Psycho-Tipps für Löwen: Mentale Stärke macht den Sieger

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Fußball. Wir sprachen mit der Schauenburger Diplom-Psychologin Sandra Eckhardt über die Löwen-Krise.

Fußball.Der KSV steckt in der Krise: Sieben Spiele ohne Sieg, Absturz auf einen Abstiegsrang der Regionalliga – und das als amtierender Meister. Wir sprachen mit der Schauenburger Diplom-Psychologin Sandra Eckhardt, die die Löwen schon unter Matthias Hamann 2007 als Mental-Coach beriet.

Was löst so eine Negativ-Serie in den Köpfen der Spieler aus?

Solch eine Negativ-Serie löst Kampfgeist, Ratlosigkeit, Ängste oder auch Unsicherheit bei einzelnen Spielern oder auch einer ganzen Mannschaft aus. Jeder Spieler reagiert auf eine Negativ-Serie individuell, je nach Zusammensetzung der Mannschaft, tritt ein Verhaltens-Muster auf.

Wichtig ist es für die Mannschaft, an sich zu glauben.

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass im Sport auch und vor allem im Kopf gewonnen wird. Erfolg im Sport wird aufgrund der inneren mentalen Einstellung, des Umgangs mit manchmal sehr belastenden Emotionen (z.B. der Angst schon wieder zu verlieren), den einschränkenden Überzeugungen (wir schaffen das), der körperlichen Verfassung, Fitness, aufgrund der Technik und aufgrund der Fähigkeit sich zu entspannen, entschieden. In der Fußball-Liga sind körperliche Verfassung, Fitness und Technik bei den Wettbewerbern auf sehr ähnlichem Niveau. In kritischen Situationen zweier gleichwertiger Gegner entscheidet fast immer der mental Stärkere das Spiel für sich.

Welche Möglichkeiten gibt es für das neue Trainerduo, die Köpfe der Spieler wieder frei zu bekommen? Gibt es einen "Königsweg" für den Umgang mit einer solchen Krise?

Es gibt sicherlich nicht den "Königsweg”. Und jeder Trainer hat seinen eigenen Weg. Aber zu einem Umgang mit einer Krise gehört das tägliche Training an den Stärken und Schwächen der Spieler, die ständige Analyse der Situation, Motivations-Gespräche mit jedem einzelnen Spieler, Teammotivation und Förderung der mentalen Stärke zur Steigerung des Selbstbewusstseins der Spieler und des Selbstvertrauens in sich und die Mannschaft.

Wichtig ist es, sich Krisenzeiten immer höhere Ziele zu setzen, mit Rückschlägen umzugehen und aus Fehlern zu lernen. Doch hierzu braucht es mentale Strategien. Die KSV-Spieler werden gerade mit drei Herausforderungen konfrontiert, die besondere mentale Stärke verlangen: Der Wettkampf ist einmalig und nicht wiederholbar, das Ergebnis ist unmittelbar sichtbar – und das alles vollzieht sich unter kritischer Beobachtung des Publikums nebst medialer Aufregung.

Der Trainer muss die Spieler zu stärken. Denn jeder kann an Niederlagen wachsen und lernen.

Besteht ein direkter Zusammenhang zwischen sportlichem Scheitern und der zur Zeit herrschenden Verletzungswelle innerhalb der Mannschaft?

Das glaube ich nicht. Wichtig ist es, den Spielern Zeit zu lassen, sich auszukurieren und ihnen Unterstützung vom Verein zu bieten. Ein positives Beispiel kann man gerade bei Tobias Damm sehen, der nach langer Pause das Tor in Offenbach geschossen hat. Er hatte die Zeit und die Unterstützung von Verein, Trainer und Mannschaft in seiner längeren Auszeit.

Die Fans sind sauer, fordern neben "Trainer raus" auch "Vorstand raus". Wie sollte man aus psychologischer Sicht als Verein mit dem Anhang umgehen? Und: Ist zu erwarten, dass die erfolgte Entlassung des Trainers für Besserung sorgen wird?

Wichtig ist es, die Kommunikation zwischen Trainer, Funktionären, Sponsoren, Presse, Sportler und den Fans zu optimieren und das Gespräch zu suchen. Es hilft in diesen Zeiten nicht, die Schuldigen zu suchen. Gewinnen kann die Mannschaft nur, wenn das Umfeld hinter ihr steht und zum Aufbau einer Mannschaft braucht es auch Zeit und Ruhe.

Eine Spitzenmannschaft braucht ein Umfeld, was auch in Krisenzeiten da ist. Eine Entlassung des Trainers ist oft der erste Schritt in der Krisenbewältigung. Es ist ein Schritt zur Veränderung. Dieser Schritt regt oft den Zusammenhalt und den Kampfgeist an. Dies haben die Spieler gezeigt. Sie können kämpfen. Aber die Lösung des Problems ist dies nicht. Jetzt fängt die Arbeit an. Und dafür braucht die Mannschaft Unterstützung.

+++Extra Info: Zur Person+++

Sandra Eckhardt (Diplom- Sozialpädagogin/ Diplom-Psychologin) ist selbstständige Beraterin und Coach im Bereich der Personalentwicklung zusammen mit ihrem Team Sandra Eckhardt Coaching plus. Ihre Schwerpunkte liegen in den Themen Teamentwicklung und   -coaching, Konfliktbewältigung, Beratung und Coaching für Führungskräfte und Führungskräftenachwuchs, kollegiale Fallberatung, Selbstmanagement, Mentaltraining und Kompetenzentwicklung. Dipl. Psych. Sandra Eckhardt arbeitet eng im Rahmen von Qualifzierungs- und Coachingmaßnahmen mit der Management- und Meisterebene z. B. des Volkswagen Konzerns zusammen.www.sandra-eckhardt.de

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