DFB-Team

Wie Nationalspielerin Melanie Leupolz ihre Führungsrolle verlor

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Bundestrainerin Voss-Tecklenburg (l.) stufte Melanie Leupolz (r.) zurück.

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bereitet sich in aller Ruhe in der bretonischen Provinz auf das Viertelfinale vor. Weder Positionskämpfe noch Erkältungen sollen die Idylle stören – deshalb hält sich auch Melanie Leupolz beim Verlust ihrer Führungsrolle zurück.

Eine beinahe unheimliche Stille strahlt das Domaine de Cicé-Blossac aus, selbst wenn sich die Bretagne mal wieder von ihrer regnerischen Seite präsentiert. Doch die Ruhe in dem Golfresort in Bruz am Stadtrand von Rennes tagsüber trügt gerade: Denn nachts quaken die Frösche in den umliegenden Gewässern wegen der Paarungszeit so laut, dass die Hotelbediensten Gehörschutz an die Gaste verteilen. Hier haben die deutschen Fußballerinnen fürs WM-Viertelfinale (Samstag 18.30 Uhr/ ARD) zum zweiten Male ihr Quartier bezogen und müssen diese Umstände annehmen. „Ich schlafe mit Ohropax“, bestätigte Melanie Leupolz am Montag. Das Gequake bereite der Mittelfeldspielerin vom FC Bayern jedoch keine schlaflosen Nächte. „Wenn man einmal eingeschlafen ist, geht es.“

Und ansonsten gibt es ja gerade reichlich Entspannung: Nur eine Aktivierung auf dem Grüngelände und ein Krafttraining im Innenbereich – beide Einheiten ließ die leicht erkältete Torhüterin Almuth Schult aus - stand am Montag bei dem trüben Wetter auf dem Programm, der Dienstag ist komplett zur freien Verfügung. Erst am Mittwoch erfolgt die dezidierte Vorbereitung auf das nächste K.o.-Duell in Rennes, wo die Frauen zwingend gewinnen müssen um sich wie die U21-Männer das Ticket für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu sichern. Bisher ist die Belastungssteuerung gut aufgegangen: Das DFB-Team verkörpert vielleicht nicht fußballerische, aber läuferische Extraklasse.

Melanie Leupolz büßt die Führungsrolle ein

Kein anderer WM-Teilnehmer hat nun eine geschlagene Woche Pause zwischen Achtel- und Viertelfinale. Lena Oberdorf, die erst 17-jährige Senkrechtstarterin, überlegte sogar, ob sie „was für die Schule nachbereitet“. Die Gymnasiastin aus Gevelsberg gehört zu jenen Akteuren, die bisher „viel mehr gespielt hat, als ich dachte“. Die neben ihr sitzende Leupolz wird sich dabei das Gegenteil gedacht haben: Ausgerechnet eines der bekanntesten Gesichter aus dem Ensemble der angeblich Namenslosen hat ihre Status der Unverzichtbarkeit eingebüßt.

Die gebürtige Allgäuerin durfte nur im Gruppenspiel gegen Südafrika (4:0) durchspielen, als ihr per Kopf das Führungstor glückte. Die Abstufung kommt ein bisschen überraschend, „aber wir haben fünf Spielerinnen für die Sechser-Position, die das alle anders interpretieren“, erklärte Leupolz. Sie war eigentlich auserkoren, den deutschen Spielaufbau zu gestalten, dafür kippt die Nummer 18 dann zwischen die Innenverteidigung ab.

Mit der Rückkehr von Dzsenifer Marozsan wird das Gedränge noch größer

Voss-Tecklenburg hat das bislang nicht gefallen. Zuletzt im Achtelfinale gegen Nigeria (3:0) war zur Halbzeit vorzeitig Dienstschluss. Um das Mittelfeld zu stabilisieren, wie die Trainerin es ausdrückte, rückte Kapitänin Alexandra Popp auf ihre Position. Und mit der Rückkehr von Dzsenifer Marozsan wird das Gedränge im Mittelfeld noch größer.

Dabei ist Leupolz nicht nur diejenige, die im Pferdeschwänze-Werbespot anfangs die acht Finger hochhält, um die Zahl der gewonnenen EM-Titel darzustellen, sondern hat aktuell auch die meisten Follower auf Instagram. Aktuell 141.000. Zum Vergleich: Marozsan steht bei 67.000, Popp bei 49.000. Der Name Leupolz fiel vor dem Turnier beständig, wenn es um die Führungskräfte ging. Die 62-fache Nationalspielerin steht in der Hierarchie weit oben. Natürlich möchte die aus Wangen im Allgäu stammende Fußballerin die Abstufung nicht klaglos hinnehmen. Nachdem sie erst gegen China (1:0) ausgewechselt, dann gegen Spanien (1:0) nur eingewechselt wurde, verbarg sie ihr Unverständnis nur mühsam: „Ich denke, das erste Spiel war in Ordnung. Dann auf der Bank zu sitzen, war nicht so schön. Schonung war’s auf keinen Fall“, sagte sie angesäuert. Am Montag hieß es: „Natürlich will jeder so viel wie möglich spielen. Ich muss das akzeptieren. Mein Platz im Team habe ich auch so.“ Das klang ein bisschen schmallippig. Vielleicht wollte sie aber einfach an diesem Tag nicht stören. Reicht ja, wenn nachts die Frösche quaken.

Frank Hellmann

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