Biathlon-WM in Antholz

Dicke Überraschung: Ersatzmann Lesser läuft in Staffel

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Ist als Ersatzmann zur Biathlon-WM gekommen: Erik Lesser beim Anschiessen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Sein Ticket für den Flug am Sonntagmorgen nach Minsk hat Erik Lesser schon eine Weile gebucht. Der Routinier hatte bei der WM in Antholz nur mit einem Einsatz gerechnet. Doch nach Silber in der Single-Mixed bekommt der Schnellschütze nun eine weitere Chance.

Antholz (dpa) - Das lange Warten auf das Männer-Aufgebot war ein starkes Indiz für eine Überraschung - und sie folgte: Denn mit dem nur als Ersatzmann angereisten Erik Lesser starten die deutschen Biathleten am vorletzten Tag der Weltmeisterschaften im italienischen Antholz ins Staffelrennen.

Obwohl der 31-Jährige die WM-Norm nicht erfüllt hat, geht der Routinier nun als Startläufer zusammen mit Philipp Horn, Arnd Peiffer und Benedikt Doll auf die Jagd nach seiner insgesamt siebten WM-Medaille. "Ich bin glücklich und dankbar für das Vertrauen der Trainer, wieder Mal", sagte der Thüringer einen Tag vor dem Teamrennen am Samstag (14.45 Uhr/ARD und Eurosport).

Lesser war auch aufgrund von gesundheitlichen Problemen in dieser Saison nicht in Form gekommen, hatte nur die halbe WM-Norm erfüllt und war in den zweitklassigen IBU-Cup versetzt worden. Dennoch nominierten ihn die Trainer für die Single-Mixed-Staffel, wo sichere Schnellschützen gefragt sind, sowie als Ersatzmann für das Einzel und die Staffel.

Beim Silber-Coup am Donnerstag zusammen mit Franziska Preuß schoss Lesser blitzschnell und sicher - und das könnte nach einer Nacht des Überlegens den Ausschlag für den Routinier gegeben haben. Das Nachsehen haben Johannes Kühn und Philipp Nawrath - beide hatten die WM-Norm geschafft. Mit einem von beiden war in der Staffel gerechnet worden.

Abzuwarten bleibt, ob Lesser läuferisch auf seinen 7,5 Kilometern durchhält und im Vergleich zu den beiden guten Läufern Kühn und Nawrath nicht abfällt. Kühn schoss in seinen beiden Einzelrennen an dem kniffligen Schießstand aber insgesamt neun Fehlern, Nawrath im Einzel fünf Strafminuten.

Lesser, der am Sonntagmorgen planmäßig zur Europameisterschaft nach Minsk fliegen und deshalb am Samstagabend nach München fahren soll, rechnete nach der Single-Mixed nicht mit einem Staffeleinsatz. "Ich hoffe, dass ich das Vertrauen zurückzahlen und abliefern kann. Aber ich weiß auch, dass die zwei, die morgen nicht laufen dürfen, vielleicht nicht ganz so glücklich sind über die Situation", bekannte Lesser, der sich mit einer Nicht-Nominierung ebenso klaglos abgefunden hätte wie zuvor mit seiner Gesamtsituation. "Aber ich bin froh, dass ich die Chance bekomme."

Den letzten deutschen Staffelsieg gab es für die deutschen Männer 2017 beim Weltcup in Antholz, den letzten WM-Titel vor fünf Jahren - 2015 in Kontiolahti mit Lesser als Startläufer. "Ich hoffe, wir rocken morgen das Teil", sagte Lesser. Eine Medaille sei das Ziel.

Damit könnte der Thüringer nach einem bisher verkorksten Winter noch mehr Auftrieb für die kommende Saison sammeln. Nach der EM wird er die Saison vorzeitig beenden. "Ich hätte vielleicht die Chance, noch mal im Weltcup zu laufen. Aber ich muss mir da von den anderen nicht jeden Tag auf die Fresse hauen lassen und beende die Saison", sagte der Ex-Weltmeister, dessen Form in diesem Winter laut eigener Aussage weder für die Top Ten in einem Einzelrennen, geschweige denn für eine WM-Einzelmedaille gereicht hätte.

Auch Karolin Horchler, Vanessa Hinz, Franziska Preuß und Denise Herrmann peilen eine Medaille in der Staffel an - auch wenn sie in dieser Saison im Weltcup noch keinen Podestplatz erreicht haben. Aber nach Silber von Herrmann in der Verfolgung und Hinz im Einzel sowie starken Ergebnissen von Preuß haben sie am Samstag (11.45 Uhr/ARD und Eurosport) auf jeden Fall Chancen auf Edelmetall. "Wir können mit großem Selbstvertrauen starten, und die anderen müssen erstmal an uns vorbeikommen", sagte Schlussläuferin Herrmann am Freitag.

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