15 Punkte.

+++ Nach dem Erfolg des Mitte-Links-Kandidaten Emmanuel Macron hofft Ifo-Chef Clemens Fuest auf eine „Wende zum Besseren“ für Frankreichs Wirtschaftspolitik. Macron wolle den Staatssektor in der französischen Wirtschaft verkleinern und bessere Bedingungen für Investitionen und Beschäftigung erreichen, erklärte der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung am Montag in München. „Ob er diese Reformen umsetzen kann, wird davon abhängen, ob es ihm gelingt, auch die Parlamentswahlen zu gewinnen.“ Für Europa habe Macrons Sieg eine Katastrophe verhindert. Dennoch sei beunruhigend, dass über vierzig Prozent der Franzosen radikale und europafeindliche Kandidaten gewählt hätten.

+++ SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann kommentiert nach Macrons Erfolg: „Nach den Niederländern haben nun auch die Franzosen den Europafeinden mehrheitlich eine Absage erteilt: Europa wählt europäisch“, sagte Oppermann der Deutschen Presse-Agentur. Er sei sehr zuversichtlich, dass sich Macron auch in der Stichwahl in zwei Wochen durchsetzen werde. „Nun gilt es in Deutschland dafür zu kämpfen, dass die immer weiter nach rechts driftende AfD nicht in den Bundestag einzieht.“

+++ Nach dem Erfolg des sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron in der ersten Runde können Wirtschaft und Finanzmärkte nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aufatmen. „Mit Emanuel Macron steht der führende Kandidat für Wirtschaftsreformen und ein starkes Europa“, erklärte Präsident Marcel Fratzscher in Berlin. Noch sei es zu früh, Entwarnung zu geben, was einen Zusammenbruch der Finanzmärkte und ein Ende des Euro betrifft.

Bestes Ergebnis für Front National

+++ Rechtspopulistin Marine Le Pen hat in der ersten Runde der Präsidentenwahl nach Zahl der Stimmen das beste

Frankreich muss sich bei der Präsidentschaftswahl 2017 entscheiden: Europafreund Macron oder EU-Gegnerin Le Pen. 

Ergebnis in der Geschichte ihrer Front National erzielt. Nach fast vollständiger Auszählung stimmten mehr als 7,6 Millionen Franzosen für Le Pen, wie das Innenministerium am Montagmorgen auf seiner Internetseite bekanntgab. Das sind deutlich mehr als die 6,8 Millionen Stimmen, die die Front National landesweit in der zweiten Runde der Regionalwahlen 2015 bekam - der bisherige Stimmrekord der rechtsextremen Partei.

+++ Frankreich muss sich bei der Präsidenten-Stichwahl zwischen dem wirtschaftsfreundlichen Jungstar Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen entscheiden. Der sozialliberale Ex-Minister Macron setzte sich in der ersten Runde mit knapp 24 Prozent durch wie das Innenministerium am frühen Montagmorgen nach Auszählung fast aller Stimmen mitteilte. Die Europafeindin Le Pen kam auf rund 21,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 78 Prozent. Beide Kandidaten brachten mit ihrem Erfolg das etablierte Parteiensystem in Frankreich in spektakulärer Weise zu Fall. Erstmals seit Jahrzehnten ist kein Kandidat der Sozialisten oder der bürgerlichen Rechten mehr in der Endrunde vertreten.

Bilder: Die Wahlpartys von Macron und Le Pen

Das waren die Nachrichten zur Frankreich-Vorwahl vom Sonntag

+++ Mittlerweile sind 76 Prozent der abgegebenen Stimmen ausgezählt. Den Zahlen des französischen Innenministeriums zufolge liegt Macron noch vor Le Pen - der Vorsprung ist allerdings hauchdünn. 

