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Rollstuhlbasketballer Jens Albrecht: "Rio ist mein großer Traum"

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Er kommt aus Bebra, spielt in Thüringen Basketball - und sitzt im Rollstuhl. Jens Albrecht hat sich bis in die 1. Bundesliga gekämpft.

Bebra/Elxleben. 200 Augenpaare beobachten den ­Moment, als Jens Albrecht eingewechselt wird: Es dauert keine Minute, bis der 24-Jährige die ersten Punkte für sein Team erzielt. Der ­gebürtige Bebraner ist Spieler bei den Thuringia Bulls, Deutschlands derzeit bester Rollstuhlbasketballmannschaft in der 1. Bundesliga.

Mit seinem Team ist Albrecht fast jedes ­Wochenende in ganz Deutschland unterwegs. Für Auswärtsspiele fahren die Bulls bis nach München oder Hamburg. Auf den Rollstuhl angewiesen ist Jens Albrecht seit seiner Jugend wegen ­einer angeborenen Rückenmarkerkrankung. Die Freude am Rollstuhlbasketball entstand bei einer Freizeitgruppe in Bad Hersfeld. Während ­eines Sichtungslehrgangs für junge Talente wurde der 24-Jährige entdeckt: Im Alter von 15 Jahren wechselte Jens Albrecht nach Gotha. "Und dann ging es so weiter", erinnert er sich. Es folgten ­Einsätze für die "Mainhatten Skywheelers" (Frankfurt) und in Jena. Seit fünf Jahren spielt Albrecht für die "Thuringia Bulls".

Auf quietschenden Reifen

Ein Blick auf seinen etwas in Mitleidenschaft gezogenen Rollstuhl zeigt, dass Rollstuhlbasketball ein harter Sport ist. Doch "so wirklich schlimm" hat sich Jens ­Albrecht noch nicht verletzt. Bisher ist es bei Quetschungen und Kapselverletzungen geblieben. Mutter Erika, die mit ihrem Ehemann alle Heimspiele ihres Sohnes anschaut, hat sich an den ­rauen Umgang auf dem Spielfeld gewöhnt. Sie sagt: ­"Solange Jens nach einem Zusammenstoß wieder hochkommt, ist alles in Ordnung."

Auf die Arme kommt es an

Bis zu acht Mal in der Woche trainieren Albrecht und sein Team. Im Training wird vor allem an den "Chair Skills" gearbeitet; also dem Fahren ohne Ball. Die Spieler müssen auf engstem Raum anfahren, stoppen, umdrehen. Wenn zwei Sportler ineinanderkrachen ist das normal. Man sollte nur aufpassen, sich keinen Finger einzuquetschen. Kippt ein Spieler mal aus dem Rollstuhl, ist das auch nicht weiter schlimm. Mit der Kraft aus ihren durchtrainierten Oberarmen ­katapultieren sich die Rollstuhlbasketballer wieder in die Senkrechte. Mit den ­Armen werden Fortbewegung und Korbwurf gesteuert. Wer 40 Minuten über das Spielfeld rast, braucht entsprechend Kondition.

Profis, die allein vom Rollstuhlbasketball leben können, gibt es in Deutschland laut Jens Albrecht wenige. Er selbst studiert neben dem Sport Soziale Arbeit an der Fachhochschule Erfurt.

Mit seinen 24 Jahren blickt der gebürtige Bebraner ­bereits auf einige Erfolge zurück: Albrecht spielte ein Jahr für die deutsche ­Rollstuhlbasketball-National-mannschaft, wurde Europa- und Junioren-Weltmeister. Und auch in der aktuellen ­Saison läuft es rund: Die ­"Thuringia Bulls" halten sich mit 18:0 Punkten wacker an der Tabellenspitze.

Eigentlich könnte sich Jens Albrecht also entspannt in seinem individuell angefertigten und 5.000 Euro teuren Sportrollstuhl zurücklehnen. Wäre da nicht dieser eine große Traum: die Paralympischen Spiele in Rio 2016. Um  in den Kader berufen zu werden, muss sich Albrecht bei ­einer Sichtung Anfang nächsten Jahres gut präsentieren. "Vielleicht klappt es, wenn ich alles gebe." Der ­junge Profi ist bescheiden ­geblieben.

+++ Spielbericht: Thuringia Bulls siegen mit 91:31 haushoch gegen nur fünf Münchner +++

Ein ungleiches Spiel bot sich den rund 200 ­Zuschauern am Samstagabend im Fit-In-Stadion in Elxleben. Haushoch siegten die heimischen Thuringia Bulls mit 91:31 gegen den USC München. Die Bayern, die nur mit fünf Spieler angereist ­waren, hielten der Überlegenheit der Thüringer nicht lange stand und waren in weiten Teilen des Spielverlaufs deutlich unterlegen.

Nach zehn Minuten führte der Gastgeber mit 28:4 – zur Halbzeit stand es 55:15. Die Hausherren versuchten das Beste aus der Partie zu machen, trotzdem blieb es ein Spiel ohne Spannung, das eher einem Trainingsmatch ähnelte. Das dritte Quartal endete mit ­einem Spielstand von 79:19. Die meisten Treffer für die Thurinigia Bulls erzielten Alex Halouski (28), Jens Albrecht (18) und Joke Linden (18). Die Thuringia Bulls schließen die erste Halbserie nunmehr an der Tabellenspitze mit 18:0 Punkten ab und gehen am kommenden ­Wochenende in das Pokalviertelfinale in Kaiserslautern.

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