Trainer hat ganz spezielle Meinung

Vor Finale: Englands Coach Southgate zieht absurden Weltkriegs-Vergleich mit Deutschland-Spiel

Gareth Southgate sorgte mit einem ungünstigen Vergleich für Aufsehen.
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Gareth Southgate sorgte mit einem ungünstigen Vergleich für Aufsehen.

Im Vorlauf des EM-Endspiels zwischen England und Italien fiel Gareth Southgate aufgrund einer Äußerung negativ auf. Es geht um einen Weltkriegsvergleich.

London - Zwischen Kriegsrhetorik und Fußballsprache gibt es einige Parallelen: „stürmen“, „schießen“, „Angriff und Verteidigung“, der „Kampf gegen den Gegner“ – ein Jeder hat kennt die Begriffe aus Kriegszeiten, die sich in der Sportberichterstattung etabliert haben. Englands Nationaltrainer Gareth Southgate ging nun etwas weiter und stellte ausgerechnet im Zusammenhang mit dem Deutschland-Spiel einen Weltkriegs-Vergleich auf.

EM 2021: Gareth Southgate macht Weltkriegs-Erinnerungen für Stimmung im Stadion verantwortlich

Wie der Ex-Nationalspieler und heutige Three-Lions-Coach Southgate nach dem Achtelfinal-Sieg über die schwache DFB-Elf* feststellte, sollen Erinnerungen an längst vergangene Zeiten für den 2:0-Erfolg ausschlaggebend gewesen sein. „Es haben auch Leute versucht, bei uns einzufallen, und wir hatten den Mut, uns dagegen zu wehren. Man kann nicht verhehlen, dass die Energie im Stadion gegen Deutschland teilweise daher kam“, meinte der 50-Jährige gegenüber den Pressevertretern. Er habe dies zwar „nie gegenüber den Spielern erwähnt, aber ich weiß, dass das dabei auch eine Rolle gespielt hat.“

Der frenetische Jubel der englischen Fans nach dem Viertelfinal-Einzug könnte auch an einem einfacher herzuleitenden Phänomen festgemacht werden: sportliche Rache. Denn das letzte Mal, dass England die deutsche Nationalelf in einer K.o.-Phase eines Turnier besiegte, lag 55 Jahre zurück. Bei ihrer Heim-WM 1966 setzte sich die englische Mannschaft ebenfalls im Wembley gegen die Deutschen durch, seitdem warteten die Anhänger darauf, sich beim inzwischen viermaligen Weltmeister zu revanchieren.

EM 2021: Vor Finale im Wembley gegen Italien - Gareth Southgate erklärt seine Denkweise

Wie Southgate in einem offenen Brief mit dem Titel „Dear England“ offen legte, sei seine Sozialisation wohl der Grund für seine Denkweise. „Für mich persönlich sind mein Identitätsgefühl und meine Werte eng mit meiner Familie und insbesondere mit meinem Großvater verbunden. Er war ein glühender Patriot und ein stolzer Mann des Militärs, der im Zweiten Weltkrieg diente“, so der Nationaltrainer über seinen Vorfahren. Die Werte seines Großvaters seien ihm „von klein auf eingeimpft“ worden.

Er habe auch an seinen Großvater gedacht, als er bei den ersten Länderspielen als Aktiver die Nationalhymne sang. Insgesamt stand Southgate in 57 Länderspielen für England auf dem Platz, seinen bittersten Moment erlebte er ausgerechnet gegen Deutschland. Im Halbfinale der EM 1996 leistete sich Southgate einen Fehlschuss im Elfmeterschießen, Deutschland kam ins Finale.

EM 2021: Southgates Endspiel-Appell bringt erneut Kritik ein - „haben wir einen unglaublichen Einfluss auf die Welt“

Dass Southgate trotz seines Verhältnisses zu seinem Großvater kein Kriegsfanatiker ist, beweist sein Einsatz für gesellschaftlichen Zusammenhalt. So engagiert sich der Trainer für die Bildungsinitiative „Show Racism the Red Card“, die sich gegen Rassismus und Ausgrenzung positioniert. Allerdings brachte ihm ein Appell an seine Landsleute vor dem Endspiel der Europameisterschaft erneut unter Druck.

„Wir haben so viel, auf das wir stolz sein können. Für eine Insel unserer Größe haben wir einen unglaublichen Einfluss auf die Welt, und den müssen wir uns auf positive Art und Weise bewahren“, meinte Southgate nun vor dem Finale gegen Italien. Dabei ließ er die geschichtlichen Hintergründe des großen Einflusses Englands außer Acht. Das British Empire erlangte durch weltweiten Kolonialismus mit Brutalität und Ausbeutung den Status einer Weltmacht. (ajr)*Merkur.de und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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