Unser Mann für Hawaii: Martin Wonke aus Baunatal startet beim Ironman

+
Startet am 13. Oktober in der Altersklasse 30 bis 34 beim Ironman auf Hawaii: Der Nordhesse Martin Wonke.

Es ist der härteste Triathlon der Welt - der Ironman auf Hawaii. Mit dabei: Martin Wonke aus Baunatal. Wie er sich auf das Highlight vorbereitet erklärt er im Interview.

Triathlon. Nach 9:20 Stunden hat man die komplette Herr der Ringe-Trilogie in der Kinofassung gesehen (die dauert nur 8:20 Stunden), ist fast die Strecke von Frankfurt nach Atlanta geflogen (circa zehn Stunden) oder von Kassel mit dem Auto an den Gardasee gefahren (dauert ohne Pause circa 9:45 Stunden). Martin Wonke (33) schwimmt in dieser Zeit 3,8 Kilometer, fährt 185 Kilometer Fahrrad und läuft anschließend 42,2 Kilometer. Also insgesamt 231 Kilometer, so weit ist es von Kassel bis nach Düsseldorf. Mit 9:20 Stunden hat sich der gebürtige Kasseler in Frankfurt für den Ironman auf Hawaii am 13. Oktober qualifiziert und muss dort sogar nur 180 Kilometer Radfahren. Wie er sich auf den härtesten Triathlon der Welt vorbereitet, erklärt er im Interview.

Herr Wonke, eigentlich wollten Sie dieses Jahr noch gar nicht zum Ironman nach Hawaii. Was ist passiert? Wonke: Den Ironman wollte ich nächstes Jahr in Angriff nehmen, habe es aber einfach mal probiert und mich so auf die Qualifikation in Frankfurt vorbereitet, als wäre es der Höhepunkt des Jahres. Dort bin ich achter geworden, die ersten sieben haben sich qualifiziert. Meine Altersgruppe war in diesem Jahr extrem stark. In jeder anderen Altersgruppe wäre ich auf dem Treppchen gelandet. Insgesamt bin ich 34. geworden. 18 Profis waren dabei schneller als ich. Jan Frodeno hat bei den Profis gewonnen, Patrick Lange wurde dritter. Ich bin nachgerückt, weil jemand nicht teilnehmen wollte.

Der Höhepunkt des Jahres ist jetzt der Ironman auf Hawaii. Sind Sie nervös? Das ist mein vierter Triathlon. Ich weiß, wie es abläuft, aber ich habe einen riesigen Respekt vor dem Rennen. Das Klima, die Windbedingungen und die Wellen im offenen Meer kann man beim Training im Schwimmbad nicht simulieren. Viele Athleten haben Angst vor dem Start im Wasser. Wenn es blöd läuft bekommt man einen Tritt ab und das Rennen ist vorbei. Das ist noch so ein Punkt, der einem Respekt einflößt. Beim Start befindet man sich mit 2000 Menschen im Wasser – das hatte ich so noch nicht. Wie sind Sie zum Triathlon gekommen? Eigentlich bin ich Läufer, bin lange Zeit für den PSV Grün-Weiß-Kassel an den Start gegangen. Der Triathlon hat mich schon immer fasziniert, aber zunächst habe ich mich nicht an ihn herangetraut. Besonders vor dem Schwimmen hatte ich Respekt. Ein Kumpel von mir hatte schon einen Triathlon absolviert, mit ihm habe ich mich dann auf meinen ersten Wettkampf vorbereitet.

Haben Sie einen Trainer? Nein. Durch meine Zeit beim PSV habe ich viel mitbekommen und kann das Training selbst steuern. Für das Schwimmen habe ich mir aber einen Trainer zugelegt. Drei Mal in der Woche trainiere ich beim KSV Baunatal. Wie und wie lange haben Sie sich auf Hawaii vorbereitet? Die Vorbereitung dauert ein halbes bis Dreivierteljahr. Und ich war natürlich viel Laufen, Radfahren und Schwimmen.

Im Trainingslager auf Hawaii: Hier bereitet sich der Baunataler auf den Ironman am Samstag vor.

