„Brauchen einen anderen Umgang“

Feuer frei im Stadion? Kult-Klub will Pyrotechnik legalisieren

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Die Hamburger Mannschaft versucht die Fans vom Abrennen der Pyrotechnik abzubringen. Jetzt denkt der Kult-Klub über eine Legalisierung nach.

Der Hamburger SV will kontrollierte Pyrotechnik im Fußball-Stadion legalisieren. Der Vorstoß von Klubchef Bernd Hoffmann wird heiß diskutiert.

Hamburg - Feuer frei beim HSV? Der Hamburger SV will kontrollierte Pyrotechnik im Fußball-Stadion legalisieren. Ein entsprechender Vorstoß von Klubchef Bernd Hoffmann wird heiß diskutiert - und stößt nicht nur bei Fans auf offene Ohren.

"Klar ist, dass wir einen anderen Umgang mit der Thematik brauchen als bisher", sagte Hoffmann im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt und fordert bei der Handhabung des Pyro-Problems ein Umdenken: "Die einfache Sanktionierung von Pyro-Vergehen hat bislang zu keinem besseren Umgang mit der Thematik geführt - ganz im Gegenteil."

Hoffmanns Offensive ist gut durchdacht. Mit verschiedenen Ultragruppen des Klubs stehen er und andere Klubverantwortliche längst im Austausch, nun sollen Gespräche mit Polizei, Feuerwehr, der Stadt Hamburg und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) folgen.

Hoffmann will über „alternative Lösungen nachdenken“

"Wenn man sich eingesteht, dass Pyro ein Teil der Fankultur ist, und das haben wir, dann muss man zumindest über alternative Lösungen ernsthaft nachdenken", sagte Hoffmann: "Aus unserer Sicht ist die Diskussion überfällig."

Die Hamburger Polizei zeigt sich beim dem brisanten Thema aufgeschlossen. "Der Sicherheitsaspekt und der Schutz der Zuschauer steht an erster Stelle", sagte Polizeisprecher Timo Zill, ergänzte aber: "Die Polizei Hamburg ist grundsätzlich offen für Gespräche und alternative Konzepte zum Umgang mit Pyrotechnik." Das Abendblatt titelte am Donnerstag daraufhin bereits provokant: "Feuer frei beim HSV."

Allerdings hat die Innenministerkonferenz (IMK) bei ihrem zurückliegenden Treffen das genaue Gegenteil beschlossen. Höhere Strafmaße, die sich nach dem Sprengstoffgesetz richten, werden geprüft.

HSV-Fanbeauftragter präsentiert weitere Ideen

Entscheidend ist bei der Frage der Legalisierung von Pyrotechnik, dass alternative Konzepte zu den bisherigen, bis zu 2000 Grad heißen, Bengalos gefunden werden. "Man kann zum Beispiel über Theaterrauch oder kalte Pyro nachdenken", sagte Cornelius Göbel, seit 2014 Fanbeauftragter beim HSV, dem Abendblatt.

Gedankenspiele in diese Richtung sind nicht neu. Auch Hamburgs Stadtrivale St. Pauli und Werder Bremen prüften in der Vergangenheit die Möglichkeit "kalter" Pyrotechnik, wie sie in Skandinavien seit Monaten getestet wird. Statt brennenden Magnesiums kommt dort niedrig dosierte Nitrozellulose zum Einsatz. Auch auf diese Weise lassen sich Farbeffekte erzielen, die sich dabei entwickelnden Temperaturen liegen bei etwa 230 Grad - und damit deutlich unterhalb der herkömmlichen Pyrotechnik.

Für den hessischen Innenminister Peter Beuth ist das allerdings keine Alternative: "Es gibt keine 'kalte' Pyrotechnik. Aus Sicht der Sicherheitsbehörden sind auch 200 oder 300 Grad heiße Fackeln brandgefährlich für jeden Stadionbesucher, denn sie können ebenso zu schweren Verletzungen führen."

Hamburger SV: Hohe Strafen wegen Pyrotechnik

Das Ansinnen der Klubs ist klar: Neben der Stadionsicherheit und einem Zugeständnis gegenüber den Ultras geht es auch um den Faktor Geld: So musste allein der HSV in der vergangenen Saison 235.000 Euro Strafe für Pyrovergehen seiner Fans zahlen.

In der aktuellen Spielzeit belaufen sich die Kosten schon wieder auf rund 100.000 Euro. Den bisher letzten Zwischenfall im Volksparkstadion gab es am Montag im Zweitliga-Topspiel gegen Dresden, als Dynamo-Fans während der Partie massenweise Pyrotechnik abbrannten.

"Bislang ist das Ritual immer das gleiche", erklärt HSV-Oberfan Göbel: "Ultras zündeln, der DFB sanktioniert, die Klubs zahlen die Strafe - und dann geht das Ganze von vorne los." Diesen Kreislauf will man unbedingt beenden - nicht nur beim HSV.

sid

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