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Mindestlohn auch für Sportler?

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Seit 1. Januar gilt der gesetzliche Mindestlohn. Ratlosigkeit daher bei den Fußballvereinen: Haben auch Spieler unterer Ligen Anspruch darauf?

Kassel.  Der Vorsitzende der Fußballabteilung des FSC Lohfelden Willi Becker ist ratlos. Ab 1. Januar gilt die Mindeslohngesetzgebung. Aber gilt sie auch für Sportler? Für Trainer? Die Auskunft des DFB ist ernüchternd: "Rechtsverbindliche Auskünfte können wir Ihnen leider nicht geben.”

Schon früh hatte Becker angefragt, wollte vom Hessischen Fußballverband (HFV) wissen, ob der Mindestlohn auch für Fußballer gilt. Im Falle FSC Lohfelden handelt es sich um Vertragsamateure, die  450 Euro Aufwandsentschädigung bekommen. Becker hofft,  dass der FSC damit "aus dem Schneider”  ist.Stefan Heck, HFV-Abteilungsleiter Spielbetrieb, konnte ihm nur mitteilen, dass aktuell eine Anfrage des DFB an das zuständige Ministerium läuft: "Die Antwort steht allerdings noch aus. Ausnahmeregelungen gelten für ehrenamtlich Tätige bzw. Arbeitnehmer mit einem anderen Hauptverdienst. Ob die Fußballer hierunter fallen, ist offen.”

Auch beim Deutschen Fußballbund ist man vorsichtig: "Ich hoffe, dass die Arbeitsgerichte den Sport nicht zu sehr reglementieren”, so  DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel. "Amateur- und Vertragsspieler fallen nicht unter den Arbeitnehmerbegriff, wenn ihre ehrenamtliche, sportliche Tätigkeit im Vordergrund steht und nicht die finanzielle Gegenleistung. Wir können aber keine Rechtssicherheit suggerieren.”

Bei der Vereinigung der Vertragsfußballer sieht man das ganz anders und hört schon die Euros klingeln: "Sollte ein Klub den Mindestlohn nicht zahlen, so begeht er eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße in Höhe von bis zu 500.000 Euro geahndet werden kann”, frohlockt Justitiar Frank Rybak, der den Mitgliedern schon empfohlen hat, alle geleisteten Arbeitsstunden aufzulisten – gegen gezeichnet von  Trainern oder Mitspielern.  VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky wurde noch deutlicher: "Der Mindestlohn gilt auch dann, wenn der Junge in der Kreisliga spielt. Wir sind gern bereit, alle zu beraten, die Mindestlohn haben wollen.”

Für helle Aufregung haben die EXTRA TIP-Anfragen bei einigen unterklassigen Vereinen geführt. Dort erhalten einige Spieler bis zu 200 Euro monatlich. Manche bekommen auch nur Spritgeld. "Uns wurde erzählt, dass würde uns nicht betreffen. Und jetzt das. Wenn wir Mindestlohn zahlen müssen, können wir den  Verein zumachen”, erklärt ein Funktionär, der nicht genannt werden will. "Das ist mal wieder  typisch. Der DFB kümmert sich nur um die Profis. Uns läßt man im Regen stehen.” Und ein anderer Vereinsvorsitzender grübelt: "Unsere erste Mannschaft möchte ein Trainingslager machen. Das ist doch eigentlich reine Freizeit. Wir wollten sie unterstützen. Jetzt müssen wir ja überlegen, ob wir die Spieler dafür bezahlen müssen. Das ist doch verrückt.”

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