Widerstand im Land des Ausrichters

Fußball-Fieber? Russlands Studenten wehren sich gegen WM-Fanzone

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Karten für WM 2018 in Russland. Im Land des Ausrichters gibt es Widerstand gegen die Fußball-Partymeilen.

Bei den letzten Vorbereitungen auf die WM in Russland läuft offiziell alles nach Plan. Aber: In Moskau stemmen Tausende Studenten gegen die Fanzone. Wie erfolgreich sind ihre Proteste?

Moskau - Feiernde Fußballfans, eine ausgelassene Party unter freiem Himmel - solche Bilder wünschen sich die Veranstalter für die Weltmeisterschaft in Russland im Sommer. Zehntausende sollen in den Fanzonen ihren Mannschaften lautstark zujubeln - doch für zahlreiche junge Russen ist hier Schluss. In der Hauptstadt stemmen sich ausgerechnet Studenten gegen die geplante Fußball-Partymeile. Warum?

Wenige Meter werden die einzige Fanzone der Zwölf-Millionen-Einwohner-Metropole vom Eingang der renommierten Lomonossow-Universität trennen. „Die Menschen feuern hier lautstark ihre Teams an. Und wir sollen uns gleichzeitig auf Klausuren vorbereiten. Wie soll das gehen?“, fragt Igor. Der 21-Jährige engagiert sich seit Monaten, um genau das zu verhindern.

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Der Campus liegt nahe dem Moskauer Stadtzentrum, auf den Sperlingsbergen - und nur zwei Metro-Stationen vom Luschniki-Stadion entfernt. „Eigentlich ist das kein schlechter Ort für eine Fanzone. Aber das wurde über unsere Köpfe hinweg entschieden“, sagt Nadeschda, die im angrenzenden Studentenheim lebt und lernt. Die Prüfungstermine seien zwar kurzfristig vorgezogen worden. Praktika und wichtige Seminareinheiten könnten ausfallen, sagt die angehende Biologin, die ihre Ausbildung durch ein Stipendium finanziert.

In den WM-Austragungsorten wehren sich Bewohner gegen WM-Bauprojekte

Studenten und zahlreiche Professoren schlossen sich aus ihrer Machtlosigkeit heraus zusammen und organisierten Proteste. Zuerst nur mit einzelnen Plakaten, dann okkupierten sie kurzerhand das Büro des Rektors. Das brachte keinen Erfolg. Man werde der Fanzone nicht im Weg stehen, hieß es immer wieder von Seiten der Uni-Verwaltung. Mehrmals schrieben Igor und seine Kollegen Briefe an die Stadtverwaltung und leierten schließlich eine Petition an, der sich rund 14.000 Uniangehörige anschlossen. Den Präsidenten Wladimir Putin baten sie mehrfach in Schreiben um Hilfe; weder von ihm noch vom Weltverband FIFA sei eine Antwort gekommen, hieß es.

Die Studenten Nadeschda, Sergej und Igor stehen vor der Lomonossow-Universität. Sie führen einen Protest gegen die geplante Fanzone vor der Universität an.

Im Studentenwohnheim lebt auch Igor mit Hunderten Kommilitonen. Viele Studenten haben die Befürchtung, frühzeitig ausziehen zu müssen, um Platz für zahlreiche Sicherheitskräfte zu machen. Konkrete Pläne dafür gebe es nicht, teilte das Rektorat mit. Doch auch in anderen WM-Städten sei so ein Vorgehen geplant, hieß es von Seiten der Studentengewerkschaft. Eine klare Ansage gebe es nicht.

Die Studenten sind in Russland mit ihren Problemen trotz der scheinbar allgegenwärtigen Fußball-Euphorie im Land nicht alleine. Auch in den zehn anderen Austragungsorten wehrten sich immer wieder Bewohner gegen WM-Bauprojekte. Parks, Cafés oder Erholungsanlagen hätten vielerorts weichen müssen, berichtet die kritische Zeitung „Nowaja Gaseta“. In St. Petersburg seien Eltern in Hungerstreik getreten, um den Abriss einer Sportanlage für Kinder zu verhindern. In Samara mussten demnach Bewohner nahe des Stadions störende Balkone auf eigene Kosten abbauen oder abdecken.

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Student Igor will die WM nicht schlechtreden, auch wenn er selbst kein Fußballfan ist. „Viele Fans werden sehen, dass Russland schön ist und man viel erleben kann. Aber nicht auf unsere Kosten“, schimpft er. Er will trotz des bisher erfolglosen Aufbäumens nicht klein beigeben. Nun soll die Justiz weiterhelfen. Die Studenten wollen die Staatsanwaltschaft einschalten. Ihr Argument: Das Vorgehen der Veranstalter verstoße gegen das Gesetz. Wird es helfen? „Wir haben noch ein paar Tage Zeit“, sagt Geschichtsstudent Sergej hoffnungsvoll. „Erst dann beginnen die Aufbauarbeiten - und die Prüfungszeit.“

dpa

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