Warriors schlagen zurück

Plötzlich wieder meisterlich: Golden State gleicht NBA-Finals aus

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Hauptdarsteller: Andre Igoudala (l.) und Kathi Leonard (Mitte).

Panik kennt dieses Team nicht: Obwohl die Warriors mal wieder zur Halbzeit hinten liegen, gewinnen sie das zweite Duell der NBA-Finals bei den Toronto Raptors.

Toronto - Wer über Kawhi Leonard spricht, spricht zuerst über seine Hände. Sie messen 24,8 Zentimeter. Die meisten Pfannen im Handel haben einen kleineren Durchmesser. In San Antonio, bei seinem ersten Club, haben sie Leonard wegen seiner Riesenpranken „The Klaw“ - die Klaue - genannt. Montagnacht waren diese 24,8 Zentimeter nicht genug. Der wichtigste Pass des zweiten Finalspiels in der NBA segelte an den Fingerspitzen, die vielleicht so gestreckt wie noch nie waren, vorbei. Als der Ball wenig später in den Händen von Andre Igoudala - Golden State Warriors - landete, die nur unwesentlich kleiner sind, sah sich Leonard - Toronto Raptors - um. Sein Blick offenbarte Furcht und Enttäuschung, während Igoudala den Ball versenkte. Es sind Emotionen, die der Titelverteidiger in den vergangenen vier Jahren ständig bei seinem Gegner hervorgerufen hat. Entsprechend dezent fiel der Jubel aus. Igoudala klatschte mit Kollege Draymond Green ab. Sie haben das so oft gemacht. Der Weg zum nächsten Titel, es wäre ihr vierter, ist ein Stückchen kürzer geworden. Nach dem 109:104-Erfolg gegen Toronto fehlen den Warriors nur noch drei Siege. In der Best-of-seven-Serie steht es nun 1:1.

Meisterschütze Thompson läuft heiß

Zur Halbzeit hatte es wieder nicht gut für die Warriors ausgesehen. Sie lagen 54:59 hinten. In diesem Fall muss man sagen NUR 54:59. Freiwürfe (14 Treffer) und Superstar Klay Thompson haben "uns neues Leben eingehaucht“, sagt Trainer Steve Kerr. Es kam den Warriors entgegen, dass die Schiedsrichter diesmal kleinlicher pfiffen als noch im ersten Spiel. „Darauf müssen wir uns einstellen“, betont Fred van Fleet von den Raptors. Sein Team fand auch kein Mittel, um Thompson aufzuhalten. Ihn und seinen Partner Stephen Curry haben die Amerikaner die „Splash Brothers“ getauft. Ihr Spitzname versteht sich als Auszeichnung. Die beiden gelten bereits jetzt als beste Werfer aller Zeiten. 

Einer der besten Werfer aller Zeiten bei der Arbeit: Klay Thompson

Vor Partie zwei hat Curry eine Anekdote erzählt. Im Training treten die zwei gerne nebeneinander an verschiedenen Körben an. Sobald Thompson einmal einen Wurf vorbei setzt, huscht Schadenfreude über Currys Gesicht. In einem Ligaspiel sei das selbstverständlich anders. „Da könnte ich mir keinen anderen Partner neben mir vorstellen“, lobt Thompson. Gemessen an seinen Maßstäben, die für alle gewöhnlichen Basketballer dieser Erde nicht gelten, lieferte er im ersten Duell eine mittelmäßige Leistung ab. Frust versteckt Thompson nicht gut. Angefressen war er zur Pressekonferenz nach der Auftaktniederlage erschienen. Diejenigen, die ihn kennen, wussten: Thompson wird abliefern in Spiel zwei. Der Shooting Guard antwortete mit 18 Zählern zur Pause. Im dritten Abschnitt humpelte der Top-Scorer (25 Punkte) allerdings vom Feld und verschwand in der Kabine. Am Oberschenkel hatte er sich verletzt. Thompson sagt: „Nur eine Kleinigkeit.“ Sein Coach Steve Kerr will die Untersuchung abwarten. Es könnte doch schlimmer sein, auch wenn sein Schütze das Gegenteil behauptet. Kerr sagt: „Klay könnte halb tot sein und sagen, es geht ihm gut.“

Der Überlebenstrieb hält die Warriors im Spiel

Über das Phänomen des dritten Viertels rätselt man in den USA seit Jahren. Die Warriors haben es zu ihrem Merkmal gemacht, in diesen zwölf Minuten Duelle zu drehen, die schon verloren schienen. Im Halbfinale gegen Portland erreichte dieses Spielchen irrsinnige Ausmaße. Dreimal führte Portland mit mehr als 15 Punkten, dreimal verloren die Blazers. Die Warriors sahen wie eine Katze aus, die ihrer Beute ein paar Minuten länger am Leben lässt. Und das zu Unterhaltungszwecken. Gegen Toronto kämpften sie sich aus reinem Überlebenstrieb zurück. Mit einem 14:0-Lauf zum Start der zweiten Halbzeit drehte Golden State das Duell. „Da müssen wir besser sein“, sagt van Fleet. Zurück war der schöne Golden-State-Basketball, der Curry und Co. vor vier Jahren zu Amerikas Liebling gemacht hat. 34 ihrer 38 Körbe ging eine direkte Vorlage voraus. Manchmal bewegte sich der Ball so schnell, dass Toronto nichts anderes übrig blieb, als zuzusehen. 

Trainer Kerr aber deutete auf die stark verbesserte Defensive. „Darum dreht sich alles.“ Toronto kam in der Schlussphase - trotz heftiger Bemühungen - einfach nicht näher ran. Superstar Kathi Leonard, der bester Werfer mit 34 Punkten war, traf nur noch einen seiner sechs Versuche und schlich mit gesenktem Haupt vom Parkett. 

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