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In Zukunft heißt es Sparen - Interview mit Lichtenaus Bürgermeister

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Von: Christian Horn

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Hessisch Lichtenau. Am 29. Januar entschied Jürgen Herwig die Bürgermeisterwahlen mit 54,1 Prozent der Stimmen für sich. Somit ist Herwig der erste

Hessisch Lichtenau. Am 29. Januar entschied Jürgen Herwig die Bürgermeisterwahlen mit 54,1 Prozent der Stimmen für sich. Somit ist Herwig der erste Bürgermeister in Hessisch Lichtenau, der drei Amtszeiten in Folge das höchste Amt der Stadt begleitet. Der MARKTSPIEGEL wollte wissen, welche Themen in den nächsten sechs Jahren die Stadt beschäftigen werden.

MARKTSPIEGEL (MS): Herr Herwig, waren Sie bei den Bürgermeisterwahlen am 29. Januar überrascht, dass Sie gleich im ersten Wahldurchgang mit absoluter Mehrheit wiedergewählt wurden?

Jürgen Herwig: Nein. Für mich war das keine Überraschung. Ich war bereits im Vorfeld sehr zuversichtlich, denn ich bin bereits seit zwölf Jahren im Amt und sehr viel in der Stadt und den Ortsteilen unterwegs. Zudem bin ich in 18 Vereinen aktives Mitglied. Dadurch bekomme ich natürlich sehr viel Rückmeldung von den Bürgerinnen und Bürgern und gerade vor der Wahl bekam ich sehr viel Zuspruch.

Unverständlich waren für mich auch die Aussagen zweier Bürgermeisterkandidaten, die im Fall ihrer Wahl nicht mit Ihren Familien nach Hessisch Lichtenau ziehen wollten. Was sollen die Bürger von einem Kandidaten halten, wenn dieser nicht einmal in ihre Stadt ziehen möchte. Daher konnte ich sehr zuversichtlich in die Wahl gehen.

MS: Gab es auch nachdenkliche Momente in denen sie daran gezweifelt haben?

Herwig: Natürlich hinterfragt man auch seine Entscheidung und denkt darüber nach, wie bei der Abwassersatzung oder dem Nahversorgungszentrum. Doch ich konnte für mich das Fazit ziehen, dass ich stets im Sinn der Mehrheit, für die Stadt und nicht im Sinn einer Minderheit gegen die Stadt entschieden habe.

MS: Im Augenblick wird hitzig über den Anschluss der Orthopädischen Klinik an das Klinikum Werra-Meißner diskutiert. Die Mitarbeiter der Unternehmen von Lichtenau e.V. machen sich daher Sorgen um die Arbeitsplätze. Wie sehen Sie dieses Vorhaben?

Herwig: Es verbietet sich einem Bürgermeister, der nicht Mitarbeiter dieser Einrichtung ist, mit unbedachten Ratschlägen vorzugehen.

Die Verantwortlichen müssen natürlich prüfen, ob eine Neuorientierung notwendig ist. Hier sollte man sich zunächst vorurteilsfrei ein Bild über die Möglichkeiten machen.

Ich habe aber die Hoffnung, dass die Verantwortlichen eine Entscheidung treffen, die das Wohl beider Institutionen im Auge hat und um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen werden.

MS: Ein weiteres wichtiges Thema im Kreis ist momentan die Windenergie. Gibt es für Hessisch Lichtenau während Ihrer dritten Amtszeit irgendwelche Pläne in diesem Bereich?

Herwig: Ein ganz klares JA. Wir sind im Augenblick mit regenerativen Energien schon gut aufgestellt und wollen diese auch weiterhin ausbauen. Im Augenblick haben wir zwei Standorte im Blick.

Da wäre zum einen der Rohrberg zwichen Hessisch Lichtenau, Großalmerode und Helsa, hierfür haben wir bereits die Stadtwerke Kassel ermächtigt den Standort zu prüfen, wobei das Gebiet dem Hessenforst gehört. Hier könnten mehrere Windräder errichtet werden. Das zweite Gebiet liegt im Süden unserer Stadt. Das besondere hieran ist, dass das Gelände der Stadt gehört. Hier liegt uns bereits ein Angebot der E.ON vor für uns die Standortfrage und die Möglichkeit ihrer Umsetzung zu prüfen.