+++ Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon hat keine Empfehlung für den zweiten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl abgegeben. Er wolle die 450 000 Personen befragen, die seine Kandidatur unterstützt hatten, sagte Mélenchon am Sonntagabend. Das Ergebnis dieser Befragung werde dann veröffentlicht.

+++ Die AfD freut sich mit Le Pen über ihr Ergebnis. „Glückwunsch an Marine Le Pen, das ist eine ganz große Leistung“, sagte AfD-Vorstandsmitglied André Poggenburg der Deutschen Presse-Agentur. Das gute Abschneiden der Front-National-Chefin sei ein weiterer Hinweis darauf, „dass die patriotische Bewegung in Europa wirklich wächst“. Ein Sieg Le Pens in der Stichwahl am 7. Mai sei aus seiner Sicht „möglich, aber nicht unbedingt wahrscheinlich“.

Wahl 2017 in Frankreich: Institut sagt deutliches Ergebnis für Stichwahl voraus

+++ Macron hat sich ebenfalls in einer Rede an seine Anhänger gewandt und ihnen darin für ihre Unterstützung gedankt. "Die Herausforderungen sind immens. Ich will mit dem System Schluss machen, dass unfähig ist, Probleme zu lösen. Ich bin bereit dafür - mit eurer Hilfe. Wir werden gewinnen", kündigte Macron an. 

+++ Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos sagt ein sehr deutliches Ergebnis für die Stichwahl am 7. Mai voraus. Der Prognose zufolge würde Macron mit 62 Prozent der Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt, während Le Pen nur auf 38 Prozent käme. Diese Zahlen stellen jedoch nur eine erste Voraussage da und sind entsprechend mit Vorsicht zu genießen.  

+++ „Am heutigen 23. April haben die Menschen in Frankreich gezeigt, dass unser Land einen einzigartigen Moment in seiner Geschichte erlebt“, schreibt Macron auf Twitter. 

Randale in Frankreich

+++ In Paris haben mehrere hundert vorwiegend jugendliche Demonstranten aus der antifaschistischen Szene randaliert. Die rund 300 Menschen versammelten sich auf dem Bastille-Platz. Die Polizei rief dazu auf, den Platz zu meiden. 

+++ Jetzt hat sich Mélenchon in einer Ansprache an seine Unterstützer gewandt. Seine Niederlage wollte er dabei aber noch nicht eingestehen. „Wenn die offiziellen Resultate bekannt sind, werden wir sie respektieren“, sagte er. 

+++ Nur Jean-Luc Mélenchon hat sich bisher nicht zu Wort gemeldet. Es scheint, als habe der Linkspolitiker die Hoffnung noch nicht aufgegeben. 

+++ CSU-Europapolitiker Manfred Weber hat sich für ein Bündnis aller Demokraten gegen die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen ausgesprochen. „Sie ist eine Blenderin“, erklärte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei im Europaparlament am Sonntagabend. „Die stolze Nation Frankreich darf nicht von einer Gaunerin regiert werden.“

Wahl 2017 in Frankreich: Euro steigt auf höchsten Wert seit Monaten 

+++ Die Grünen im Europaparlament sehen das Wahlergebnis in Frankreich als Zeichen, dass der Zulauf zu Rechtspopulisten in Europa stagniert. „Zwar zieht die Kandidatin Le Pen in die zweite Runde ein, aber auch sie hat - genauso wie schon Geert Wilders in den Niederlanden - ihr Ziel verfehlt, stärkste Kraft zu werden“, erklärte Fraktionschefin Ska Keller am Sonntagabend. Sie sagte dem linksliberalen Kandidaten Emmanuel Macron Unterstützung zu, kritisierte aber, dass „sein Programm, was ökologische und soziale Fragen angeht, stark zu wünschen übrig lässt“. Die Grünen würden Macron drängen, sein Programm nachzubessern. „Das Ziel Europas muss Wohlstand für alle sein“, meinte Keller. „Die Gefahr von Rechts ist nicht vorbei, und nur so können wir dagegen angehen.“

+++ Der Euro hat mit kräftigen Gewinnen auf den voraussichtlichen Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen reagiert. Die Gemeinschaftswährung stieg im frühen Handel am Montagmorgen (Ortszeit) im neuseeländischen Auckland zum US-Dollar auf den höchsten Stand seit fünf Monaten und kostete zuletzt 1,0933 Dollar. Das ist ein Gewinn von 1,9 Prozent im Vergleich zum Freitagabend.

