Ehre, wem die Fußballer-Ehre gebührt

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35 Jahre nach der Final-Niederlage mit "Carl Zeiss" würdigt die Stadt Jena ihre Fußball-Helden von damals. Auch Klaus Töpfer aus Fulda war dabei.

Fulda/Jena. "Besser spät als nie" oder "Ehre, wem Ehre gebührt", so könnte man diese Geschichte überschreiben, die eher als unrühmliches Kapitel in die Geschichte des DDR-Sports einging und an der auch  Thomas Töpfer, mittlerweile "waschechter Fuldaer", maßgeblich beteiligt war – allerdings im positiven Sinne zusammen mit seinen Mannschaftkollegen des "FC Carl Zeiss Jena".

Die Fußballer des Traditionsclubs aus Thüringen sorgten in den 1960er und 70er Jahren für viel Furore in Europa und standen als Krönung ihres Erfolgs am 13. Mai 1981  im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger in Düsseldorf. Der Einzug ins Finale war der größte Erfolg in der Jenaer Vereinsgeschichte, auch wenn man über die Jahre hinweg  in der DDR-Oberliga die meisten Siege einfuhr. Auf dem Weg dorthin hatten die Jungs von Trainerlegende Hans Meyer unter anderem solch glorreiche Mannschaften wie den "AS Rom" (mit dem künftigen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti), "FC Valencia" (mit dem argentinischen Weltmeiter Mario Kempes) und "Benfica Lissabon" ausgeschaltet. Im "Rheinstadion" setzte es dann jedoch nach einer 1:0-Führung  gegen den russischen Vertreter "Dynamo Tiflis" eine 1:2-Niederlage. Und alles, was als großer Festakt und Siegesfeier im Volkshaus geplant war, war plötzlich Makulatur. Der damalige Generaldirektor des "VEB Carl Zeiss", Wolfgang Biermann, blies den Termin kurzfristig ab und schickte Mannschaft und Trainer quasi zum Straftraining.  Mit dem Bus war das Team vom nur mit 7.000 Zuschauern gefüllten Düsseldorfer Rheinstadion zurückgekehrt. "In Bad Hersfeld hatten wir an einem Supermarkt nochmals kurz angehalten, für ein paar Groschen kleinere Westartikel, wie zum Beispiel Duschgel gekauft", erinnert sich Töpfer. "Die Leute dort wollten ein Foto mit uns schießen, aber selbst das haben unsere Funktionäre nicht erlaubt." Der negative Höhepunkt schließlich war der würdelose Empfang in der Heimatstadt. "Auch wenn wir als ,nur’ Zweiter der erste Verlierer waren, so hätten sie mit uns nicht umspringen dürfen. Das war mehr als schäbig", ist sich Töpfer mit seinen Mannschaftskollegen einig.

Um den Fehlgriff zu korrigieren und den Spielern eine würdevolle Ehrung zuteil werden zu lassen, kam jetzt, 35 Jahre später, am Freitag, dem 13., auf Anregung des "Supporters Trust" –  einer Vereinigung von "Zeiss"-Fans – und mit Unterstützung des Jenaer Oberbürgermeisters Dr. Albrecht Schröter,  ein angemessener Festakt zustande. Die Spieler von damals wurden vom "Original"-Busfahrer mit dem heutigen Mannschaftsbus von Carl Zeiss zum Rathaus gefahren. Pünktlich um 19.03 Uhr fand dort ein offizieller Empfang statt – mit Musik, vom "Psychochor der FSU Jena", Grußworten des OB, des Präsidenten des "FFC" Lutz Lindemann (damals selbst Spieler) und einer Dankesrede von Meyer. Anschließend trugen sich die Spieler in Goldene Buch der Stadt Jena ein.  Der Termin am 13. Mai um 19.03 Uhr hat eine besondere Bedeutung  – im Jahre 1903 wurde der Verein FC Carl Zeiss Jena gegründet."Das war ein würdiger und toller Rahmen", zeigten sich Töpfer und die Helden von einst sehr angetan vom Empfang, vor allem beim Wiedersehen mit den früheren Mannschaftskollegen. Darunter waren DDR-Fußballgrößen und langjährige Nationalspieler wie Eberhard Vogel, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit und Kulttrainer Hans Meyer, der nachTrainerstationen in Berlin und Nürnberg nun im Präsidium von Borussia Mönchengladbach sitzt.

Töpfers hoffnungsvolle Profi- und internationale Fußballer-Karriere indes war schon mit 25 Jahren beendet.  Nur weil sein Schwager einen Ausreiseantrag gestellt hatte, wurde  er von heute auf morgen aus dem Team von Carl Zeiss verbannt und nach Schwerin zum Militär zwangsversetzt. Töpfer war ein pfeilschneller Stoßstürmer, spielte am liebsten hinter den Spitzen und konnte seine Mitspieler gekonnt in Szene setzen. In den Jugendauswahlteams der DDR absolvierte er mehrere Länderspiele und hatte auch einen Einsatz im B-Team.

Schon in jungen Jahren übernahm er Verantwortung, schoss als 18-Jähriger die Elfmeter und scheiterte dabei insgesamt nur einmal. Nach der Wende wechselte er in die BRD und ist seitdem beruflich beim "Media Markt Fulda " beschäftigt. In der hessischen und bayerischen Region war er unter anderem als (Spieler-)Trainer für "FT Fulda" und zuletzt für den "TSV Volkers" im Einsatz. Als Aktiver nimmt der 58-jährige derzeit eine Auszeit,  sein Sachverstand ist jedoch in zahlreichen Fußball-Diskussionen ein unverzichtbarer Bestandteil.

Und vielleicht wiederholt sich Geschichte ja doch: Sein zwölfjähriger Enkel Finn könnte in die Fußstapfen von Opa treten. Noch spielt er bei einem Vorortklub, aber die Jugendabteilung des  "FC Carl Zeiss Jena" soll schon ihre Fühler nach dem hoffnungsvollen Nachwuchstalent ausgestreckt haben.

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