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Anna und Lisa Hahner wollen unbedingt bei Olympia in Rio laufen

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Von: Hans-Peter Ehrensberger

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Die Hahner-Twins im "Fulda aktuell"-Interview: Wir lieben das, was wir tun

Fulda aktuell (FA): Wie oft sind Sie noch in Ihrer osthessischen Heimat?

Lisa Hahner: Im Schnitt ein- bis zweimal im Monat. Manchmal nur auf der Durchreise für eine Übernachtung und manchmal auch für mehrere Tage. Da Fulda so zentral liegt, passt es meist, dass wir hier einen Zwischenstopp einlegen. Und dann gibt es immer frisch gebackenen Kuchen von unserer Oma oder Mama.

FA: Wie sind Sie eigentlich zum Langstreckenlauf gekommen, was fasziniert Sie an dieser Sportart besonders?

Lisa: Zum Laufen sind wir durch einen Vortrag von Joey Kelly gekommen, den er im Februar 2007 in Künzell gehalten hat. Uns hat fasziniert, mit was für einer Begeisterung und Leidenschaft er vom Laufen geredet hat. Die Marathonstrecke hat uns schon immer gereizt, wir bereiten uns ein halbes Jahr vor, um an diesem einen Tag Topleistung zu bringen. Es gibt nur diesen einen Versuch und da muss alles optimal zusammen passen.

FA: Seit wann sind Sie Profi-Sportler?

Anna Hahner:  2013 haben wir an der Uni Mainz unseren "Bachelor of Education" erworben. Seitdem konzentrieren wir uns voll auf den Sport.

FA: Wie sieht die Unterstützung seitens der Familie, des Freundes- und Bekanntenkreises aus?

Lisa:  Beim "Frankfurt Marathon" waren sehr viele bekannte Gesichter an der Strecke, darunter auch meine Familie und Freunde. Die fiebern alle mit, das hat mich sehr gefreut.

FA: Wie ist die besondere Situation als Zwillinge, wie helfen Sie sich gegenseitig, wie unterstützen, wie motivieren Sie sich?

Anna:  Wir finden es klasse Zwillinge zu sein. Im Trainingslager ist immer ein Teil Familie dabei und wir haben fast immer einen Trainingspartner direkt in der Nähe. Es ist super, dass wir beide die gleiche Begeisterung für das Laufen haben. Jeder hat das Ziel schnell zu laufen,  so treiben wir uns gegenseitig an.

FA:  Was waren Ihre schöns-ten sportlichen Highlights bisher? Ihre größten Erfolge?

Lisa: Mein sportliches Highlight war der Deutsche Meistertitel mit neuer persönlicher Bestzeit von 2:28:39 Uhr in diesem Jahr beim "Frankfurt Marathon"

FA: Welche kurzfristigen und langfristigen Ziele haben Sie sich noch gesetzt?

Anna: Unser Ziel ist es immer schneller zu laufen. Im nächs-ten Jahr sind die Olympischen Spiele in Rio. Hier möchten wir gemeinsam an der Startlinie stehen und für Deutschland den Marathon laufen.

FA: Wie groß sind Ihre Hoffnungen, sich für die Olympischen Spiele in Rio qualifizieren zu können. Es wäre doch eine Farce, wenn es nach dem äußerst knappen Scheitern für London diesmal an läppischen neun Sekunden hängen sollte. Nehmen Sie die Norm nochmals in Angriff oder hoffen Sie auf "Gnade vor Recht" seitens der Funktionäre?  

Lisa: Ob ich im Frühjahr noch einen Marathon laufen werde, bespreche ich in den kommenden Wochen mit meinen beiden Trainern Thomas Dold und Renato Canova. Ich bin ein sehr gutes Rennen in Frankfurt gelaufen und habe alles gegeben. Die Entscheidung, ob das reicht, liegt nicht in meinen Händen.

FA: Welche sportlichen Idole haben Sie? Werden Sie als Zwillinge als etwas Besonderes wahrgenommen?

Anna: Es freut zu hören, wenn Menschen uns schreiben, dass sie durch uns angefangen haben, Sport zu treiben. Das ist echt cool. Unser sportliches Idol ist Haile Gebrselassie. Er ist ein herausragender Sportler, Geschäftsmann und vor allem eine großartige Persönlichkeit.

FA: Von Ihrem Manager weiß ich, dass Sie sich aktuell einer Dopingkontrolle unterziehen mussten. Wie belastend ist eine solche permanente Kontrolle rund um die Uhr, quasi zu jeder Tages- und Nachtzeit verfügbar und öffentlich "einsehbar" sein zu müssen?

Lisa: Die zeitliche Belastung ist spürbar und der Einschnitt in unsere Privatsphäre massiv. Das nehmen wir als Athleten in Kauf, um einen sauberen und fairen Sport garantieren zu können. Schön wäre es, wenn die Bedingungen weltweit vergleichbar wären.  Wir müssen drei Monate im Voraus auf einem Online-Portal eintragen, wann wir uns wo befinden. Kurzfristige Änderungen können wir per SMS angeben.

FA: Wieviele derartiger Kontrollen mussten Sie schon über sich ergehen lassen? Finden Sie das okay oder sehen Sie es vielleicht sogar positiv, da Sie sich im Gegensatz zu vielen anderen in der Leichtathletik als saubere Athletinnen darstellen können?

Lisa: Die Anzahl der Kontrollen variiert, es gibt Blut- und Urinkontrollen. Auf unserer Homepage führen wir alle Kontrollen auf. Wir hatten in diesem Jahr bereits zehn (Anna) beziehungsweise acht (ich) Kontrollen.  Es gibt durchaus schönere Dinge, als morgens um sechs Uhr zur Kontrolle wachgeklingelt zu werden oder abends um 22 Uhr. Wir akzeptieren das jedoch, für einen sauberen Sport.

FA:  Gibt es überhaupt realistische Siegchancen auf den Langstrecken angesichts der Dominanz der Afrikaner auf internationaler Ebene?

Lisa: Anna hat im Frühjahr 2014 den "Wien Marathon" gewonnen, eine internationale Topveranstaltung. Da hat sie gezeigt, dass die Afrikaner nicht unbesiegbar sind. Wichtig ist, immer an sich selbst zu glauben und sich stets weiterzuentwickeln.

FA: Können Sie uns Ihr wöchentliches Lauf- und Trainingspensum nennen?

Anna: Wir trainieren meist zweimal täglich. Wenn wir nicht in der direkten Marathonvorbereitung sind, dann machen wir neben dem Laufen auch viel Alternativtraining wie zum Beispiel Radfahren. In der direkten Marathonvorbereitung laufen wir bis zu 230 Kilometer pro Woche. Hinzu kommen im Schnitt zwei Athletikeinheiten mit Kraft-, Mobilisations- und Koordinationstraining.

FA: Wie sieht die Freizeit der Hahner-Twins, die persönliche Ablenkung außerhalb des Sports aus?

Lisa/Anna: Wir lieben das,  was wir tun. Unser Tag ist nicht klar in Beruf und Freizeit unterteilt, das geht alles ineinander über. Wir backen und kochen sehr gerne, lieben Musik und sind gerne in der Natur.

FA: Welche Botschaft haben Sie an Ihre zahlreichen Fans in der Region? Anna/Lisa: Wir freuen uns über den Support, den wir aus der Heimat bekommen. Hier hat alles angefangen, unser erster Laufwettkampf überhaupt war der "Rhönsupercup" in Fulda. Deshalb sind wir immer sehr gerne hier.

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