Champions League

Bayern-Torminator Lewandowski muss Messi übertrumpfen

Der FC Bayern München setzt auf die Torjäger-Qualitäten von Robert Lewandowski. Foto: Rafael Marchante/Pool Reuters/dpa
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Der FC Bayern München setzt auf die Torjäger-Qualitäten von Robert Lewandowski. Foto: Rafael Marchante/Pool Reuters/dpa

Jetzt geht's in Lissabon auch für den FC Bayern zur Sache. Im 250. Champions-League-Spiel soll gegen Barcelona der erste von noch drei Triple-Schritten glücken. Der Weg zur Krönung in Europa ist jedoch "steinig". Ein Topstar-Duell überstrahlt alles andere.

Lissabon (dpa) - Hansi Flick setzte ein Pokerface auf. Seinen Anti-Messi-Plan zum Einstieg des FC Bayern in das Krönungsprojekt "Campeões de Lisboa" mochte der Münchner Trainer nicht verraten.

Nur so viel sagte der 55-Jährige am Abend vor dem Viertelfinal-Kracher beim Champions-League-Finalturnier in Lissabon: "Es ist nicht Bayern München gegen Messi, sondern Bayern München gegen Barcelona."

Die Münchner Finalambitionen sollen trotzdem nicht gleich am Weltfußballer zerschellen. Nach engagierten Trainingstagen und einigen entspannenden Sonnenstunden an der portugiesischen Algarve-Küste will das im gesamten Jahr 2020 noch unbesiegte Bayern-Ensemble um Torminator Robert Lewandowski am Freitag (21.00 Uhr/Sky) auch den drittletzten Tripleschritt erfolgreich setzen. "Die Stimmung ist unserer Siegesserie entsprechend - exzellent", erklärte Thomas Müller bei der Pressekonferenz im Estádio da Luz.

Barcelona, Manchester City und Paris Saint-Germain könnten die Münchner Krönungsstationen lauten. "Der Weg ins Finale ist steinig. Es geht zur Sache", erklärte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

Schon Barça könnte zum Stolperstein werden. Aber Flick hat für das 250. Bayern-Spiel in der Königsklasse einen Matchplan erstellt, der aufgehen soll: "Barcelona ist richtig gut, hat enorme Qualität. Wir müssen unsere Dinge auf den Platz bringen. Die Mannschaft weiß, dass es bei der Turnierform auf die Tagesform ankommt. Wichtig ist, dass wir an uns glauben. Wir wollen das Glück erzwingen."

Von "optimalen" Tagen an der Algarve sprach der Coach. Die Akkus sind aufgeladen, die Bayern fühlen sich bereit für die erste K.o.-Runde. "Wir wissen, was wir für eine Chance haben. Wir sind einfach total heiß darauf, das Spiel zu spielen", sagte Leon Goretzka.

Bayern gegen Barça - das ist die Kracher-Paarung im Viertelfinale. Es sind die einzigen Champions-League-Sieger im Teilnehmerfeld. Und der Sieger der bisherigen drei K.-o.-Runden-Duelle gewann auch den Titel - 2009 und 2015 Barcelona, 2013 jubelten die Bayern.

Vieles an den Flick-Bayern erinnert an die Triple-Bayern vor sieben Jahren unter Jupp Heynckes. 26 von 27 Partien wurden seit Dezember 2019 gewonnen. Es gab in neun Monaten nur ein 0:0 gegen RB Leipzig. Im Corona-Spielbetrieb ohne Zuschauer gab es zwölf Siege am Stück.

Trotzdem warnte Deutschlands Rekordspieler Müller vor seinem 113. Champions-League-Einsatz: "Auch wenn Barça zuletzt Probleme hatte, kann alles passieren. Da kannst du die Serien auch mal in die Tonne kloppen, wenn du nicht da rankommst, wo du rankommen musst."

Viel hängt davon ab, welcher Offensivstar den besseren Tag erwischt: Lewandowski oder Messi? Mit 53 Toren in 44 Saisonpflichtspielen ist der Pole der Erfolgsgarant schlechthin. "Für mich ist er gerade der beste Mittelstürmer der Welt. Er hat alles, er spielt mit, schießt Tore und er arbeitet für die Mannschaft", sagte sein früherer Teamkollege Mats Hummels im Trainingslager von Borussia Dortmund.

Aber Barcelona hat halt Messi, den oft Außerirdischen. Den kleinen Argentinier zu stoppen, an dieser Aufgabe sind schon viele Teams gescheitert. Auch die Bayern mit Messi-Kenner Pep Guardiola beim bislang letzten Duell 2015, als Messi beim 3:0 im Hinspiel zweimal die Münchner Abwehr narrte und Manuel Neuer überwinden konnte.

Messi stoppen? "Du verteidigst gegen ihn nie allein. Es ist nie nur ein Spieler dafür zuständig. Ich weiß aus meiner Erfahrung, es hat dann funktioniert, wenn du als Team verteidigst", antwortete Müller auf die Frage aller Fragen. Der junge Alphonso Davies wird trotzdem als direktester Gegenspieler extrem gefordert sein. Der Kanadier ist nach Adduktorenproblemen einsatzfähig. Nur Benjamin Pavard fehlt nach seiner Fußverletzung zum Turniereinstieg.

"Wir wissen auch, dass es bei Barcelona noch viel mehr Stars gibt als nur Messi", sagte Nationalspieler Goretzka. Eine Kampfansage äußerte etwa Barcelonas "Krieger" Arturo Vidal in Lissabon. "Die Bayern haben großes Selbstbewusstsein. Sie haben schon zwei Titel gewonnen. Aber jetzt spielen sie nicht gegen einen Bundesliga-Gegner, sondern gegen den FC Barcelona", sagte der ehemalige Bayern-Profi.

Unter Trainer Quique Setién, der im Saisonverlauf Ernesto Valverde ablöste, ist Barcelona aber verwundbar. Sétien erwägt sogar eine Kontertaktik im 4-4-2-System mit nur zwei statt drei Angreifern. Die Katalanen gehen im Gegensatz zu den Bayern titellos ins Saisonfinale. Flicks Team strotzt dagegen vor Selbstvertrauen. Die Tage an der Algarve haben die Stimmung im Team und den Zusammenhalt nochmals verbessert. "Wir haben mit unserem Kader die Möglichkeit, in diesem Jahr etwas Besonderes zu schaffen", sagte Verteidiger Niklas Süle.

Dieser Kader bietet Flick zahllose Optionen, auch wenn er kleine Umbauten der Startformationen vornehmen muss. Joshua Kimmich muss rechts hinten Pavard ersetzen. Thiago und Goretzka bilden darum das so wichtige defensive Mittelfeldgespann. Offen ist nur die Position links vorne, auf der der wieder fitte Franzose Kingsley Coman erwartet wird. Das Projekt "Campeões de Lisboa" gehen die Bayern "mit breiter Brust" an, wie Goretzka sagte: "Schlagbar ist für uns jeder Gegner!" Auch Barcelona mit Messi. Flick hat da ja einen Plan.

© dpa-infocom, dpa:200813-99-152285/8

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