Vom Spätstarter zum Spieler des Jahres

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Touchdown! Eurobowl-Sieger und Spieler des Jahres Johannes Thiel mischt die Football-Bundesliga auf.

Steina/Berlin. In den USA ist er neben Basketball und Baseball die beliebteste Sportart des Landes: Football ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mehr als nur ein Spiel – es ist ein gesellschaftliches Ereignis, das seinen Höhepunkt jährlich im Februar findet. Dann steht der Super-Bowl an – das große Finale um die Krone der Nationalen Football-Liga (NFL). Auch in Deutschland verfolgen immer mehr das Mega-Ereignis vor den Fernsehbildschirmen – mittlerweile weit über eine Million Zuschauer. Seit knapp zwei Wochen darf sich zudem auch ein Deutscher als Super-Bowl-Sieger bezeichnen. Sebastian Vollmer, usrprünglich aus Kaarst in Nordrhein-Westfalen, holte sich mit seinem Team, den New England Patriots, den Titel.

Einer, der das Football-Geschehen in den USA mit großem Interesse verfolgt, ist Johannes Thiel. Aber anders, als die meisten Zuschauer, ist der gebürtige Steinaer selbst auf dem Football-Feld aktiv und das ziemlich erfolgreich. Der 27-Jährige spielt in der Football-Bundesliga (GFL) bei den Berlin Adlern. Im letzten Jahr gelang ihm der wahrscheinlich größte Coup in seiner Football-Karriere: Im heimischen Stadion holten sich Thiel und seine Mannen die Europäische Krone des Footballs – den Eurobowl.

Vor zehn Jahren hat der Wahl-Berliner den Sport für sich entdeckt. Liebe auf den ersten Blick sei es aber nicht gewesen. "Ein Freund, der bei den Marburg Mercenaries in der Bundesliga spielt, hat mich überredet, mal mit zum Training zu kommen", erzählt Thiel von seinen Anfängen in Marburg. Vor allem die Kondition habe ihm am Anfang gefehlt. Allein der Ehrgeiz habe ihn angespornt weiter zu machen. "Ich dachte mir: Du ziehst das jetzt durch! Mit der Zeit ist das Spiel dann mehr und mehr zu meinem Sport geworden", sagt der 27-Jährige. Zudem habe man ihn in Marburg von Anfang an sehr gut im Team aufgenommen. "Das ist das Schöne am Football. Hier wird keiner ausgeschlossen. Für jeden findet sich eine Position. Wir schicken keinen Weg", betont Thiel.

Jede Menge Training – keine Bezahlung

Als der 1,84 Meter große Runningback (Spielposition in der Offensive) 2005 seine ersten Gehversuche auf dem Spielfeld unternahm, habe er noch 75 Kilo gewogen. Mittlerweile bringt er nach eigenen Angaben 100 Kilo auf die Waage. Das Ergebnis eines straffen Trainingsprogramms. "Ich mache jeden Tag ein- bis zweimal Sport. Dreimal in der Woche ist Mannschaftstraining, plus ein Spiel am Wochenende – und dazu kommen noch Fitness-Studio und Leichtathletiktraining", erzählt Thiel. Während die Profis in den USA dafür fürstlich entlohnt werden, steht in Deutschland noch einzig und allein der Sport im Vordergrund. "Deutsche Spieler werden in der Regel nicht bezahlt und auch Import-Spieler (Gastspieler aus dem Ausland; Anm. d. Red.) werden hier nicht reich", sagt Thiel. Sportlich sieht der studierte Jurist die GFL sehr gut aufgestellt. "Die Bundesliga ist die beste Spielklasse in Europa. Deutschland ist schon lange kein Football-Entwicklungsland mehr", so der Runningback über das Niveau der Liga.

Die 1.000 Yards-Marke geknackt

Thiel selbst ärgert sich manchmal, nicht früher mit dem Sport angefangen zu haben. "Ich war 17, als ich mein erstes Training besucht habe. Das ist eigentlich viel zu spät, um vielleicht auch den Sprung zu einem US-College zu wagen", verrät der gebürtige Schwälmer. Trotzdem läuft’s ganz gut: Neben dem Sieg beim Euro-Bowl im letzten Jahr, konnte er  zahlreiche individuelle Erfolge verbuchen. In der Jugend schaffte er es gleich im zweiten Jahr in die Hessenauswahl. In seiner letzten Saison (2013) bei den Marburg Mercenaries wurde er gar zum Spieler des Jahres gewählt und ins Trainingslager der Nationalmannschaft eingeladen. "In der Saison habe ich über 1.000 Yards erlaufen. Das alles wäre aber ohne das  Team und auch meine Eltern, die mich immer unterstützen, nicht möglich gewesen", betont Thiel. Die deutsche Meisterschaft fehlt noch in seiner Sammlung. "Das wäre noch ein Ziel", sagt der 27-Jährige. Allzu viel Zeit bleibt nicht mehr – denn mit 30 soll Schluss sein auf dem Feld.

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