Stimmen zur finanziellen Schieflage des KSV Hessen Kassel

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Regionalmanager Holger Schach, Huskies Geschäftsführer Joe Gibbs sowie Axel Geerken, Geschäftsführer der MT Melsungen zur prekären Lage der Löwen.

Fußball. Der KSV Hessen Kassel hat derzeit Verbindlichkeiten in Höhe von knapp zwei Millionen Euro. Das gab der Verein unter der Woche auf der  Mitgliederversammlung in Eppo´s Clubhaus bekannt. Dabei liegt der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag bei rund einer Million Euro. Im vergangenen Jahr verbuchte der Verein ein Minus von rund 200.000 Euro.

Regionalmanager Holger Schach, Huskies Geschäftsführer Joe Gibbs sowie Axel Geerken, Geschäftsführer der MT Melsungen zur prekären Lage der Löwen.

Holger Schach, Regionalmanager

Die Fußballbegeisterung zur EM macht wieder deutlich: Sport verbindet Nationen und schafft Aufmerksamkeit. Die Isländer haben mit ihrem tollen Auftritt mehr für Image und Bekanntheit geleistet als jede Marketingkampagne – davon profitieren Wirtschaft und Tourismus. Gleiches gilt auch im Kleinen. Es gibt Städte in Deutschland, die man vor allem wegen des Fußballs kennt – Hoffenheim, Leverkusen, Kaiserslautern und viele mehr. Der Markenwert von Sportvereinen wurde am Beispiel von Borussia Mönchengladbach errechnet: Um die Bekanntheit der Stadt, die sie mit ihrem Fußballverein erzielt hat, kaufen zu können, müssten jährlich 150 Millionen Euro ins Standortmarketing investiert werden.

Deshalb ist es wichtig, dass Regionen attraktive Sportvereine haben, mit denen sich die Menschen vor Ort identifizieren und die eine Stadt nach außen bekannt machen. In Nordhessen gibt es drei starke Sportmarken: die Kassel Huskies, die MT Melsungen und den KSV. Sie stehen für Begeisterung, Erfolg und Tradition. Der KSV war mir als Kölner schon aus den 70er Jahren bekannt und meine erste Wahrnehmung von Kassel. Der KSV steht also auch für große Sportgeschichte, die nicht fortgeführt werden kann, wenn Sponsoren und Mittel fehlen. Gemessen am Selbstverständnis und der Bedeutung Kassels gehört der KSV in die 2. Bundesliga. Und große Ziele braucht man, um den richtigen Weg zu finden. Deshalb sollten sich alle Kräfte zusammentun, die dem KSV gemeinsam eine Perspektive geben können. Nordhessen spielt als Wirtschaftsregion inzwischen auf hohem Niveau. Die MT Melsungen und die Kassel Huskies stehen schon jetzt für Spitzensport, der die Region herausragend repräsentiert. Es wäre schön, wenn dies mit dem KSV auch im Fußball gelingt.

Das sagen die Chefs von Huskies und MT

Joe Gibbs, Geschäftsführer Kassel Huskies: "Ein mögliches Ende wäre schlimm für den KSV, aber auch für die Stadt. Mit der MT, den Huskies und dem KSV gibt es hier eine Vielfalt, die nicht jede Stadt hat und ein Verlust eines dieser Teams wäre ein Verlust der sportlichen Vielfalt. Wir wollen und hoffen sehr, dass es mit dem KSV weiter geht."

Axel Geerken, Geschäftsführer MT Melsungen: "Zunächst einmal wünschen wir dem KSV, dass er die aktuell schwierige Zeit meistern und sich konsolidieren kann. Hier handelt es sich schließlich um einen Traditionsverein, dessen Name seit vielen Jahrzehnten auch überregional eng mit Nordhessen verbunden wird. Wie die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, können sich die Löwen, die Huskies und die MT jeweils gut nebeneinander positionieren, ohne sich gegenseitig Sponsoring- oder Zuschauerpotentiale streitig zu machen.Zudem dürfte es alle Sportinteressierten in der Region freuen, wenn sie zwischen mehreren Topsportarten wählen können".

Kommentar von Marcel Ehrig

Die Anspannung war am Montagabend auf der Mitgliederversammlung bei Fans und Verantwortlichen deutlich zu spüren. Die Zahlen, die der KSV präsentierte, verheißen nichts Gutes.Eine rosige Zukunft sieht auf jeden Fall anders aus – vom Aufstieg ist der KSV so weit entfernt, wie der Berliner Flughafen von seiner Eröffnung.Auch das Konzept – wenn man es denn so nennen darf, ließ zu wünschen übrig. Schulden abbauen? "Wir sparen an allen Ecken und Enden." Sponsoren gewinnen? "Klinken putzen." Mehr Zuschauer ins Stadion locken? "Kommen Sie ins Auestadion und bringen Sie noch jemanden mit!"Das war auch vielen Mitgliedern zu einfach. Um die Fans milde zu stimmen, muss ein klarer Weg eingeschlagen werden, der zumindest für die Zukunft hoffen lässt. Die Vereinsmitglieder wissen hingegen was in diesem Jahr auf sie zukommt: Eine alles andere als einfache Saison.Auf Rosen gebettet war der KSV ja schon lange nicht mehr.2008 konnte man es sich immerhin noch leisten, auf 120 000 Euro von Mehmet Göker zu verzichten und verfolgte bis zum Einstieg von VW das Motto "arm, aber sexy" – arm ist der KSV allemal, sexy schon lange nicht mehr.

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