KSV-Rekordversuch: Die Idee, die unter der Dusche entstand

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Unter der Dusche kam KSV-Geschäftsführer Michael Krannich die Idee, mit der schon über 13.000 Karten vermarktet wurden. Hier erklärt er den Besuchern beim Marketingpreis die Strategie des Rekordversuchs.

Am Ostermontag, 22. April, steht nicht nur das Nordhessenderby im Auestadion an, es ist gleichzeitig ein Rekordversuch. Wie KSV Hessen-Geschäftsführer Michael Krannich auf diese Idee kam.

Kassel. Auf den Gedanken muss man erst einmal kommen, im Nordhessenderby gegen den KSV Baunatal in der 5. Liga einen weltweiten Zuschauerrekord für Amateurspiele anzustreben.

KSV-Manager Michael Krannich erklärte im EXTRA TIP-Gespräch wie es dazu kam und was seitdem gemacht wurde. „Ich stand unter der Dusche und habe mir darüber Gedanken gemacht, wie man den KSV mal wieder ins Licht der Öffentlichkeit schieben könnte. Da kam mir der Gedanke: Da war doch mal was mit Waldhof Mannheim. Die waren doch auch in der 5. Liga gelandet und hatten trotzdem Riesenschlagzeilen gemacht.“

Kaum abgetrocknet saß Krannich schon am Computer und recherchierte. Das Ergebnis: Waldhof Mannheim hatte ein Relegationsspiel 2010/11 um den Wiederaufstieg in die Regionalliga Süd/West gegen den bayrischen Vertreter Illertissen und gewann vor der Weltrekordkulisse von 18.313 Zuschauern. Heute ist Waldhof Mannheim die absolute Spitzenmannschaft der Regionalliga. „Die Idee ist bereits im Sommer letzten Jahres entstanden. Deshalb haben wir damals auch beim Verband die Verlegung des Baunatal-Spiels auf den Ostermontag beantragt. Die Vision, die wir hatten, war natürlich nur in unserer Region so umzusetzen, weil der KSV Baunatal mitgespielt hat und unser Verein laut einer Studie der Uni Kassel ein Zuschauerpotential von 60.000 bis 80.000 Zuschauern hat“, schaut Krannich zurück.

Startschuss in Alter Wache

Den endgültigen Startschuss gab es im Herbst 2018, als der Vorstand und Krannich in der „Alten Wache“ waren. „Los, wir machen das jetzt“, beschloss man, beflügelt durch einen weiteren Sieg in der Hessenliga. Und dann ging’s los. Zahllose Gespräche mit Sponsoren und Medienpartnern standen an, um mal wieder Gänsehautmomente im Auestadion zu schaffen, die die Menschen so schnell nicht vergessen. „Alle Medienpartner waren zwar anfangs etwas skeptisch, waren aber bereit, sich zu engagieren. 'Endlich ist mal wieder richtig was los im Stadion, wenn das nur annähernd klappt', war die Devise.

Schon 10.000 Zuschauer wurden damals als großer, kaum erreichbarer Erfolg eingeschätzt. Normalerweise wären maximal 2.500 Zuschauer zu dem Spiel gekommen. Es gab in allen Gruppierungen Skepsis, auch intern“, schilderte Krannich die ersten Schritte. Doch der Verkauf lief am 22. November an. Die ersten Firmenpakete wurden sofort abgenommen. Und nach ein paar Tagen waren schon über 2.500 Karten verkauft. Besonders schön: Fans, die sonst mal einzelne Karten gekauft haben, haben gleich ganze Reihen gekauft. Begleitend kamen immer wieder Werbemaßnahmen dazu. Die Fans haben von Beginn an unzählige Plakate verteilt.

„Wir haben die aktuellen Verkaufszahlen ständig auf der Webseite aktualisiert. Wir haben Kartenpakete für die Vereine, für Jugendmannschaften gebastelt. Vor Weihnachten gab es die Karten mit Jahreskalender.“ Dann liefen die Radiospots, Anzeigen in den Zeitungen, ein neues Fotomotiv mit Basti Schmeer und Manuell Pforr vom KSV Baunatal. Der KSV Baunatal wurde eingebunden. Der Verein hat eine Ticketstelle eingerichtet und Sonderrabatte an die Mitglieder gegeben, verdient auch am Vorverkauf mit. Aktionen in Schulen kamen dazu. Die KSV-Jugendspieler haben in ihrer Nachbarschaft Flyer verteilt, bei der Verwandtschaft geworben. Die fleißigen Damen auf der Geschäftsstelle hatten immer mehr zu tun. Die VIP-Räume waren sofort voll. Dann waren auch die Sitzplätze dicht. Jetzt wurde es etwas schwieriger.

„Wenn wir noch Sitzplätze hätten, wäre das Stadion schon fast voll“, hieß es auf der Geschäftsstelle. Stehplätze waren nicht so gefragt. Neue Aktionen mussten her. Die Kartenaktion „Ich steh auf Kassel“ läuft in der Gastronomie. Die Musikschule Kassel organisierte einen Flashmob auf dem Königsplatz. 150 Kinder und zahlreiche Zuschauer haben das Vereinslied „Hier kommt der KSV!“ gesungen. Und im DEZ wurden mit der Dschungel-Queen Kattia in knapp zwei Stunden über 100 Stehplätze verkauft.

Ausstellung im Museum

„Bis zum Spiel kommen weitere Schulbesuche. Alle Medien geben so richtig Gas. Im Landesmuseum gibt es ab heute, 16. April,  eine Derby-Ausstellung. Und dann kommt natürlich der große Tag. Auf dem Vorplatz steppt nicht nur das Maskottchen. Trucks, Bierpilze der Fans und Livemusik. Dann werden hoffentlich die letzten Karten verkauft“, will Krannich mit seinem kleinen Team richtig Gas geben und hofft auf viel Unterstützung.

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Alle Vorverkaufsstellen für das Derby gibts hier.

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