"Ob ich verroste oder verkalke, ich steh' nur auf Schalke"

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Neujahrsempfang der IHK Fulda mit Alexander Jobst. Der Marketing-Vorstand von Schalke 04 sprach im Fuldaer Schlosstheater zum Jahresauftakt.

Fulda. Er legte 1993 am Marianum sein Abitur ab, zog danach von Fulda aus in die große weite (Fußball-)Welt. Doch immer wieder zieht es ihn auch in seine Heimatstadt zurück, ganz aktuell am  Freitagabend in das Schlosstheater. Da war der 42-Jährige Alexander Jobst Stargast und Hauptredner auf dem Neujahrsempfang der IHK Fulda.

"Schalke - das ist der Spagat zwischen dem Kumpel in der Eckkneipe in Gelsenkirchen  und dem Millionär auf der Ehrentribüne", begann der gebürtige Eichenzeller seinen Vortrag. Und drang tief in die Welt des Wirtschaftsfaktors Fußball ein, referierte beziehungsweise präsentierte über 50 Minuten lang Filme, Daten, Zahlen  und Fakten über einen Fußballclub, der nicht nur im Ruhrgebiet, sondern weltweit Kult, ja für viele sogar (Ersatz-) Religion ist und der sich nach dem Branchenprimus Bayern München,  aber noch vor dem ewigen Revierrivalen Borussia Dortmund, als die Nummer zwei in Deutschland sieht.

Jobst kam direkt aus dem Trainingslager der Schalker im heißen Florida und reiste quasi nonstop in die kalte Heimat Fulda durch. Den Jetlag und sechstündigen Zeitunterschied hatte er sich mit zahlreichen Tassen Kaffee aus Kopf und Körper gespült. Seinen ehemaligen Klassenkameraden und neuen Fuldaer Oberbürgermeister begrüßte er mit den herzlichen Worten: "Ich freue mich, meinen alten Freund Heiko Wingenfeld endlich 'mal wiederzutreffen."

Obwohl er sich häufig Beschwerden der eigenen Fans anhöre müsse, alles sei früher besser und schöner gewesen und "dat is nich mehr mein Schalke wie einst", richtete der Marketingexperte eindeutig seinen Blick nach vorne in die Zukunft des Vereins, der mit 140.000 Mitgliedern der viertgrößte Klub der Welt ist. Jobst: "Früher war das Bier warm und der Platz auf der Tribüne kalt. Heute ist es umgekehrt."

Der Verein hatte im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 250 Millionen Euro zu verzeichnen, in der Abteilung für die der Ex-Fuldaer verantwortlich zeichnet  - mediale (Liga-)Verwertung, Vermarktung Sponsoring und  Merchandising  - waren das stolze 90 Millionen. Der Mitarbeiterstab von Jobst umfasst 60 Leute, jeder siebte Arbeitsplatz im Gelsenkirchener Stadtteil  ist direkt oder indirekt vom Fußballclub abhängig.  620 Mitarbeiter insgesamt beschäftigt der "Konzern Schalke 04".

Hauptsponsor ist der russische Energiekonzern "Gazprom", Ausrüster "Adidas" und Namensgeber des Stadions die "Veltins"-Brauerei. In der Jugendausbildung ist der Revierclub neben dem FC Barcelona weltweit wohl führend, immer wieder rücken (Jahrhundert-)Talente wie Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Max Mayer, Julian Draxler oder aktuell Leroy Sane nach, für den der FC Barcelona angeblich bereit sein soll, bei einem Wechsel 55 Millionen Euro Ablöse zu zahlen. "Ich kann Ihnen verraten, in der Winterpause wird Sane nicht wechseln", verkündete Jobst für die wenigen Schalke Fans im Auditorium ("da ist noch viel Platz nach oben") eine gute Nachricht und Neuigkeit. Gleichwohl wollte der 42-Jährige nicht ausschließen, dass sich früher oder später ein gehöriger Batzen an Ablösesumme für Shootingstar Sane erzielen lässt.  Tranfererlöse seien ein wesentlicher Teil im Millionengeschäft Fußball.

Im Milliardenbereich - was vornehmlich die Fernsehgelder betrifft - bewege sich unterdessen die englische Liga, die sei der Bundesliga noch um Längen, sprich 15 Jahre wegen ihres internationalen Auftretens voraus. Früher oder später würde sich aber vieles in Bezug auf Sponsoren, Werbegelder sowie  Spielergehälter nivellieren. Künftig will der Verein (in dieser Reihenfolge) in China, USA und Russland (nicht zuletzt wegen des Patenvereins Zenit Sankt Petersburg und des gemeinsamen Hauptsponsors) verstärkt auf internationalem Parkett agieren und besonders den klubeigenen Multimediabereich ausbauen. Regional werde sich Schalke auf sein Betreiben hin auch auf dem sozialen Sektor immer mehr engagieren und seiner emotionelen Verantwortung bewusst und gerecht werden, fasste Jobst die drei Hauptziele für die Zukunft zusammen: Internationalisierung, Digitalisierung und  Organisationsstrukturierung.

"Abschließend stehe ich gerne für Ihre Fragen zur Verfügung, schloss der gebürtige Fuldaer sein Referat. "Falls Dortmunder im Saal sein sollten - für die gilt dieses Angebot natürlich nicht", konnte sich Jobst einen augenzwinkernden Seitenhieb auf den ewigen Revierrivalen Borussia nicht verkneifen.

Jobst schloss im Jahr 2000 sein Studium der Sportökonomie an der Universität Bayreuth mit dem Diplom ab. Anschließend arbeitete er sechs Jahre im Sportsponsoring bei Siemens in München. Ende 2005 wechselte Jobst ins Marketing-Management von Real Madrid und übernahm hier Leitungsaufgaben. Er war dort der erste Ausländer auf dieser Position. 2007 wechselte er zum Weltfußballverband FIFA in Zürich, wo er bis 2011 als Head of Sales die Sponsoring- und Lizenzgeschäfte leitete. 2011 wurde Jobst mit einem Dreijahresvertrag Mitglied des dreiköpfigen Vorstandes von FC Schalke 04 - zuständig für die Ressorts Marketing und Merchandising.

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