Rennverlegung vom Tisch

Dichter Nebel stoppt Formel 1 in Shanghai

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Auch das zweite Freie Training in China wurde wegen schwierigen Wetterbedingungen abgebrochen. Foto: Andy Wong

Sebastian Vettel & Co. werden zu Kurzarbeitern. Wegen dichten Nebels wird das zweite Freie Training zum Grand Prix von China abgeblasen. Am Rennsonntag soll das Wetter ähnlich widrig sein. Die Teams diskutierten sogar eine Vorverlegung - daraus wird aber nichts.

Shanghai (dpa) - Sebastian Vettel lächelte in die Kameras, Lewis Hamilton warf handsignierte Kappen unter das Fan-Volk: Dichter Nebel über Shanghai hat die Formel-1-Piloten zur Ultra-Kurzzeitarbeit verdammt und zur Absage des zweiten Freien Trainings zum Grand Prix von China geführt.

Die widrigen Wetterbedingungen erlaubten es dem Rettungshubschrauber bei stark eingeschränkter Sicht nicht, im Notfall am nahe gelegenen Krankenhaus zu landen. Dies ist aber eine Voraussetzung, damit die Autos überhaupt auf den Kurs fahren dürfen.

Um einer potenziellen Absage des zweiten Saisonrennens am Sonntag zu entgehen, diskutierten die Rennställe mit dem Motorsport-Weltverband FIA sogar eine mögliche Vorverlegung des Grand Prix auf Samstag, wenn eigentlich das Abschlusstraining und die Qualifikation vorgesehen sind. Rennleiter Charlie Whiting hält aber an dem geplanten Renntag fest, da am Sonntag im Gegensatz zum widrigen Freitag noch Wind erwartet wird.

"Es ist sehr, sehr schade, was heute passiert ist, vor allem für die Leute, die an der Strecke waren, um zuzuschauen", meinte Ferrari-Star Vettel. "Wir sind nur einmal im Jahr in China, und die Fans hier sind immer hellauf begeistert. Für die ist es bitter, wenn keiner fährt."

Nur knapp 22 Minuten Motorsport bekamen die Zuschauer auf dem Shanghai International Circuit geboten. Und das auch nur im ersten Freien Training. Knapp 13 Minuten vor Ende entschied dann die Rennleitung, die zunächst auf unbestimmte Zeit verschobene 90-minütige zweite Einheit komplett abzusagen.

Die Formel-1-Sicherheitsbestimmungen ließen Rennleiter Charlie Whiting zu keinem anderen Schluss kommen. Denn im Unglücksfall muss ein verletzter Pilot innerhalb von 20 Minuten in ein Hospital gebracht werden, das über die nötige neurochirurgische Ausstattung verfügt. "Es ist nachvollziehbar, wenn der Helikopter nicht landen kann", meinte Vettel zu der Entscheidung. "Wenn irgendetwas in die Hose geht, will man im Nachhinein nicht dastehen und sagen, man hätte es anders gemacht. Man kann es verstehen, aber es ist bitter."

Dass eine komplette Formel-1-Einheit ausfällt, ist kein Novum. Der letzte Fall datiert vom Oktober 2015. Beim Großen Preis der USA in Austin sorgten die Ausläufer des Hurrikans Patricia dafür, dass ein Training nicht stattfinden konnte. Die Rennställe müssen nun so oder so ihr Programm umstellen. In Shanghai soll es zumindest am Samstag weitgehend trocken sein.

"Die Strecke war absolut in Ordnung, und wir hätten heute den ganzen Tag problemlos fahren können, wenn da nicht die Wolken gewesen wären. Das ist nicht gut für die Fans vor dem Fernseher und noch schlimmer für all die Menschen auf den Tribünen, die Geld bezahlt haben, um aus der Stadt oder gar anderen Ländern hierherzukommen", sagte Hamilton. "Sie haben heute kaum Rennautos zu sehen bekommen. Das muss hart für sie sein. Wir müssen mit FIA und (Formel-1-Rechteinhaber) FOM zusammenarbeiten, um eine Lösung oder einen alternativen Plan zu finden, sollten wir zukünftig ähnliche Umstände haben."

Hamiltons Plan in seiner unfreiwillig freien Zeit bestand in der Fan-Pflege: Der dreimalige Weltmeister filmte für das Internet Filmchen, lief danach zur Haupttribüne und warf den Fans handsignierte Mützen zu.

Schon das Auftakttraining musste wegen des Nebels zweimal unterbrochen werden. Red-Bull-Pilot Max Verstappen hatte dort die Bestzeit vor dem Williams-Duo Felipe Massa und Lance Stroll erzielt. WM-Spitzenreiter Vettel und Verfolger Hamilton konnten überhaupt keine gezeitete Runde vorweisen. Renault-Pilot Nico Hülkenberg schloss die erste Einheit nach einem Dreher auf Platz elf ab.

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