+++ Bei einem Auftritt im nordfranzösischen Hénin-Beaumont sagte Le Pen, die erste Etappe Richtung Macht sei geschafft. "Es ist Zeit, das französische Volk zu befreien", so Le Pen weiter. Sie rief alle "Patrioten" auf, in der zweiten Wahlrunde am 7. Mai für sie zu stimmen.

+++ SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat den Erfolg des linksliberalen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron im ersten Wahlgang in Frankreich als Erfolg für ein geeintes Europa bewertet. Nach Geert Wilders in den Niederlanden habe nun auch Marine Le Pen, eine „Anti-Europäerin und offene Rassistin“, eine Niederlage erlitten, sagte Schulz am Sonntagabend in Berlin. Das sei eine gute Nachricht für Frankreich, Deutschland und Europa.

Wahl 2017 in Frankreich: Gabriel sieht Macron als neuen Präsidenten

+++ Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat das Abschneiden des linksliberalen Kandidaten Emmanuel Macron im ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahl begrüßt. „Ich bin sicher, er wird der neue französische Präsident“, sagte Gabriel am Sonntag in der jordanischen Hauptstadt Amman. „Er war der einzige pro-europäische Kandidat, der sich nicht versteckt hat hinter Vorurteilen gegenüber Europa.“

+++ Der scheidende Staatspräsident François Hollande hat dem sozialliberalen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron zum Erfolg bei der ersten Wahlrunde gratuliert. Hollande habe Macron nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse angerufen, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP am Sonntagabend unter Berufung auf den Élyséepalast. Hollande werde bald seine Entscheidung für die zweite Wahlrunde am 7. Mai bekanntmachen. Bisher hatte sich der Sozialist aus der Wahl um seine Nachfolge herausgehalten. Weitere Reaktionen auf das Ergebnis der Wahl haben wir hier zusammengefasst. 

+++ Marine Le Pen hat sich auf Twitter zu Wort gemeldet. „Die große Debatte findet endlich statt. Die Franzosen müssen diese historische Chance nutzen“, schreibt sie.  „Denn die große Herausforderung dieser Wahl ist die wilde Globalisierung, die unsere Zivilisation gefährdet.“ Sie spricht von einer Entscheidung zwischen der „totalen Deregulierung ohne Grenzen und ohne Schutz“ und „Grenzen, die unsere Jobs schützen, unsere Kaufkraft, unsere Sicherheit, unsere nationale Identität“.

+++ Auch der Sender TF1 sieht den sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron nun im ersten Wahlgang der Präsidentenwahl in Frankreich nun vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen. Laut einer neuen Hochrechnung kam Macron auf 23 Prozent, die Chefin der rechtsextremen Front National auf 22 Prozent. Anfangs hatte der Sender die beiden noch auf Augenhöhe gesehen. Die Hochrechnung des Senders France 2 hatte Macron von Anfang an vor Le Pen gesehen. Laut TF1 kam der Konservative François Fillon auf 19,5 Prozent, der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon auf 19 Prozent.

Wahl 2017 in Frankreich: Konservativer Fillon gesteht Niederlage ein

+++ Der konservative französische Präsidentschaftskandidat François Fillon hat seine Niederlage eingestanden und angekündigt, in der Stichwahl für den Mitte-Links-Kandidaten Emmanuel Macron zu stimmen. „Die Enthaltung entspricht nicht meinen Genen, vor allem wenn eine extremistische Partei sich der Macht nähert“, sagte er am Sonntagabend mit Blick auf den Einzug der Rechtspopulistin Marine Le Pen in die Stichwahl gegen Macron. „Der Extremismus kann Frankreich nur Unglück und Spaltung bringen“, sagte er. Es gebe deshalb keine andere Wahl, als am 7. Mai „gegen die extreme Rechte zu stimmen“.