Ob dort letztlich Windparks errichtet werden können, wissen wir erst nach den Untersuchungen. Doch aufgrund der Vorkenntnisse sehen wir hier gute Chancen.

MS: Der Finanzausgleich für die Kommunen durch das Land Hessen sinkt stetig und der Schuldenberg der Gemeinden wächst immer schneller. Sehen Sie Chancen für eine Konsolidierung des Haushaltes während ihrer dritten Amtszeit?

Herwig: Das Thema beschäftigt alle von uns, sowohl die Gemeinden, das Land und den Bund. Im Augenblick verlangt Deutschland von Griechenland zu sparen, doch in Zukunft werden auch wir schmerzhafte Beschlüsse fassen müssen, da wir zum sparen verdonnert sind. Das werden wir in den nächsten sechs Jahren noch leidvoll erfahren. Im Augenblick sagt man noch häufig, kleine Sparmaßnahmen senken den Schuldenberg nicht, weswegen diese häufig nicht durchgeführt werden. Doch gerade in Zukunft werden wir massiv Einsparungen vornehmen müssen.

Auch der Rettungsschirm ist keine Lösung. Denn wenn er kommt und man die Ziele nicht erreicht, wird man zu bestimmten Einsparungen verpflichtet. Auf diese Weise hat man dann keinen Einfluss mehr.

MS: Wie hoch sieht das Sparpotential aus, wenn die Gemeinden stärker zusammenarbeiten?

Herwig: Das Sparpotential ist sehr gering. Im Augenblick arbeiten wir im Rahmen des Bäderverbundes sehr erfolgreich mit den Gemeinden Waldkappel und Großalmerode zusammen. Und haben so den Fortbestand unseres Hallenbades gesichert. Schwieriger wäre es allerdings bei anderen Themen wie den Bauhöfen. Man könnte zwar sagen, man spare hier durch Stellenabbau Geld ein, doch bedeutet das gleich wieder Einschränkungen, die die Bürger in Kauf nehmen müssten. Doch dass möchte niemand.

Auch die Idee, alle Bauhöfe an einem Ort zusammen zu legen würde nichts bringen, weil die Mitarbeiter dann erheblich längere Wege zum Einsatzort in Kauf nehmen müssten. Somit wären die Einsparungen an anderer Stelle wieder zunichte gemacht.

MS: Wird die Stadt die Einsparungen durch zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen ausgleichen können, wenn sich neue Unternehmen ansiedeln?

Herwig: Die Finanzprobleme lassen sich nicht durch höhere Gewerbesteuereinnahmen lösen. Auch wenn sich die Region aufgrund der Nähe zu Kassel wirtschaftlich noch weiter entwickeln wird, reicht dies nicht aus, um den Haushalt zu konsolidieren.

MS: Im Augenblick wird zudem viel über den Verfall von Immobilien und Grundstückspreisen auf dem Land gesprochen, wie sieht es hier in Hessisch Lichtenau aus?

Herwig: In Hessisch Lichtenau gab es keine Herabstufung bei den Grundstückspreisen. Es ist natürlich auch unser Ziel neue Familien, wie auch Firmen hierher zu bekommen. Gerade in diesem Bereich haben wir sehr gute Vorarbeit geleistet und so wird sich diesbezüglich in den nächsten sechs Jahren eine Menge tun. So hatten wir kürzlich die Anfrage eines Unternehmens, dass seine drei Standorte gern zusammenlegen möchte. Da wir bereits ausgewiesene, freie Gewerbe- und Industrieflächen haben, konnten wir dem Unternehmen sofort alle notwendigen Informationen zur Verfügung stellen. Zudem haben wir mit Ulrich Rodewald einen sehr engagierten und äußerst fähigen und kundigen Mitarbeiter, der den Unternehmen bei allen notwendigen Anträgen und Fragen behilflich ist.

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