SPD-Mitgliederentscheid

Weil: SPD setzt zu oft auf falsche Themen

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Die SPD hatte bei der Bundestagswahl im September mit 20,5 Prozent abermals ihr schlechtestes Ergebnis eingefahren. Kay Nietfeld Foto: Kay Nietfeld

Was hat die SPD falsch gemacht? Klar, die Personalquerelen haben ihre Werte abstürzen lassen. Aber schon bei der Wahl sah sie ganz schlecht aus. Ministerpräsident Weil nimmt eine Analyse vor, die der eines derzeit Ungeliebten nahe kommt.

Berlin (dpa) - Niedersachsens SPD-Ministerpräsident Stephan Weil sieht die Schwäche seiner Partei auch in einer falschen Themensetzung begründet. "Systemdiskussionen interessieren kaum jemanden. Bei meinen Bürgerversammlungen hat mich kein einziger Mensch auf die Bürgerversicherung angesprochen.

Auch die Debatten über Freihandelsabkommen oder Vorratsdatenspeicherung interessieren dort kaum jemanden", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Partei habe aber über Jahre darauf verzichtet, streitige Sachfragen zu klären, etwa zur Aufnahme von Flüchtlingen oder in der Energiepolitik. Im Wahlkampf habe die SPD auch deshalb profillos gewirkt, da zuvor unter dem Vorsitz von Sigmar Gabriel keine Klärungen erfolgt seien.

Allerdings hatte auch Gabriel im Dezember einen ähnliche Analyse abgegeben. Er sprach sich damals im "Spiegel" auch für eine offene Debatte über Begriffe wie "Heimat" und "Leitkultur" aus.

Die SPD hatte bei der Bundestagswahl im September mit 20,5 Prozent abermals ihr schlechtestes Ergebnis eingefahren. Angesichts zahlreicher Personalquerelen ist sie inzwischen in einer Insa-Umfrage für die "Bild"-Zeitung gar auf 15,5 Prozent gefallen und liegt damit erstmals bundesweit hinter die AfD mit 16 Prozent.

Das hat in der Partei einen weiteren Schock ausgelöst. Er könnte allerdings beim am Dienstag begonnenen SPD-Mitgliederentscheid über eine neue große Koalition noch zu einem anderen Effekt führen: dass nämlich mancher Skeptiker doch mit Ja stimmt, weil eine Neuwahl die SPD-Krise noch weiter verschlimmern könnte. Die Abstimmung erfolgt schriftlich per Brief, das Ergebnis soll am 4. März verkündet werden.

Weil forderte, dass die niedersächsische SPD mit ihrem "richtig guten Personalangebot" einen der künftigen SPD-Kabinettsposten erhält. Über eine mögliche Regierungszukunft des geschäftsführenden Außenministers Gabriel, der dem Landesverband angehört, wollte er sich nicht äußern.

Die designierte SPD-Vorsitzende, Bundestagsfraktionschefin Andrea Nahles, verlangte angesichts der Umfragewerte mehr Disziplin in der Partei. Die SPD brauche "mehr Teamarbeit und mehr kommunikative Disziplin", sagte Nahles dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). "Wenn wir uns nicht dauernd nur mit rückwärtsgewandten Debatten beschäftigen, haben wir eine Menge Anknüpfungspunkte."

Selbstkritisch äußerte sich Nahles über den Abgang von Martin Schulz, der zunächst Außenminister werden wollte, dann aber wegen des öffentlichen Drucks zurückzog. "Das ist in der Tat ein Einschätzungsfehler gewesen, den wir zusammen gemacht haben", sagte sie. Parteivize Thorsten Schäfer-Gümbel sagte der "Tageszeitung" ("taz"): "Es war eine kollektive Fehleinschätzung."

SPD-Fraktionsvize Eva Högl sieht den anstehenden Beschluss der Parteimitglieder für oder gegen eine große Koalition unterdessen als politisch bindend für die SPD-Bundestagsabgeordneten an. "Es ist nicht vorstellbar, dass die SPD-Bundestagsfraktion für eine Koalition stimmt, wenn die Mitglieder das mehrheitlich abgelehnt haben", sagte Högl der "Rheinischen Post" und fügte hinzu: "Auch wenn wir kein imperatives Mandat haben."

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder will an diesem Mittwoch bei einer Wirtschaftsveranstaltung in München erneut um Zustimmung seiner Partei zu einer neuen großen Koalition werben. Die SPD-Unterhändler hätten ein Ergebnis erreicht, "das sich wahrlich sehen lassen kann", heißt es im Redemanuskript des einstigen SPD-Vorsitzenden, das der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwoch) vorliegt.

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