Kommentar

Eintracht Frankfurt und die Schuldfrage von Lüttich

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Keine Fans, keine Punkte: Eintracht Frankfurt wenig erfolgreich in Lüttich.

Eintracht Frankfurt verliert das Spiel in Lüttich - und den Glauben an den Schiedsrichter. Ein Kommentar.

Wenig ist in Fußball-Deutschland in jüngster Vergangenheit beliebter, als auf den Video- Assistenten (VAR) in Köln zu schimpfen. Die Kritik an denen „im Kölner Keller“ hat die über Jahrzehnte ritualisierte Motzerei über die Pfeife mit der Pfeife abgelöst. Der Mann auf dem Feld hat zwar noch immer das letzte Wort, ist aber ein wenig aus der Schusslinie geraten, seitdem strittige Szenen zusätzlich in der Ferne überprüft werden.

Nicht jeder findet das gut. Das Verhalten der Fans im Stadion nach einem Tor hat sich verändert. Wenn früher, als nicht immer alles besser war, nach einem Treffer der Schiedsrichter Richtung Mittellinie deutete, war die Sache klar. Die Bude zählte, die Meute jubelte. Heute geht der Blick erst einmal voller Zweifel Richtung Videotafel, jedes Tor wird überprüft, vielleicht hat man ja doch etwas übersehen, eine Behinderung des Torwarts, ein Handspiel (früher wusste man ja auch noch, was Hand war), ein Abseits. Unter Umständen dauert es Minuten, bis die Entscheidung fällt. Das, so finden nicht wenige, nimmt dem Spiel die Emotion. Das, so argumentieren andere, macht das Spiel gerechter.

Eintracht Frankfurt und die Schiedsrichter

In Frankfurt, bei der Eintracht, ist man vielleicht spätestens nach der gestrigen Partie gegen Standard Lüttich wohl eher Verfechter der zweiten Fraktion. Eine Notbremse, und es gibt nur Gelb? Und das auch noch für den falschen Spieler? Ja geht‘s denn noch? Ein Schiedsrichter, der komplett den Überblick verloren hatte, und es war leider niemand irgendwo an einem Monitor, der diese offensichtliche Fehlentscheidung, die ja eigentlich gleich zwei Fehlentscheidungen war, korrigieren konnte. Das alles nur, weil die Uefa irgendwann aus irgendwelchen Gründen entschieden hatte, die im Profifußball heutzutage übliche Technik erst ab der K.o.-Phase einzusetzen. 

Allerdings sollte man in Frankfurt nicht vergessen, dass man auch schon davon profitiert hat, dass es keinen VAR gibt. Man erinnere sich nur an die letzte Saison im April, an den keinesfalls glanzvollen Sieg über Lissabon im eigenen Stadion, als Filip Kostic das nicht ganz unwichtige 2:0 aus einer Situation erzielte, die wohl jeder als Abseits gewertet hatte. Jeder, nur nicht der Schiedsrichter.

Dumm jetzt für Eintracht Frankfurt, dass das Weiterkommen in der Europa League plötzlich ernsthaft gefährdet ist. Man hatte es doch eigentlich, Hand aufs Herz, schon fest eingeplant. Immerhin ist man in inzwischen soweit, dass man, bei aller berechtigten Kritik am Schiedsrichter, zugibt, dass nicht er das Spiel gegen Eintracht Frankfurt entschieden hat. Ja, der Schiedsrichter hat Fehler gemacht. Aber man weiß in Frankfurt sehr genau, dass man es selbst in der Hand hatte, mit etwas zählbaren aus Lüttich an den Main zurückzukehren.

Eintracht Frankfurt hat eine Schwäche in der Ferne

Auf die Euphorie nach dem Sieg gegen die Bayern folgt jetzt also die große Ernüchterung. Eintracht Frankfurt, die Diva wie sie leibt und lebt. Wechselhaft in den Leistungen, beständig bislang hauptsächlich darin, in der Ferne nicht das abliefern zu können, was man zumindest phasenweise im eigenen Stadion zeigt. Und das in einer vom Trainer zum „absoluten Schlüsselspiel“ erkorenen Partie, gegen einen Gegner, der solide aber keinesfalls übermächtig agierte. Und trotzdem nicht unverdient als Sieger vom Platz ging. Die auffällige Auswärtsschwäche in den Griff zu bekommen ist für Eintracht Frankfurt* wichtiger als mit dem Schiedsrichter zu hadern. Dumm ist, dass bis zum nächsten Bundesligaspiel kaum noch Zeit ist, an diesem wohl auch mentalem Problem zu arbeiten. Dumm auch deshalb, weil das Spiel gegen Freiburg nicht im eigenen Stadion ausgetragen wird. Zumal da wieder ein paar Anhänger vor Ort sein dürfen um ihre Mannschaft zu unterstützen. Etwas, was in Lüttich fehlte. 

Stefan Krieger

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digitalnetzwerkes 

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