„Ein bisschen mager“

Weitere Rücktritte, wenig Auswahl - Sturm bastelt an neuem DEB-Team

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Marco Sturm muss die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft für die Zukunft umbauen.

Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm bastelt an einem neuen Team. Noch weiß er aber nicht, wer ihm künftig noch zur Verfügung steht.

Herning - Eines weiß Marco Sturm ganz genau: Die Silber-Mannschaft von Pyeongchang ist Geschichte. Doch mit wem der Eishockey-Bundestrainer die Zukunft planen kann, muss er erst noch herausfinden. "So viel Auswahl habe ich ja nicht", sagte der 39-Jährige vor der Heimreise nach dem Vorrunden-Aus bei der WM in Dänemark (Eishockey-WM 2018 in Dänemark: Das ist der Spielplan) und prophezeite: "Der eine oder andere wird nicht mehr dabei sein."

Nach dem sensationellen Olympia-Erfolg hatten bereits die Führungsspieler Christian Ehrhoff (35), Marcel Goc (34) und Patrick Reimer (35) ihren Rücktritt erklärt, im Sommer werden weitere folgen. Kandidaten sind vor allem Torhüter Danny aus den Birken (33), die Verteidiger Yannic Seidenberg (34) und Frank Hördler (33) sowie Stürmer Marcus Kink (33), die aus unterschiedlichen Gründen ihre WM-Teilnahme abgesagt hatten.

"Da könnte schon noch was kommen", mutmaßte Verbandspräsident Franz Reindl und nannte auch NHL-Profi Dennis Seidenberg, der über eine Rückkehr nach Deutschland oder ein Ende seiner Laufbahn nachdenkt. Ziel des 36-Jährigen könnte laut merkur.de* der EHC Red Bull München sein. Angreifer Patrick Hager, einer von nur zehn Olympiahelden bei der Weltmeisterschaft, fürchtet jedoch keinen radikalen Umbruch. "Ich gehe nicht davon aus, dass noch eine Rücktrittswelle kommen wird", sagte der Münchner.

Sturm: „Es ist schwierig, junge Spieler rauszuzaubern“

Dennoch muss Sturm zwangsläufig auf die Jugend setzen. "Es ist schwierig, junge Spieler rauszuzaubern", sagte er, "es schaut noch ein bisschen mager aus." Die besten Talente, die bei der WM trotz Platz elf großes Potenzial offenbarten, spielen in Nordamerika: Neben Stürmerstar Leon Draisaitl (22) bei den Edmonton Oilers, mit zwei Toren und sieben Vorlagen bester deutscher Scorer des Turniers, wird es in der nächsten Saison Dominik Kahun (22) bei den Chicago Blackhawks versuchen, wie tz.de* berichtete. Frederik Tiffels (22), Markus Eisenschmid (23) und Manuel Wiederer (21) kämpfen in Farmteams um ihre NHL-Chance. Marc Michaelis (22) hängt noch ein Jahr an der Minnesota State University dran.

Für die nächsten Weltmeisterschaften sollen gerade die Erfahrungen, die sie in Herning sammelten, helfen. Denn allein von der Qualität seiner Mannschaft her wäre auch in Dänemark das Viertelfinale möglich gewesen, meinte Sturm: "Das Vertrauen untereinander hat gefehlt, es war alles zu neu."

Kaum Chancen zu testen - neue U23-Nationalmannschaft kommt

Zusätzliche Gelegenheiten, ein neues Team zu formen, wird der Bundestrainer vor der WM im nächsten Jahr in der Slowakei nicht erhalten. Der Deutschland Cup im November in Krefeld ist die einzige Maßnahme während der Saison, im Februar sollen Perspektivspieler in der neuen U23-Nationalmannschaft gegen die Schweiz an das internationale Niveau herangeführt werden.

Marco Sturm gibt im Training taktische Anweisungen.

"Es ist ausgereizt. Die Spieler machen zwischen 90 und 100 Spiele, da reicht's jetzt auch", sagte Reindl: "Mehr ist nicht drin, man muss auch an die Gesundheit der Spieler denken." Vielleicht macht es Sturm wie vor zwei Jahren, als er sein Team in Garmisch-Partenkirchen zur Fackelwanderung den Berg hinauf und zum zünftigen Hüttenabend mit Spanferkel und bayerischer Musik einlud. "Da hat alles begonnen", erklärte Reindl, "das muss man wieder versuchen."

Wie lange der deutsche NHL-Rekordspieler allerdings den Umbau moderiert, ist offen. Sein Vertrag wurde zwar vor Olympia bis 2022 verlängert. Doch Sturm macht keinen Hehl daraus, dass er gerne als Trainer in die NHL zurückkehren würde. "Momentan", sagte er, "bin ich Bundestrainer, und es macht mir Riensenspaß. Über alles andere brauchen wir nicht zu reden."

SID

*tz.de und merkur sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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