Wie sieht so ein Trainingstag aus? Unterschiedlich. Am Montag regeneriere ich eher. Mittwochs zum Beispiel fahre ich rund 160 Kilometer Rad und anschließend laufe ich noch fünf bis zehn Kilometer. Je nachdem wie intensiv die Einheit vorher war. Zwischen 15 bis 20 Stunden trainiere ich pro Woche.

Da bleibt nicht viel Freizeit. Das stimmt. Da muss ich mich bei meiner Frau bedanken, die das alles mitmacht und mir den Rücken freihält. Nach so einem Trainingstag ist man ja auch müde und macht keine großen Sprünge mehr.

Und wie ernähren Sie sich? Pizza gibt es sicher eher selten. Sich eine Pizza reinzufahren und dann zum Beispiel 15 Kilometer zu laufen ist natürlich schwierig (lacht). Ich mache aber keine Diät oder sowas, sondern ernähre mich einfach ausgewogen.

Und vor dem Triathlon? Da gibt es etwas leicht verdauliches zum Frühstück. Ansonsten nehme an diesem Tag nur Flüssignahrung zu mir. Eine Art Kohlenhydratgel und Wasser gibt es während dem Triathlon.

Einen Triathlon zu laufen ist nicht nur körperlich anstrengend. Viele Athleten sprechen auch von einer hohen psychischen Belastung. Was ist damit gemeint? Das ist schwer zu erklären, man hat Gefühlsschwankungen. Bei Kilometer 20 bin ich platt und will aufhören. Ein paar Kilometer weiter hat man das Gefühl man läuft von alleine und alles ist gut. Ich weiß nicht woran das liegt.

Welche der Disziplinen fällt Ihnen denn am leichtesten? Das Laufen. Das bedeutet aber nicht, dass es für mich einfach ist, denn es ist die letzte Disziplin. Ich würde sagen, ich steigere mich von Disziplin zu Disziplin. Das Schwimmen fällt mir am schwersten, im Radfahren bin ich okay und dann kommt der Marathon.

Sie haben viel trainiert und eine Menge Zeit investiert. Was ist ihr Ziel beim Ironman auf Hawaii? Dort gewinnen zu wollen, wäre sicherlich vermessen. Aufgrund der harten Bedingungen sollte ich mich auch nicht an meiner Zeit bei der Qualifikation in Frankfurt orientieren. Unter zehn Stunden möchte ich aber schon bleiben.

Der Trainingsplan von Martin Wonke

Schwimmen, Radfahren, Laufen: Gerade wenn man am Ironman teilnehmen will, gehört im Vorfeld eine Menge Training dazu. So sieht eine Trainingswoche, mit dem Schwerpunkt Radfahren, in der Hochleistungsphase von Martin Wonke aus:

Montag: Regenerative Einheit – 60 bis 90 Minuten locker Rad fahren.

Dienstag: Morgens drei Kilometer schwimmen und am Abend Intervallläufe.

Mittwoch: 120 bis 130 Kilometer Rad, je nach Intensität der vorherigen Einheit fünf bis zehn Kilometer laufen.

Donnerstag: Vier Kilometer schwimmen oder morgens joggen.

Freitag: 60 bis 90 Kilometer Rad oder Dauerlauf.

Samstag: 2,5 bis drei Kilometer schwimmen, 60 bis 90 Kilometer Rad fahren oder 15 bis 20 Kilometer laufen.

Sonntag: Ca. fünf Stunden Rad oder 30 Kilometer Dauerlauf. Trainingszeit pro Woche: Zwischen 15 und 20 Stunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Bildergalerie: Eishockey Jugend präsentierte sich zur Nikolaus-Party

Die Eishockey Jugend Kassel e.V. präsentierte am Samstag in der Eissporthalle ihre erste Nikolaus-Party. 
Bildergalerie: Eishockey Jugend präsentierte sich zur Nikolaus-Party

Tennis: Wilhelmshöhe Open bleiben das höchstdotierte ITF-Turnier

Die Wilhelmshöhe Open bleiben das höchstdotierte ITF-Herrenturnier in Deutschland und werden nicht auf die Challenger Ebene angehoben.
Tennis: Wilhelmshöhe Open bleiben das höchstdotierte ITF-Turnier

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.