+++ Die Grünen-Franktionsvorsitzende Kathrin Göring-Eckert schreibt auf Twitter: „Hoffnung und Offenheit gewinnen gegen Angst und Nationalismus.“ 

+++ Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat sich nach den ersten Hochrechnungen zur Präsidentenwahl in Frankreich optimistisch gezeigt. „Ein Signal für Europa, ein Signal der Erneuerung“, twitterte der Politiker nach ersten Hochrechnungen. „Emmanuel Macron macht auch Deutschland Mut.“

Wahl 2017 in Frankreich: So reagiert Macron

+++ In einem ersten Statement gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sage Emmanuel Macron: „Die Franzosen haben ihren Wunsch nach Veränderung ausgedrückt. Wir befinden uns an einem Wendepunkt der Geschichte Frankreichs.“ Sollten Le Pen und Macron in die Stichwahl kommen, stammt Frankreichs neuer Präsident zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht mehr aus der politischen Mitte. 

+++ Die ersten beide Übersee-Kreise sind ausgezählt: Macron hat in Guadeloupe die meisten Stimmen geholt, in Martinique ist dagegen Mélenchon vorne. 

+++ Der SPD-Europapolitiker Jo Leinen hat das starke Abschneiden der Rechtspopulistin Marine Le Pen im ersten Durchgang der französischen Präsidentenwahl als erschreckend bezeichnet. Gleichzeitig wertete Leinen den Einzug des Linksliberalen Emmanuel Macron in die Stichwahl am 7. Mai als Chance.

„Die französischen Wählerinnen und Wähler haben es nun in der Hand, im zweiten Wahlgang für ein europäisches Frankreich und gegen Abschottung und Nationalismus zu stimmen“, erklärte Leinen am Sonntagabend in Brüssel. „Die Europäische Union hat den Bürgerinnen und Bürgern Stabilität und Frieden gegeben. Dies sollten die Franzosen nun nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“

Wahl 2017 in Frankreich: Hamon ruft zur Unterstützung von Macron auf

+++ Frankreichs Premierminister Bernard Cazeneuve hat dazu aufgerufen, in der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahl für Emmanuel Macron zu stimmen. Es gehe darum, die rechtsextreme Front National zu schlagen, und „ihr unheilvolles Programm eines Rückschritts Frankreichs und der Spaltung der Franzosen“ zu verhindern, sagte der Sozialist. 

+++ Im Lager von Macron herrscht Freude über das Ergebnis, während die Unterstützer von Le Pen auf mehr Stimmen gehofft hatten. 

+++ Belgiens Regierungschef Charles Michel hat dem Bewerber Emmanuel Macron zum prognostizierten Erfolg bei der ersten Runde der Präsidentenwahl in Frankreich gratuliert. „Herzliche Glückwünsche, und ich wünsche Erfolg für ein europäisches Projekt, optimistisch und in die Zukunft gerichtet!“, schrieb Michel auf Twitter. 

+++ Marion Le Pen, die Nichte von Marine Le Pen, freut sich auf Twitter über „einen großartigen Sieg für alle Patrioten“. 

+++ Der Sozialist Benoît Hamon ruft in einer ersten Reaktion seine Wähler dazu auf, im zweiten Durchgang für Macron zu stimmen. „Ich bin dabei gescheitert, das Desaster, das sich angekündigt hatte, zu verhindern. Ich übernehme dafür die volle Verantwortung“, sagte Hamon vor seinen Anhängern. 

