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Integration im Boxring

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Von: Ralf Feldmann

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Sie kommen aus Afghanistan, waren monatelang auf der Flucht und integrieren sich nun in der Boxsportabteilung des TSV Korbach.

Korbach / Frankenberg. Sie kommen aus Afghanistan, waren monatelang auf der Flucht, bis sie in Deutschland ankamen und dann endgültig eine dauerhafte Bleibe fanden. Abusar war vier Monate lang 1.000 Kilometer unterwegs, meist alleine, gelegentlich von Schleppern und anderen Flüchtlingen begleitet. "Ich musste immer wieder nach dem Weg fragen", erzählt er uns, "und dann wieder bin ich einfach gelaufen, immer weiter, dorthin, wo alle hinliefen".

Zusammen mit Shoaib, Sanjer und Ismael wohnt er jetzt in Frankenberg in einer Wohngruppe. Tagsüber gehen sie in die Schule, in ihrer Freizeit treiben sie viel Sport. Das macht ihnen Spaß, bringt sie auf andere Gedanken und gibt ihnen ein Gefühl von zuhause. Denn schon am Hindukusch haben sie Sport getrieben. Mit dem großen Unterschied: "Hier geht alles in Frieden und Freiheit", sagen sie. Fußball, Fitness und vor allem Boxen ist für sie angesagt, fast rund um die Uhr. Dafür fahren sie sogar zweimal pro Woche abends zum Training nach Korbach. Und sie lassen es schweißtreibend krachen, das volle Programm: Aufwärmen, Gymnastik, Schattenboxen, Sandsack, Pratzenarbeit und Minutenkämpfe im Boxring. Sie sind immer in Bewegung, fleißig und engagiert, gönnen sich kaum Zeit zum Durchatmen. Auch Boxtrainer Reinhard Jassmann ist überrascht: "Solch ein Engagement habe ich lange nicht erlebt", sagt er und freut sich gleichzeitig über die internationale Bereicherung bei seiner ohnehin schon multikulturellen Truppe. Nach der Schule möchten die Jungs alle eine Ausbildung in Deutschland machen: "Am liebsten etwas mit Sport", sagen sie.

Seit 2001 bereits arbeitet die Boxabteilung des TSV 1850/09 e.V. mit dem Bundesprogramm "Integration durch Sport"(IdS) zusammen. Seitdem begleitet Referent Peter Schreiber aus Frankenberg das Wirken der Abteilung bei zahllosen gemeinsamen Veranstaltungen, wie Box-Charities und Sportevents. "Gerade jetzt, wo junge Flüchtlinge den Weg in das Boxtraining der Offenen Boxsportgruppe finden, stehen die Boxsportler für ein offenes, vorurteilsfreies Miteinander im Sport von Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Geschlechts oder Religion", sagt er.

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