Acht Personen festgenommen

Nach Massenpanik bei Public Viewing in Turin: Schwere Vorwürfe werden laut

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Überbleibsel der Massenpanik in Turin.

In Turin kam es nach dem Champions League-Finale zu einer Massenpanik. Die Polizei hat nun acht Personen festgenommen.

Update 13. April 2018, 15.23 Uhr

Die Massenpanik von Turin hat auch zehn Monate später noch Konsequenzen. Am Freitag wurden acht Personen festgenommen, die laut Polizeiangaben verdächtigt werden, am 3. Juni des Vorjahres die kollektive Panik bei einem Public Viewing anlässlich des Champions-League-Finales zwischen Juventus Turin und Real Madrid (1:4) ausgelöst zu haben. Bei dem Zwischenfall war eine 38-jährige Italienerin ums Leben gekommen, 1526 Personen waren verletzt worden.

Die Gruppe soll versucht haben, durch den Einsatz von Pfefferspray die anwesenden Fans auf dem Platz zu bestehlen, berichtete die Polizei. Die Turiner Staatsanwaltschaft ermittelte auch gegen die Bürgermeisterin Chiara Appendino wegen organisatorischer Mängel bei der Organisation der Veranstaltung. Mehrere Klagen trafen gegen die Stadtverwaltung ein, deren Sicherheitskonzept lückenhaft gewesen sei, lautete der Vorwurf.

Augenzeugen klagten über mangelnde Fluchtwege auf dem Platz, auf dem sich 30.000 Juventus-Fans versammelt hatten. Außerdem habe die Stadt kein Verbot verhängt, Glasflaschen auf den Platz zu bringen. Die meisten Fans verletzten sich im Gedränge an den Scherben von Flaschen, die illegal von fliegenden Straßenhändlern verkauft wurden. Als Feuerwerkskörper losgingen und sich das Gerüchte verbreitete, dass eine Bombe explodiert sei, war Panik auf dem Platz ausgebrochen. Die Menschen versuchten zu fliehen, im Gedränge stürzten viele zu Boden und wurden niedergetrampelt.

Massenpanik in Turin: Das war geschehen

Nach einer Massenpanik während der Live-Übertragung des Champions-League-Finales in Turin laufen die Ermittlungen der Behörden auf Hochtouren. Die Polizei vernahm zwei Jugendliche, die verdächtigt wurden, die Panik in der norditalienischen Stadt ausgelöst zu haben. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur SID wurden die beiden nach mehrstündigen Vernehmungen am Montag auf freien Fuß gesetzt. Bei der Panik waren mehr als 1500 Menschen verletzt worden, drei davon schwer. 

Explosion löste Panik aus

Tausende Fans hatten sich am Samstagabend auf dem zentralen Platz San Carlo versammelt, um das Spiel ihres Heimatvereins Juventus Turin gegen Real Madrid auf einer Großleinwand zu verfolgen. Nach der Explosion von Feuerwerkskörpers und Rufen, dass eine Bombe hochgegangen sei, brach Panik aus. Die Menschen versuchten zu fliehen, im Gedränge stürzten Menschen zu Boden und wurden niedergetrampelt. 

Ein siebenjähriger chinesischer Junge lag Medienberichten zufolge mit schweren Brustverletzungen im Koma. Viele Verletzte mussten mit Schnittwunden behandelt werden, die sie sich durch zerbrochene Bierflaschen zugezogen hatten. Andere Zuschauer stürzten bis zu zwei Meter in die Tiefe, als ein Geländer am Eingang eines Parkplatzes unter dem Druck der Massen einbrach. Die Piazza San Carlo war übersät mit Blutflecken sowie hunderten Rucksäcken, Schuhen und anderen Kleidungsstücken, die die Zuschauer bei ihrer Flucht verloren hatten. 

Ermittler appellieren an Zeugen

Die Ermittler appellierten an Augenzeugen, sich bei der Polizei zu melden, um die Hintergründe zu klären. Im Visier der Staatsanwaltschaft waren laut SID auch rund hundert Hooligans mit Stadionverbot. Sie sollen schon vor Spielbeginn auf dem Platz Rauchbomben und Knallkörper gezündet haben. Italienische Medien sprachen von unzulänglichen Sicherheitsvorkehrungen auf dem Platz. Innenminister Marco Minniti berief ein Treffen der Sicherheitsbehörden ein, um über Wege zur Verbesserung der Sicherheit bei Massenveranstaltungen zu beraten. "Wir haben Lärm gehört, dann lief es wie eine Welle durch die Menge, und einer stolperte über den anderen", schilderte Juventus-Fan Luca. "Die Leute schrien und fielen übereinander. Es war wirklich schrecklich - ich dachte an den Anschlag von Manchester." 

Bei älteren Fans weckte der Vorfall in Turin Erinnerungen an die Katastrophe im Heysel-Stadion im Jahr 1985. In dem baufälligen Fußballstadion in Brüssel war es vor dem Finale des Europapokals der Landesmeister zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool zu einer Massenpanik gekommen. 39 Menschen starben, die meisten von ihnen Juventus-Fans.

afp

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