Wildkatzen im Vogelsberg – „Wir hoffen, dass der Nachweis gelingt“

VOGELSBERGKREIS. "Wildkatzen gehören ebenso hierher wie Luchse und andere schon beheimatete Wildtiere. Wir wollen hoffen, dass mit der gemeinsam

VOGELSBERGKREIS. "Wildkatzen gehören ebenso hierher wie Luchse und andere schon beheimatete Wildtiere. Wir wollen hoffen, dass mit der gemeinsamen Aktion der Nachweis der Wildkatze gelingt", so Landrat Manfred Görig bei der Ausstellungseröffnung. Man werde nach Möglichkeit alles dafür tun, dass sich die Habitate verbessern und dass die Bewegungsräume für die Wildtiere nicht noch weiter eingeschränkt werden. Er begrüßte die Vertreter der Forstämter Schotten und Romrod und wünschte den Verantwortlichen von BUND und Unterer Naturschutzbehörde eine gute Resonanz für die Ausstellung.Gudrun Huber von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises sprach davon, dass es vor Allem um die Akzeptanz gehe, die es für die Wildkatze zu schaffen gelte. "Der Naturraum ist im Vogelsberg recht gut geeignet für die Ansiedlung der Tiere. Wenn genügend Totholz im Wald liegen gelassen wird, finden sie genügend Unterschlupf und beste Bedingungen vor. Wir wollen beobachten, ob sich die Wege einwandernder Tiere aus benachbarten Waldgebieten hier kreuzen und vielleicht dazu führen, dass sie bei uns wieder ansässig werden." Die Wildkatze wurde seit 1920 nicht mehr im Vogelsbergkreis gesichtet, sie wurde überwiegend Opfer von Bejagung. Dass sie heute bei ihrer Wiederkehr nicht mehr bejagt wird, darauf hofft Frau Huber. "Als Nahrungskonkurrentin wird man die Wildkatze heute wohl nicht mehr sehen. Es wird niemand Hunger leiden, nur weil die Wildkatze eine gewisse Anzahl an Mäusen verspeist." Eine Wildkatze benötige eine Revierfläche von 30 – 50 Quadratkilometern, männliche Tiere mehr. Schon bei einem Tier je drei Quadratkilometern könne man von einer überlebensfähigen Population sprechen.

An die Besucher der Ausstellung gewandt erklärte der Biologe Dr. Wolfgang Dennhöfer, warum diese Aktion für ihn so wichtig ist: "Mir geht das Herz auf, wenn ich durch einen Wald gehen kann, in dem diese Tiere leben – auch wenn wir sie wahrscheinlich gar nicht zu Gesicht kriegen." Alleine das Wissen darum genüge schon. Ihm liege sehr viel an einer gesunden Biodiversität und er betreibe gerne "Marketing in Sachen Naturschutz".

Sehr anschaulich führte "Wildkatzenretterin" Sarah Friedrichsdorf vom BUND-Projekt "Wildkatzensprung" die Utensilien vor, mit denen die ehrenamtlichen Helfer ausgerüstet werden, um die regelmäßigen Lockstock-Kontrollen durchführen zu können. Von der Isoliermatte zum Daraufknien über Stirnlampe, Handschuhe, Pinzette, Probentütchen, Bürste und Baldrian zum Präparieren der Lockstöcke wurde an alles gedacht. "Wir wollen den vielen ehrenamtlichen Helfern natürlich nicht abverlangen, sich diese Materialien selbst anschaffen zu müssen", so Frau Friedrichsdorf, "zumal die Proben nicht verunreinigt werden dürfen und in einwandfreiem Zustand an das Senckenberg-Institut zur genetischen Auswertung gelangen müssen." Die Auswertung der von den insgesamt 20 Lockstöcken gesammelten Haarproben dürfte bis spätestens im Herbst abgeschlossen sein. Auch Kreisjagdberater Adolf Tausch und Rolf-Gerold Neumann, ehemaliger Landesverbandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Jagdaufseher in Hessen, meldeten sich zu Wort. Sie betonten wie wichtig es sei, dass Förster und Jäger rücksichtsvoll arbeiten. Sie seien wohl diejenigen, die am Ehesten die Gelegenheit haben dürften, eines der scheuen Wildtiere zu Gesicht zu bekommen. Und besonders an die Jäger gerichtet war der Appel von Herrn Neumann, nicht mit Totschlagfallen zu arbeiten, damit fälschlich gefangene Tiere – und dass könnte eine Wildkatze ebenso sein wie ein kleiner Hund – unversehrt wieder in die Freiheit entlassen werden könnten.

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