+++ Die französischen Fernsehsender veröffentlichen leicht unterschiedliche Zahlen. Laut TF1 liegen Macron und Le Pen derzeit auf Augenhöhe mit jeweils etwa 23 Prozent. 

+++ Bleibt es bei diesem Ergebnis, kommt es am 7. Mai zur Stichwahl zwischen dem parteilosen Mitte-Links-Politiker Macron und der Rechtspopulistin Le Pen. Was würde passieren, wenn Le Pen tatsächlich die Wahl für dich entscheiden würde? Wir erklären ihre Politik und beantworten die Frage: Wie schlimm wäre Le Pen als Präsidentin wirklich? 

+++ Laut der ersten Hochrechnung führt Marcon vor Le Pen. Fillion und Mélenchon folgen mit kurzem Abstand und sind derzeit gleichauf. 

+++ In gut zehn Minuten schließen auch in den Städten die Wahllokale und das Innenministerium wird eine erste Hochrechnung veröffentlichen. Angesichts der knappen Umfragewerte können sich diese Zahlen im Laufe der Nacht allerdings noch stark ändern. 

Wahl 2017 in Frankreich: Enges Rennen um Platz zwei erwartbar

+++ Fake News, also unwahre Nachrichten, sind auch bei der Wahl in Frankreich ein Thema. Das französische Bundesinnenministerium warnt etwa auf Twitter vor falschen SMS mit angeblichen Hochrechnungen. 

+++ Um genau 19 Uhr haben in Frankreich die ersten Wahllokale geschlossen. In größeren Städten können die Bürger noch bis 20 Uhr ihre Stimme abgeben. Zu diesen Zeitpunkt werden dann erste Hochrechnungen erwartet. Innerhalb Frankreichs dürfen vor 20 Uhr keine Hochrechnungen und Prognosen veröffentlicht werden.  

+++ Der belgische Sender RTBF neue Ergebnisse der Nachwahlbefragungen veröffentlicht. Demnach führt Macron mit über 24 Prozent der Stimmen, Le Pen, Fillion und Mélenchon kommen alle drei auf etwa 18 bis 20 Prozent. Es deutet sich also ein extrem knappes Rennen an. Auch diese Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Die neun wichtigsten Meinungsforschungsinstitute hatten vor der Wahl versichert, keine Nachwahlbefragungen durchzuführen.

+++ In Großbritannien haben sich zehntausende Franzosen an der ersten Runde ihrer Präsidentenwahl beteiligt. Besonders lang waren am Sonntag die Schlangen vor den 25 Wahllokalen in einer französischen Schule in London. Die Organisatoren rechneten dort mit insgesamt 50 000 Menschen. Polizisten sicherten das Areal ab.

Landesweit wurden 70 Wahllokale eingerichtet, darunter in Birmingham, Leeds und Edinburgh. Viele EU-Ausländer im Vereinigten Königreich sind verunsichert, da ihre Rechte nach dem geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union noch nicht geklärt sind.

Wahl 2017 in Frankreich: Erste Ergebnisse einer Nachbefragung liegen vor

+++ Wie das französische Innenministerium mitteilt, liegt die Wahlbeteiligung um 17 Uhr bei 69,42 Prozent und ist damit etwas niedriger als bei der letzten Präsidentschaftswahl vor fünf Jahren. Damals hatte sie zu diesem Zeitpunkt 70,59 Prozent betragen. Allerdings hatten die Wahllokale 2012 früher geschlossen als in diesem Jahr. 

