Formel 1 in den USA

Kampf um Anerkennung: Mehr Rennen, weniger Berechenbarkeit

Stars und Stripes auf dem Formel-1-Kurs in Austin. Foto: Darren Abate/FR115 AP
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Stars und Stripes auf dem Formel-1-Kurs in Austin. Foto: Darren Abate/FR115 AP

Mehr Fans durch mehr Rennen? Die Formel 1 buhlt weiter um die Herzen der amerikanischen Motorsport-Liebhaber. Kein leichtes Unterfangen in dem großen Land. In Austin setzen sie auf Popstars, die potenzielle Fans an die Strecke locken. Die Formel 1 als große Showbühne.

Austin (dpa) - Fan-Fest in Miami, Pop-Spektakel in Austin - die Formel 1 setzt ihren Eroberungskurs im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit Hochdruck fort.

Im Rennen um die Gunst der amerikanischen PS-Anhänger mit deren großer Vorliebe für die heimischen Nascar- und IndyCar-Serien kämpft die Motorsport-Königsklasse aber weiter um Anerkennung.

"Wir wollen, dass die Leute verstehen, dass Formel 1 Unterhaltung im breitesten Sinne ist. Nicht nur der Nervenkitzel des Rennfahrens, des Heldentums, der Dramen um Teams und Fahrer, sondern auch eine große Entertainment-Welt um den Grand Prix herum - Musik, Essen, Kultur", betonte Formel-1-Marketing-Direktor Sean Bratches.

Sport als Showerlebnis in bester US-Tradition, so wollen es die Besitzer Liberty Media. Pathos, Emotionen, Spektakel. Auch in Austin war alles bereitet für den PS-Konsum made in USA. Für die abendlichen Highlights wurden die Popstars Britney Spears und Bruno Mars verpflichtet.

Dass ihre Konterfeis auf den offiziellen Plakaten für das Rennen proportional größer sind als der Ferrari von Sebastian Vettel, könnte man wohl als durchaus bezeichnend für den Showkurs der Formel 1 unter ihrer neuen Führung einordnen. Allerdings setzten die Veranstalter in Austin auch unter dem ehemaligen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone schon auf die Zugkraft von Popstars, als Taylor Swift 2016 auftrat. Im vergangenen Jahr war es Justin Timberlake.

Statt Popcorn hielten die Besucher am Freitag, der eigentlich die Einstimmung auf die mögliche Entscheidung im Kampf um die diesjährige WM werden sollte, aber eher ihren Regenschirm in der Hand. Der Himmel dunkelgrau, Regen, der Betrieb auf der Strecke hielt sich in überschaubaren Grenzen.

Für manch einen Fahrer steht ohnehin fest, wie die Antwort auf die Frage nach mehr und anhaltenderer Begeisterung für die Formel 1 in Amerika lautet. "Mehr Rennen in den USA", sagt Romain Grosjean, der 32 Jahre alte Franzose fährt für das amerikanische Team Haas.

"Wir haben ein Rennen und es ist ein großes, großes Land mit großem sportlichen Erbe", betonte WM-Spitzenter Lewis Hamilton. Die Leute aus Texas oder Nachbarstaaten kämen für dieses eine Rennen. "Es ist wie ein Festival. Aber nur ein Festival ist auch nicht so aufregend", meinte der britische Mercedes-Pilot, der sich in Austin wie schon 2015 vorzeitig zum Champion krönen kann.

2019 schon sollte es eigentlich ein zweites US-Rennen geben, die Premiere in Miami soll nun aber 2020 folgen, wenn alles klappt. In New York sollte auch schon oft gefahren werden, es klappte nie. Um die auch kritischen Stimmen in Miami für sich zu gewinnen und den Menschen dort einen positiven Vorgeschmack auf die Königsklasse zu geben, setzten die US-Besitzer der Formel 1 parallel zum Grand Prix im Luftlinie fast 1800 Kilometer entfernten Austin ein Festival an.

Public Viewing zur Fan-Rekrutierung. "Wir haben ein Kernpublikum, das an die Strecke kommt und das viel investiert für den Sport", sagte Bratches. "Wir glauben aber auch, dass es noch viele Menschen mehr gibt, die genauso leidenschaftlich für die Formel 1 wären, wenn man ihnen zeigt, welch unglaubliches Spektakel es ist."

Dass die Motorsport-Königsklasse für viele aber zu berechenbar geworden ist und Rennen mithilfe technischer Überholhilfen erst spannend gemacht werden mussten und müssen, blieb unerwähnt. Dabei ist es laut Grosjean, und nicht nur ihm, die Unberechenbarkeit, die das amerikanische Publikum braucht. "Die Leute müssen das Unerwartete erwarten", sagte der 37 Jahre alte Fernando Alonso. Er machte bereits Ausflüge in US-Serien und wird nächstes Jahr statt Formel 1 gegebenenfalls auch in der IndyCar-Serie starten.

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