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Harez Habib und seine Zeit mit der afghanischen Nationalmannschaft

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Von: Thomas Lange

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Fußball. Den Stolz hört man deutlich in jedem einzelnen Satz. Wenn Harez Habib über seine Zeit in der afghanischen Fußball-Nationalmannschaft spri

Fußball. Den Stolz hört man deutlich in jedem einzelnen Satz. Wenn Harez Habib über seine Zeit in der afghanischen Fußball-Nationalmannschaft spricht, über die gerade erfolgte Qualifikation für die Ausscheidungskämpfe zur Asienmeisterschaft,  gerät er ins Schwärmen: "20 Millionen Menschen schauen bei unseren Spielen zu und ich spiele für diese Fußball-Verrückten. Das ist der Wahnsinn."Doch es ist nicht der erste Auftritt des in Kabul geborenen und in Kassel aufgewachsenen Mittelfeldspielers. Schon 2007 lief Habib für Afghanistan auf, ist seither eine feste Größe im Team. Dass er – nach seiner Profi-Zeit beim KSV Hessen – nur noch in der siebten deutschen Liga beim Klapp-Klub BC Sport kickt, ist für den heutigen Trainer Afghanistans, Yousef Kargar, kein Problem. "Im Dezember hat er mich angerufen, fragte, ob ich fit sei und an der Vor-Qualifikation für die Asienmeisterschaft teilnehmen könne."

Ein bisschen muss Habib schmunzeln, als er weiterredet. "Ich sagte ‘Klar bin ich fit’ und fing an, Waldläufe zu absolvieren." Unter seinen ehemaligen Trainern Mirko Dickhaut und Carsten Lakies durfte er auf hohem Niveau  mittrainieren, arbeitete hart an seiner Kondition. Dann ging es Ende Februar nach Dubai in ein mehrtägiges Trainingslager, wo er auf seine afghanischen Team-Kameraden traf.

Schließlich startete der Tross nach Laos, dort ging es ab 2. März gegen das Gastgeber-Land, die Mongolei und Sri Lanka in einer Vierer-Gruppe um den Gruppensieg – und damit um die Vorqualifikation um die Asienmeisterschaft. Nach zwei 1:0-Siegen über Sri Lanka und die Mongolei und einem 1:1 gegen Laos bei 40 Grad Hitze war klar:  Afghanistan ist Gruppenerster, hat sich damit für die Qualifikation um die Asienmeisterschaft beworben.  Das Turnier, dessen Sieger an der Asienmeisterschaft teilnehmen darf, schließlich 2014  auf den Malediven statt. "Ich glaube, alles ist möglich. Dass wir es bis hierhin geschafft haben, ist schon eine Sensation." Auch für dieses Turnier geht Habib davon aus, dass er eingeladen wird. "Es gibt viele gute Kicker, aber das Team braucht auch einen erfahrenen Spieler, der im defensiven Mittelfeld agiert. Das kann ich ja ganz gut," sagt Habib mit gesundem Selbstbewusstsein.Reibereien, dass plötzlich ein Fußballer aus Deutschland den afghanischen Spielern einen Platz wegnimmt, gibt es übrigens nicht: "Entscheidend ist, dass die Leistung stimmt", so Habib, "dann kommt auch der Respekt."Eine Umstellung zu Spielen mit deutschen Teams gibt es übrigens: Vor jedem Spiel wird gemeinsam nach muslimischem Glauben gebetet, erst dann geht es auf den Platz.Und gab es Bedenken, für das vom Krieg geschundene Afghanistan zu spielen? "Für mich war klar: Wenn mein Land ruft und mich braucht, bin ich da."

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