+++ Für französische Staatsbürger, die in Deutschland leben, kann die Teilnahme an der Wahl ziemlich schwierig werden, wie die Erfahrung der Münchnerin Stefanie H. zeigt. Eine Möglichkeit zur Briefwahl oder zur Abstimmung via Internet gibt es bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich nicht, die Wähler in München geben ihre Stimmzettel in der französischen Schule ab. Dort herrschte am heutigen Vormittag allerdings so großer Andrang, dass die Wähler viel Zeit und Geduld mitbringen mussten. Wie H. gegenüber unserer Onlineredaktion erklärte, kam sie um kurz vor halb 10 ins Wahlbüro. Zu dieser Zeit war die Schlange bereits so lang dass sie mindestens zwei Stunden hätte warten müssen. Da H. ihre Kinder so lange nicht alleine zuhause lassen konnte, gab sie ihre Stimme angesichts der Wartezeit nicht ab. 

+++ Wie der belgische Fernsehsender RTBF berichtet, hat Emmanuel Macron laut einer Nachwahlbefragung bis zum Mittag 24 Prozent der Stimmen erreicht, gefolgt von Marine Le Pen mit 22 Prozent. François  Fillion kam der Umfrage zufolge auf 20,5 Prozent, Jean-Luc Mélenchon auf 18 Prozent.

Diese Zahlen müssen allerdings mit Vorsicht bewertet werden. Der Sender sagte nicht, wo oder von welchem Institut die Umfrage durchgeführt wurde oder wie viele Personen befragt wurden. Damit ist auch unklar, ob sie repräsentativ ist.

+++ Bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen hat der Linksaußen-Kandidat Jean-Luc Mélenchon nach Informationen des belgischen Rundfunks in einigen Überseegebieten die Nase vorn. Die französischen Karibikinseln sowie mehrere andere Überseegebiete hatten wegen der Zeitverschiebung bereits am Samstag abgestimmt. Auf Martinique liege Mélenchon mit gut 27 Prozent vor dem sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron mit 25,5 Prozent, berichtete der Sender RTBF am Sonntag.

Eine Quelle für die Ergebnisse, deren Veröffentlichung in Frankreich vor Schließung der letzten Wahllokale um 20 Uhr verboten ist, nannte das Medium nicht. Auch in Französisch-Guyana in Südamerika und auf der winzigen Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Küste liegt laut RTBF Mélenchon in Führung, hier sei die Rechtspopulistin Marine Le Pen auf dem zweiten Platz. Auf der Karibikinsel Guadeloupe sei nach Teilergebnissen dagegen Macron mit 30 Prozent klar in Führung vor Mélenchon mit knapp 24 Prozent.

In den französischen Überseegebieten ist nur ein sehr kleiner Teil der 47 Millionen französischen Wahlberechtigten registriert, auf Martinique etwa 297.000, auf Guadeloupe 288.000. Die dortigen Ergebnisse sind nicht repräsentativ, weil die Überseegebiete meist stärker links wählen.

Wahl in Frankreich: Zwei Wahllokale kurzfristig evakuiert

+++ In der Nähe des Wahllokals der französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen habenFemen-Aktivistinnen mit nacktem Oberkörper gegen die Rechtspopulistin demonstriert. Sie trugen Masken von Le Pen, US-Präsident Donald Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin.

Viel Aufmerksamkeit für Emmanuel Macron: Hier spricht er vor vor seinem Haus in Le Touquet in Nordfrankreich.

+++ Im Osten Frankreichs wurden zwei Wahllokale kurzzeitig evakuiert, da die Polizei davor ein gestohlenes Auto mit falschen Nummernschildern entdeckt hatte. Im dem Fahrzeug soll sich laut Informationen von Bild.de außerdem ein Gewehr befunden haben. Kurze Zeit später konnte allerdings Entwarnung gegeben werden. „Es handelt sich keinesfalls um einen terroristischen Akt“, sagte Benoît Desferet, Sicherheitschef des Départements Doubs. „Die Situation ist vollständig aufgeklärt, die Wahllokale sind wieder geöffnet, man kann vollkommen in Sicherheit wählen“, sagte außerdem der Bürgermeister von Besançon. 

