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Senioren-Weltmeister Harry Geier feiert seinen 80.

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Er ist das Aushängeschild der Melsunger Leichtathleten: Harry Geier. Am Montag feiert der rüstige Rentner seinen 80. Geburtstag.

Melsungen. Wenn der Mensch ein Produkt aus Zufall und Notwendigkeit ist, so bedeutet der Zufall des Geburtsjahres eine Notwendigkeit des Lebenslaufes, dem man nicht entkommt. Der Melsunger Harry Geier, einer der erfolgreichsten Senioren-Leichtathleten in Hessen, erblickte am 9. November 1935 in Karlsbad (Sudetenland) das Licht der Welt und gehört zu den Menschen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs aus der Heimat vertrieben wurden.

Unmittelbar vor seinem 80. Geburtstag, den der erfolgreiche Melsunger Geschäftsmann morgen mit seiner Familie und Freunde in der Melsunger Stadthalle feiert, steht Harry Geier noch immer voll im Leben und erfährt bis heute das Gefühl von Anerkennung, Gefragtsein und Gebrauchtwerden.

Bei einem 80-Jährigen sollte man annehmen, dass die Zeit seiner sportlichen Aktivitäten lange zurückliegt und nur noch manche Zeitzeugen seine Erfolge aus eigener Anschauung kennen. Bei Harry Geier sind Leistungen und Erfolge noch gegenwärtig. Während sich die meisten Menschen im hohen Alter aus gesundheitlichen Gründen sportlich immer mehr zurückziehen müssen, setzte sich Geier mit Selbstdisziplin und Zielstrebigkeit immer wieder neue sportliche Ziele, denn die Leichtathletik ist und bleibt ein Teil seines Lebens. Das Laufen ist für ihn mehr als ein Hobby, denn es vereint bei Harry Geier Körper, Geist und Seele. Es ist deshalb etwas Ganzheitliches, wonach sich viele Menschen sehnen.

Marathon unter 3 Stunden

Der erfolgreichste Leichtathlet der Melsunger Turngemeinde debütierte als 44-Jähriger auf der Marathonstrecke mit einer Zeit von 3:19,22 Stunden. Zwei Jahre später durchbrach er in Frankfurt mit 2:58,50 Minuten zum ersten Mal die Drei-Stunden-Schallmauer.

1983 entdeckte er bei den hessischen Seniorenmeisterschaften in Melsungen seine Liebe für die kurzen Laufstrecken und wurde auf Anhieb Vierter über die Viertelmeile. Seit diesem Ereignis wurde die Stadionrunde seine Paradedisziplin. Noch als 51-Jähriger lief er die 400 Meter unter 56 Sekunden und stieg in den nächsten Jahren vom Kreismeister bis zum Weltmeister auf. Damit setzte Geier ein nachahmenswertes Zeichen für Leistungsbereitschaft und Leistungswillen.

In seiner einmaligen Laufbahn stellte er über 40 Kreis- und Nordhessenrekorde auf, wurde über 30 Mal Hessenmeister und stand bei den deutschen Meisterschaften bei der Siegerehrung neunmal auf dem obersten Treppchen. Bei den Senioren-Europameisterschaften wurde er siebenmal mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

Fünf Siege bei Weltmeisterschaften

Aber die absoluten Glanzpunkte in seiner erfolgreichen Karriere waren die fünf Siege bei den Weltmeisterschaften in Turku (Finnland, 1991), Brisbane (Australien, 2001) und Linz (Österreich, 2006), wo er sich als 70-Jähriger in der Halle über 400 Meter in sensationellen 66,95 Sekunden durchsetzen konnte. Kurze Zeit später führte er auch das deutsche Staffelquartett über 4x400m zur Weltmeisterschaft.

Den vorläufig letzten WM-Titel sicherte sich Geier bei der Hallen-WM 2008 in Clermont-Ferrand (Frankreich) mit der deutschen Nationalmannschaft über 4x200 Meter. In diesem Sommer verbesserte er den deutschen Seniorenrekord über 400 Meter in der M80 auf 74,59 Sekunden und wurde auch deutscher Seniorenmeister über 200 Meter.

Das sportliche Aushängeschild der Stadt Melsungen denkt noch nicht ans Aufhören, denn vom Ruhestand will er noch nichts wissen. Immer noch ist der vitale Juwelier voller Tatendrang und möchte seine Pläne realisieren. Und so lange man Pläne schmiedet, gehört man bekanntlich nicht zum alten Eisen.

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