Breitseite gegen Scheuer und Dobrindt

Genervt von CSU-Attacken: Wutausbruch von Ministerpräsident Kretschmann

+

Angespannte Stimmung kurz vor dem Ende der Jamaika-Sondierungsgespräche. Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann machte nun den CSU-Verhandler Scheuer und Dobrindt Vorwürfe. 

Berlin/Stuttgart - Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat bei einem Wutauftritt am Rande der Jamaika-Sondierungen das Verhalten der CSU gegenüber seiner Partei angeprangert. Mit den "pauschalen Angriffen" von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gegen die Grünen müsse jetzt endlich Schluss sein, sagte ein sichtlich erzürnter Kretschmann am Mittwochabend. Er zeigte sich hinsichtlich der Sondierungsgespräche "nicht optimistisch". 

Kretschmann hat einen „Verdacht“

"Also entweder will man gemeinsam was machen, dann unterlässt man so was, öffentliche Angriffe auf andere Verhandler zu machen, oder man sagt gleich, man will das nicht haben", fügte der Grünen-Politiker hinzu. "Dann sollen sie es sagen, aber das geht mal gar nicht." Er werde den Verdacht nicht los, "dass diese Herren es gar nicht wollen, dass wir konstruktiv und erfolgreich verhandeln". 

Kretschmann gilt eigentlich als einer der einflussreichsten und kompromissbereitesten Fürsprecher einer Koalition mit CDU, CSU und FDP bei den Grünen. So hatte er vergangene Woche der „Bild“-Zeitung gesagt: „Jeder Preis, den wir zahlen, ist geringer, als wenn es Neuwahlen gibt.“

Dobrindt gab sich unbeeindruckt von Kretschmanns Wutausbruch: „Nicht Lautstärke entscheidet, sondern die Qualität der Argumente.“

Lange Liste offener Streitpunkte

Am Mittwochabend standen bei den Gesprächen der Parteichefs und Verhandlungsführer von CDU, CSU, FDP und Grünen die Themen Finanzen und Klima auf der Tagesordnung. Die abschließende Sondierungsrunde findet am Donnerstag statt. Es wird erwartet, dass sich die Gespräche bis tief in die Nacht zum Freitag hinziehen. Die Parteien gehen mit einer langen Liste offener Streitpunkte in die Endphase der Gespräche. Dazu zählen neben der Abschaltung von Kohlekraftwerken auch der Familiennachzug für Flüchtlinge sowie der Abbau des Solidaritätszuschlags. 

Nach der letzten Sondierungsrunde wollen die Parteien in unterschiedlichen Formaten beraten, ob die Grundlagen für den Einstieg in offizielle Koalitionsverhandlungen vorhanden sind.

Alle aktuellen Entwicklungen der Jamaika-Verhandlungen finden Sie auch hier in unserem Ticker

AFP, dpa

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Liberal oder konservativ? Kanada-Wahl könnte knapp ausgehen

Es war ein hitziger Wahlkampf, in dem Premier Trudeau sich immer wieder entschuldigte und sein Herausforderer ihn als "Betrüger" beschimpfte. Nun wird es wohl knapp in …
Liberal oder konservativ? Kanada-Wahl könnte knapp ausgehen

Elf Tote bei Protesten und Plünderungen in Chile

Eine Oase im unruhigen Lateinamerika - so beschrieb Chiles Präsident Piñera noch vor kurzem sein Land. Nach Protesten und Plünderungen spricht er jetzt von einem …
Elf Tote bei Protesten und Plünderungen in Chile

Bolivien vor Stichwahl zwischen Morales und Mesa

Boliviens Staatschef Morales strebt eine vierte Amtsperiode an. Doch für Jubel ist es noch zu früh. Er verfehlt die absolute Mehrheit. Sein Rivale Mesa setzt auf …
Bolivien vor Stichwahl zwischen Morales und Mesa

Paukenschlag in Israel: Regierungsbildung gescheitert - Netanjahu mit drastischer Maßnahme

Benjamin Netanjahu ist mit einer Regierungsbildung gescheitert. Jetzt hat er sein Mandat offiziell an Präsident Reuven Rivlin zurückgegeben.
Paukenschlag in Israel: Regierungsbildung gescheitert - Netanjahu mit drastischer Maßnahme

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.