+++ Die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen hat bei der Präsidentenwahl in Frankreich bereits am Sonntagmorgen ihre Stimme abgegeben. Sie votierte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen im nordfranzösischen Hénin-Beaumont, einer Hochburg ihrer Partei Front National. Auch der sozialliberale Kandidat Emmanuel Macron war schon wählen. Er kam gemeinsam mit seiner Frau Brigitte in das Wahllokal in Le Touquet in seinem Wahlkreis im Nordwesten Frankreichs.

Wahl in Frankreich: Wahlbeteiligung bis Mittag solide

+++ „Frankreich! Don't fuck it up, bitte“ - das schrieb Jan Böhmermann auf seiner Facebook-Seite und postete darunter ein Video, in dem sich junge Freiburger an junge Franzosen wenden.

+++ Die Wahlbeteiligung lag zunächst etwa so hoch wie bei der letzten Abstimmung vor fünf Jahren. Bei gutem Wetter in ganz Frankreich gaben nach Angaben des Innenministeriums bis zum Sonntagmittag rund 28,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. 2012 hatten im ersten Wahlgang bis 12 Uhr knapp 28,3 Prozent der Wähler abgestimmt; damals lag die Wahlbeteiligung am Ende bei rund 79,5 Prozent.

+++ Elf Kandidaten stehen zur Wahl, da sind natürlich mehrere Szenarien möglich, wie es nach dem ersten Wahlgang weitergeht. Wenn Sie diesen Link anklicken, erfahren Sie, wie es in Frankreich weitergehen könnte.

+++ Wenn in Deutschland eine Wahl ansteht, ganz gleich ob Landtag oder Bundestag, gibt es im Vorfeld meistens einen Wahl-O-Mat, der einem die Entscheidung für das Kreuzchen leichter machen soll. Doch wie würde das eigentlich bei der Wahl in Frankreich aussehen? Welcher der elf französischen Kandidaten vertritt am ehesten unsere Ansichten? Unter diesem Link gibt es die deutschsprachige Version eines Wahl-O-Maten, der einem nach der Beantwortung von 25 Fragen sagt, wen man bei der Frankreich-Wahl wählen würde.

+++ Die französischen Bürger wählen ein neues Staatsoberhaupt. Elf Kandidaten treten im ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl am Sonntag an. Die Wahllokale öffnen um 8 Uhr und schließen zwischen 19 und 20 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt werden auch die ersten Hochrechnungen erwartet. Wir begleiten die Wahl hier im News-Ticker und berichten über aktuelle Prognosen, Ereignisse, Ergebnisse und Reaktionen. 

Wahl in Frankreich: Hier geben die Kandidaten ihre Stimme ab

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Entscheidung wohl erst im zweiten Durchgang

Der französische Präsident wird direkt vom Volk gewählt. Um im ersten Wahldurchgang zu gewinnen, muss einer der Kandidaten die über die Hälfte aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinen. Bei elf Kandidaten ist das äußerst unwahrscheinlich. Erreicht keiner eine absolute Mehrheit, dann treten die beiden Anwärter mit den meisten Stimmen in einer Stichwahl erneut gegeneinander an. Seit 1965 gab es eine solche Stichwahl bei jeder Präsidentschaftswahl in Frankreich und es ist anzunehmen, dass es auch bei der diesjährigen Wahl dazu kommen wird. Im ersten Wahldurchgang geht es für die Kandidaten also zunächst darum, die Stichwahl zu erreichen. 

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Das sind die Favoriten

Alle elf Kandidaten haben die erforderlichen 500 Stimmen aus den Kreisen bestimmter Volksvertreter gesammelt. Der bisherige Inhaber François Hollande wird sich nicht erneut zur Wahl stellen. 

