KSV-Chefmährer im Interview: "Vereinsliebe kennt keine Liga"

Hat alle Höhen und Tiefen der Löwen mitgemacht: KSV-Chefmährer Uwe Patzer vor dem Kasseler Auestadion.

Er sagt, was Masse ist: Uwe Patzer ist der Chefmährer des KSV. Im Interview erklärt er, wie es bei den Löwen jetzt weitergehen muss.   

Fußball. Wenn jemand meckern darf, dann er. Uwe Patzer ist schließlich der Chefmährer des KSV Hessen Kassel, vermittelt bei Problemen zwischen Fans und Verantwortlichen des Vereins. Jetzt ist der KSV schuldenfrei, sollte kein Gläubiger mehr Einspruch im Insolvenzverfahren einlegen. Sportlich hingegen steht der Verein nicht gut dar. Uwe Patzer erklärt im Interview, wie es nun weitergehen muss.

ET: Seit dem 16. Januar sind die Löwen quasi schuldenfrei. War das der perfekte Start ins KSV-Jahr 2018? 

Uwe Patzer: Natürlich war das ein guter Start, die Entscheidung der Gläubiger kam für mich aber nicht unerwartet. Ich glaube die Sponsoren, die jetzt noch da sind, sind vom KSV überzeugt.

Wie hast du die schwierige Zeit um den Verein erlebt? Der Verein ist zusammengewachsen, alle haben zusammengehalten. Die KSV-Fans haben mit ihren Rettungsaktionen Unglaubliches geleistet. Das zeigt: Mangelnde Qualität kann man durch Enthusiasmus ein Stück weit wett machen. Auch von anderen Clubs kam Hilfe. Besonders die Wolfsburger haben mit ihrem Verhalten bei- und vor dem Retterspiel bei mir gepunktet.

Wie muss es jetzt weitergehen? Wir brauchen auf jeden Fall einen Hauptsponsor, sonst kann man in der Regionalliga keine schwarzen Zahlen schreiben.

Ist das System der Regionalliga ein Problem? Klar. Immerhin gibt es nächstes Jahr einen sicheren Aufsteiger aus der Südwest-Staffel. Wie der DFB die Fußballfans behandelt, da fühlt man sich oft veräppelt. Allein die Sache mit der chinesischen U20, die in der Regionalliga mitspielen sollte – da ging es doch nur ums Geld. Zum Glück ist die Sache vom Tisch.

Und wie sieht es sportlich aus? Auf die Jugend zu setzen ist absolut richtig. Brian Schwechel zum Beispiel spielt eine klasse Runde, es ist der richtige Weg. Der KSV hat es geschafft, eine regionale Identität zu schaffen, das muss nun unsere Stärke sein. Kassel hat den einfachen Vorteil, dass es Kassel ist. Die Lebensqualität hier ist hoch, die Stadt schön und man hat alles was man braucht – dieses Argument könnte man auch mal in Vertragsverhandlungen einbringen.

Mit regionaler Identität hält man aber nicht zwangsläufig die Klasse. Fußballerisch sind wir diese Saison aber absolut Wettbewerbsfähig. Das ist auch reine Kopfsache, viele Spiele sind einfach blöd gelaufen. Die ersten zwei, drei Spiele sollten gewonnen werden, dann kann aus der Negativ- eine Siegesserie werden.

Und wenn der KSV doch absteigt? Damit muss man sich als Fan auseinandersetzen. Die Hoffnung, dass wir drin bleiben, ist aber natürlich da. Wenn wir absteigen, trifft das niemanden unvorbereitet und die Vereinsliebe kennt schließlich auch keine Liga.

Du bist der Chefmährer. Was gibt es gerade zu bemängeln? Es ist unmöglich, dass so wenig Zuschauer ins Auestadion kommen, die Mannschaft hat mehr verdient. Außerdem könnte es mehr Unterstützung aus der Wirtschaft, aber auch von der Stadt Kassel geben. Der Stadt geht es ja nicht schlecht, im Gegenzug bezahlen wir noch Stadionmiete. Da könnte man doch mal ein Jahr aussetzen und wir würden Geld sparen. Denn, was hat das Auestadion für einen Sinn, wenn der KSV Hessen nicht darin spielt?

Der Chefmährer

Uwe Patzer (56) ist seit 2015 der erste Chefmährer des KSV Hessen Kassel. Der Chefmährer (mähren=meckern) ist Bindeglied zwischen Fans, Vorstand und Geschäftsstelle des KSV. Seine Tätigkeit steht in keiner Verbindung zu den Aufgaben des Fan-Beauftragten. Uwe Patzer ist seit über 40 Jahren Fan des KSV Hessen Kassel.

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