Offener Brief

Hoeneß ist noch da - doch Beckenbauer vertraut jetzt schon auf einen anderen Mann

Uli Hoeneß wird beim FC Bayern in die zweite Reihe zurückgehen. Franz Beckenbauer benennt nun den seiner Ansicht nach künftigen starken Mann beim Rekordmeister: Oliver Kahn.

München - Es ist eine Zeitenwende beim FC Bayern: Uli Hoeneß wird bei der Jahreshauptversammlung des Rekordmeisters an diesem Freitag (ab 19 Uhr, hier im Live-Ticker) nicht mehr bei der Wahl zum Präsidenten antreten. Ferner geht Karl-Heinz Rummenigge in sein letztes Jahr als Vorstandsboss der Münchner. Es sind einschneidende Veränderungen.

Vor JHV des FC Bayern: Beckenbauer huldigt Hoeneß

Vor der JHV in der Münchner Olympiahalle hat sich nun Ehrenpräsident Franz Beckenbauer zu Wort gemeldet - und sich überzeugt davon gezeigt, dass Hoeneß die richtigen Personalentscheidungen für die Zukunft der Münchner getroffen hat. 

"Ich finde, es sagt viel aus, dass Du Dich bei der Wahl Deiner Nachfolger so ins Zeug gelegt hast. Das zeigt, dass Dir auch die Zukunft des FC Bayern über den Zeitpunkt Deines Abschieds hinaus am Herzen liegt", schrieb der "Kaiser" in einem Brief, den derFC Bayern am Montag auf seiner Homepage veröffentlichte.

FC Bayern: Herbert Hainer folgt auf Uli Hoeneß

Was Beckenbauer mit den Personalentscheidungen konkret meint: Der ehemalige Adidas-Chef Herbert Hainer wird, davon gehen alle Beobachter aus, bei der JHV von den Mitgliedern zum neuen Präsidenten gewählt werden. 

Der Franke gilt als enger Freund und Vertrauter von Hoeneß, dem er zum Beispiel auch während dessen schwerer Zeit im Gefängnis beistand. Nach dem Willen von Hoeneß soll der einstige Vorstandschef des Sportartikel-Riesen künftig auch dem Aufsichtsrat des Rekordmeisters vorstehen.

Und: Es gibt eine weitere Personalie, die offensichtlich ganz nach dem Geschmack des „Kaisers“ ist. So wird der frühere Mannschaftskapitän und langjährige Bayern-Profi Oliver Kahn im Januar in den Vorstand der Münchner berufen - und ist ab Januar 2022 dann als Nachfolger des Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge eingeplant. 

Beckenbauer: „Kahn und Hainer sind Persönlichkeiten“

"Oliver Kahn und Herbert Hainer sind Persönlichkeiten, bei denen ich fest daran glaube, dass wir die Möglichkeit haben, die Erfolge der letzten Jahrzehnte weiterzuführen", schrieb Beckenbauer. Beckenbauer meinte weiter an Hoeneß gerichtet: "Der FC Bayern wäre nicht das, was er heute ist, wenn Du nicht gewesen wärst." 

Der frühere Trainer und Präsident zeigte sich "sehr optimistisch, was die Zukunft des FC Bayern angeht, zumal Du als Ratgeber an Bord bleiben wirst. Du bist jetzt dann nicht im Ruhestand, sondern im Vorruhestand". 

Es ist ein Indiz dafür, dass sich Hoeneß eben doch nicht ganz zurückzieht. Ein weiteres Zeichen: Seinen Platz im Aufsichtsrat wird der 67-Jährige vorerst behalten.

Im Video: Hoeneß schimpft über Umgang mit Salihamidzic

In einem spektakulären Telefon-Anruf beim Fußball-Talk „Doppelpass“ am Wochenende hatte Hoeneß bereits angekündigt, dass er den Verein „bewachen“ werde. Beckenbauer erklärte dazu: „Du warst von Anfang an prädestiniert, diesen Weg zu gehen. Und Du wirst auch nicht von heute auf morgen weg sein, das geht nicht".

Dass Kahn das Zeug zum neuen starken Mann an der Säbener Straße hat, bewies der 50-Jährige zuletzt, als er sich nach der Trennung von Niko Kovac von außen in die Trainerdiskussion einschaltete.

Laut Bild erklärte der frühere Torhüter bei seiner „Kahnalyse“ zum Profil eines künftigen Bayern-Trainers: „Die Zeiten sind vorbei, wo es bei Bayern München gereicht hat, irgendwie Spiele zu gewinnen und irgendwie Meister zu werden. Fußball hat sich dahingehend weiterentwickelt, dass es schon ein bisschen Spektakel ist. (...) Das gehört zur Philosophie des FC Bayern! Dominant, attraktiv, nach vorne, dass man Dinge erkennt, was das technische Niveau und die Geschwindigkeit angeht, die man bei anderen Mannschaften nicht sieht.“

FC Bayern: Oliver Kahn darf sich bald beweisen

Bald darf sich Kahn selbst beweisen. Beckenbauer zumindest vertraut ihm schon, da ist Hoeneß noch gar nicht aus der ersten Reihe weg.

pm mit Material des SID

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Angelika Warmuth

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