Die Kandidaten im Überblick:

  • Emmanuel Macron (39, En Marche!)
  • Marine Le Pen (48, Front National)
  • François Fillon (63, Les Républicains)
  • Benoît Hamon (49, Parti socialiste)
  • Jean-Luc Mélenchon (65, La France insoumise)
  • Nicolas Dupont-Aignan (56, Debout la France)
  • François Asselineau (59, Union populaire républicaine)
  • Nathalie Arthaud (47, Lutte ouvrière)
  • Philippe Poutou (50, Nouveau Parti anticapitaliste)
  • Jean Lassalle (61, Résistons!)
  • Jacques Cheminade (75, Solidarité et progrès)

Aktuellen Prognosen zufolge werden sich drei der Kandidaten ein enges Rennen an der Spitze liefern: Marine Le Pen von der rechtspopulistischen Front National, der Konservative François Fillon und der sozialliberale Emmanuel Macron. Daneben werden auch dem Sozialisten Benoît Hamon und dem Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon Chancen eingeräumt.

Die europakritische Le Pen wird den Prognosen zufolge mit ziemlicher Sicherheit den zweiten Wahlgang erreichen. Le Pen sieht ihren Kurs durch die Wahl von Donald Trump in den USA und den Brexit in Großbritannien gestärkt. Auch sie strebt einen Austritt aus der EU an, außerdem will sie die nationale Unabhängigkeit Frankreichs stärken und Einwanderung stoppen. 

Le Pens stärkster Konkurrent ist der ehemalige Wirtschaftsminister Macron. Er hat sich in der politischen Mitte positioniert und will vor allem den Arbeitsmarkt und das Rentensystem des Landes reformieren. Als unabhängiger Kandidat tritt Macron nicht als Parteipolitiker, sondern als Chef der Bewegung En Marche! an und finanziert sich durch private Spenden. Mit 39 Jahren könnte Macron der jüngste französische Präsident der Geschichte werden.

Wohin entwickelt sich die französische Politik? Einen ersten Eindruck vermittelt der erste Durchgang der Präsidentschaftswahl. 

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Alle Spitzenkandidaten im Fokus der Justiz

Das Trio der Spitzenkandidaten komplettiert der François Fillon. Der Konservative setzt sich für liberale Wirtschaftsreformen und niedrigere Staatsausgaben ein. Lange Zeit galt Fillion als aussichtsreichster Kandidat, dann setzte ihm eine politische Affäre zu. Im März wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Fillion eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, während seiner Zeit als Senator seine Frau Penelope als Mitarbeiterin bezahlt und außerdem zwei seiner Kinder beschäftigt haben. Das wirkte sich spürbar auf Fillions Umfragewerte aus. 

Doch auch seine Konkurrenten können kein sauberes Image vorweisen - tatsächlich ermittelt die französische Justiz auch gegen Le Pen. Im Fall von Le Pen geht es um ihre Arbeit als Abgeordnete im EU-Parlament. Ihr wird vorgeworfen, EU-Mittel missbraucht zu haben. Im Gegensatz zu Fillion leiden Le Pens Umfragewerte darunter jedoch bislang nicht. Macron wird ebenfalls von der Vergangenheit eingeholt: Die Justiz prüft eine US-Reise während seiner Zeit als Wirtschaftsminister. Unter anderem geht es dabei um Günstlingswirtschaft, die Vorwürfe richten sich aber nicht gegen Macron selbst.

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Das sind die Aufgaben des Staatsoberhaupts

Historisch bedingt besitzt der französische Präsident große Machtbefugnisse: Er ist nicht nur Staatschef und oberster Hüter der Verfassung, sondern gleichzeitig das Oberhaupt der Exekutive. Er leitet die Sitzungen des Kabinetts und bestimmt somit die täglichen Regierungsgeschäfte. Außerdem ernennt er den Premierminister und bestimmt in der Regel die Minister. Der Präsident kann das Parlament jederzeit auflösen und Neuwahlen anordnen. Ähnlich wie in den USA ist er zudem Oberbefehlshaber des Militärs und kann als solcher zum Beispiel über den Einsatz von Atomwaffen entscheiden.  

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