SPD fordert Rücktritt

Wolfgang Bosbach verklagt Kommentatoren-Legende - und gerät selbst in die Schusslinie

Eine Geldleihe von CDU-Politiker Wolfgang Bosbach an Kommentator-Legende Werner Hansch bringt beide Seiten in Erklärungsnot. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betruges.

  • CDU-Politiker Wolfgang Bosbach erstattete Anzeige gegen Kommentator-Legende Werner Hansch.
  • Hansch soll sich 5000 Euro von Bosbach unter wohl erfundenen Umständen geliehen haben.
  • Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem kuriosen Fall.

Recklinghausen - Erst am Freitag war Werner Hansch nach längerer Pause vom Mikrofon wieder bei einem Bundesligaspiel im Einsatz. Der 81-Jährige kommentierte für den Streaming-Sender DAZN die Partie zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt. Doch kurz vor dem Comeback in die Kommentatoren-Kabine wurde eine Nachricht um die ehemalige Ran-Stimme publik. Wie die WAZ als berichtete, wurde Hansch von Wolfgang Bosbach wegen Betruges angezeigt.

Wolfgang Bosbach gegen Werner Hansch - Hat sich der Kommentator Darlehen geschwindelt?

Der CDU-Politiker wirft dem Reporter vor, sich eine Notlage ausgedacht zu haben, um unter falschem Vorwand einen Kredit über 5000 Euro aufnehmen zu können. Bosbachs Vorwurf: Hansch habe nach einer Talk-Veranstaltung in Schwäbisch Gmünd einen Autounfall unter Alkoholeinfluss verursacht, den er ohne die Beteiligung der Polizei klären wollte. Hansch brauchte demnach 20.000 Euro, um eine Einigung mit dem Unfallopfer ohne Mitwissen der Öffentlichkeit zu treffen. 

Da sich Bosbach auf derselben Veranstaltung befand, pumpte Hansch den Politiker an. Dieser stellte Hansch ein 5000 Euro-Darlehen zur Verfügung, das der einstige Sportschau-Reporter bis Mitte April 2019 hätte zurückzahlen müssen. Doch die erste Frist verstrich, erst im September zahlte Hansch 1000 und 1500 Euro in zwei separaten Überweisungen zurück. Da Bosbach nicht länger auf den ausstehenden Betrag warten wollte, erstattete er letztlich Anzeige

Wolfgang Bosbach gegen Werner Hansch - Staatsanwaltschaft ermittelt bereits

Erst am vergangenen Dienstag ging der Restbetrag per Blitzüberweisung bei Bosbach ein, wie der Anwalt des Kommentators, Alfons Becker bestätigte. Doch Bosbach geht es nicht nur um das Finanzielle. „Er hat eine Notlage nur vorgetäuscht und dieses Verhalten hat mich sehr enttäuscht“, sagte der 67-Jährige gegenüber der Bild. Der Unfall soll laut Bosbach so nie stattgefunden haben. „Ich habe ihm vertraut. Er hat dieses Vertrauen ausgenutzt“, so Bosbach.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt bereits. Ob es zu einer Anklage kommt, steht offenbar noch nicht fest. Bei Betrugsfällen können Angeklagte mit Geldbußen und Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren rechnen. Werner Hansch hätte nicht betrügen wollen, meinte sein Anwalt Becker am Mittwoch. Sein Mandant habe zum Zeitpunkt des Darlehensvertrags mit erheblichen Geldzuflüssen in den darauffolgenden Wochen aus einer geplanten Veranstaltungsreihe gerechnet.

Wolfgang Bosbach gegen Werner Hansch - Die Opposition fordert nun Bosbachs Rücktritt

Die Opposition in Nordrhein-Westfalen reagierte in Person von SPD-Franktionsvize Sven Wolf, der gegenüber der DPA gegen Wolfgang Bosbach schoss. „Herr Bosbach wollte Werner Hansch laut Medienberichten helfen, eine Straftat an der Polizei vorbei zu regeln“, so Wolf, der Ministerpräsident Armin Laschet zum Handeln aufrief. Dieser solle „das Trauerspiel beenden. Ob er Herrn Bosbach entlässt oder seinen Rücktritt einfordert – das überlasse ich ihm.“ 

„Auch wenn es den Unfall unter Alkoholeinfluss gar nicht gab, handelte Herr Bosbach ja im Glauben, es sei so gewesen“, erklärte Wolf seinen Standpunkt. Die SPD sieht Bosbach nach den vergangenen Ereignissen nicht in der Lage, die vorgesehene Position als Vorsitzender der Sicherheitskommission der Landesregierung von NRW zu bekleiden.

Die CDU sucht unterdessen noch einen Nachfolger für Annegret Kramp-Karrenbauer - die Umfragen zeigen einen klaren Sieger. Das sind die Kandidaten für die AKK-Nachfolge.

ajr

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Revierfoto

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