Trotz Hitzlsperger-Outing: Schwule Sportler sind tabu

Gab sein Coming-out bekannt: Ex-Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Foto: dpa
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Gab sein Coming-out bekannt: Ex-Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Foto: dpa

Region. Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich zu seiner Homosexualität bekannt. Wir sprachen über das Thema "Schwule Sportler".

Von ULF SCHAUMLÖFFEL und THOMAS LANGE

Kassel. Jetzt ist es also raus: Der frühere Bundesliga-Profi des VfB Stuttgart und des VfL Wolfsburg, Thomas Hitzlsperger, hat sich als erster prominenter Fußballer zu seiner Homosexualität bekannt. Der Ex-Nationalspieler kritisiert, dass Homosexualität im Fußball ignoriert werde.

Stellt sich die Frage, warum das so ist? Wir sprachen über das Thema mit  Sinnlust-Party-Macherin und b2-Bar-Betreiberin Betty Ford und KSV-Trainer Sven Hoffmeister.

Seit Jahren organisiert die Kasselerin Betty Ford u.a. Partys für Homosexuelle.

"Für viele Leute passen das klassische Klischee eines Schwulen und Fußball einfach nicht zusammen. Im Sport werden Schwule für Weicheier gehalten", so Betty Ford. Die Begriffe "schwul", "hartes Training" und "Siegeswille" wollen in den Köpfen vieler einfach nicht zusammenpassen.

Dass sich Homosexuelle im Allgemeinleben nur selten outen, liege daran, dass sie Angst hätten, Opfer von Mobbing zu werden oder sogar ihre berufliche Position zu verlieren. "Generell finde ich es natürlich gut, dass sich eine Sportgröße wie Hitzlsperger nun geoutet hat. Eigentlich hätte er es aber während seiner aktiven Laufbahn tun müssen. Dann hätte er ein größeres Zeichen setzen können."

Sven Hoffmeister: "Homosexualität war kein Thema!"

Der Trainer des KSV Hessen Kassel, Sven Hoffmeister, erklärt: "Das Thema Homosexualität war schlichtweg nie ein Thema". Und zwar weder während seiner aktiven Profi-Zeit, noch jetzt bei den Löwen. "Ich muss ehrlich sagen: Ich habe nie mit einem Homosexuellen in einer Mannschaft gespielt - jedenfalls nicht mit einem, von dem ich es wusste".

Dass Mannschaftskameraden schwul waren, ohne sich zu outen, "kann gut möglich gewesen sein".

In der jetzigen, von Hitzlsperger losgetretenen Debatte, sieht der Coach des KSV positives. "Bis zum Selbstmord-Fall Robert Enke wurde ja auch nicht über Depressionen gesprochen. Vielleicht ist das jetzt der nächste Schritt."

Er jedenfalls verschließe sich nicht, wenn einer seiner Spieler in einer solchen Angelegenheit an ihn herantreten würde.

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