Streit um Doping-Experten eskaliert

„Er wirft mit Dreck“: Russischer Sportpolitiker verteidigt Visums-Verweigerung für Seppelt

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Hajo Seppelt.

Ein russischer Sportpolitiker hat die Verweigerung eines Visums für den ARD-Journalisten und Doping-Experten Hajo Seppelt zur Fußball-WM mit scharfen Worten verteidigt.

Moskau - Seppelt wolle die Reise zur Weltmeisterschaft nur nutzen, um Russland zu verleumden und sich selbst daran zu bereichern, sagte der Abgeordnete Dmitri Swischtschow der Agentur R-Sport am späten Freitagabend in Moskau.

„Was will ein Mensch, der mit Dreck wirft, mit unbestätigten Fakten arbeitet und in Russland nur das Negative sucht?“, kommentierte das Mitglied des Sportausschusses in der Staatsduma. „Soll er doch die WM im Fernsehen anschauen. Wenn er objektive Filme über Russland macht, sind wir immer bereit, ihm ein Super-Visum auszustellen, mit mehrfacher Einreise und für ein Jahr“, sagte Swischtschow.

Moskau dementiert Vorwürfe

Die ARD hatte zuvor berichtet, dass Russland ihrem Mitarbeiter das Visum für die Fußball-WM vom 14. Juni bis 15. Juli verweigert habe. Eine Stellungnahme Moskaus lag zunächst nicht vor. In Deutschland löste die Verweigerung des Visums heftige Kritik aus.

Seppelt ist durch seine Beiträge zum Thema Doping bekannt geworden, die seit 2009 im Ersten ausgestrahlt werden. Er trug damit maßgeblich dazu bei, das russische Doping-System aufzudecken. Moskau hat Vorwürfe immer wieder dementiert.

Swischtschow sagte, dass zur WM zahlreiche ausländische Fans erwartet würden. Dies seien Menschen, die einfach Fußball schauen und herausfinden wollten, was das echte Russland ist. „Leute, die mit uns befreundet sein wollen, empfangen wir immer herzlich“, sagte er.

Freitag und Seppelt appellieren an FIFA

Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, hat die Verweigerung eines Visums für Seppelt indes heftig kritisiert und den Weltverband in die Pflicht genommen. „Ich bin gespannt, wie Herr Infantino jetzt darauf reagiert. Schließlich gibt die FIFA ja vor, die Einreise von Journalisten zur WM ermöglichen zu wollen“, sagte die SPD-Politikerin am Samstag derDeutschen Presse-Agentur.

Auch Seppelt appellierte selbst an die FIFA. Dem SID sagte er: "Offenkundig hat die Aufdeckung des Staatsdoping-Systems so große Tragweite, dass Russland glaubt, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen. Das spricht für sich. Man darf gespannt sein, ob die FIFA, die den Zugang zu ungehinderter Berichterstattung über ihr Turnier gewährleisten muss, sich dieser Sache annehmen wird."

DFB-Präsident Reinhard Grindel schließt sich ihm an: „Ich habe volles Vertrauen, dass die FIFA jetzt ihren Einfluss geltend macht, damit Herr Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann“, sagte er am Samstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Die FIFA mit ihrem Präsidenten Gianni Infantino hatte tags zuvor bestätigt, Seppelt die Akkreditierung für das WM-Turnier gewährt zu haben. „Wir streben immer an, Medienvertretern die besten Voraussetzungen zur Berichterstattung über alle FIFA-Turniere zu bieten“, hatte der Weltverband mitgeteilt.

Auch Bundesregierung kritisiert Russland scharf

Via Facebook hatte Dagmar Freitag, die auch Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag ist, die Entscheidung Russlands als „nicht nur völlig ungerechtfertigt, sondern geradezu skandalös“ bezeichnet. Die Tatsache, dass Seppelt das russische Dopingsystem ans Licht gebracht habe, werde ihm jetzt offenbar zum Verhängnis, sagte Freitag.

„Einmal mehr macht das Vorgehen der russischen Behörden aber deutlich, was es für den Sport bedeutet, internationale Topveranstaltungen an Staaten zu vergeben, in denen Meinungs- und Pressefreiheit bestenfalls auf dem Papier existieren“, kritisierte die Sportausschuss-Vorsitzende. Auch die Bundesregierung hatte die Entscheidung Russlands scharf kritisiert.

Röttgen: Hebt das Verbot auf!

Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, hat Russland aufgefordert, das Einreiseverbot für Seppelt aufzuheben. "Russland sollte die Verweigerung des Visums für Herrn Seppelt korrigieren", sagte der CDU-Politiker dem Berliner Tagesspiegel (Sonntagausgabe), "sonst entsteht der begründete Verdacht, dass Russland entweder etwas zu verbergen oder ein Problem mit Transparenz und Fairplay im Sport hat oder beides."

Vor Röttgen hatte auch Stephan Mayer, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium (BMI), das Einreiseverbot scharf kritisiert. Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte er: "Ich persönlich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass die russische Regierung entschieden hat, Hajo Seppelt, einen der unbestritten profiliertesten Sportjournalisten Deutschlands, nicht zur Fußballweltmeisterschaft einreisen zu lassen."

Dies sei ein "denkbar schlechter Vorbote für eine objektive und unabhängige Berichterstattung im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft", sagte Mayer, der im Bundesinnenministerium für den Bereich Sport zuständig ist.

dpa/sid

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