Nach „einer Stunde Schmerz“

Der ÖLympionike hat es geschafft: Taufatofua erreicht sein großes Ziel

Pita Taufatofua aus Tonga hat sein großes Ziel bei Olympia erreicht.
+
Pita Taufatofua aus Tonga hat sein großes Ziel bei Olympia erreicht.

Er hat es geschafft. Pita Taufatofua, Flaggenträger von Tonga, fuhr nicht vor einen Baum. Und er wurde auch nicht Letzter im 15-km-Langlauf.

Pyeongchang - Ein geölter Blitz war Pita Taufatofua nicht gerade. Sein Minimalziel hat Tongas Flaggenträger bei seinem zweiten olympischen Abenteuer aber erreicht. "Ich will im Ziel sein, bevor das Licht ausgeht. Und nicht vor einen Baum fahren", hatte Taufatofua, der Skilangläufer, der nicht wirklich skilanglaufen kann, vor seinem Start über 15 km gesagt. Kurz vor Sonnenuntergang kam der Südsee-Husar unversehrt an - er hatte sogar zwei Mitbewerber hinter sich gelassen.

Der Olympia-Liveticker am Samstag

"Das war eine Stunde Schmerz. Ich habe unterwegs die ganze Zeit nur gedacht: Was habe ich mir da bloß angetan?", sagte Taufatofua, der von den noch etwa 1000 Zuschauern beim Zieleinlauf ausgiebig gefeiert wurde. "Ich habe Tonga zu den Olympischen Spielen gebracht, wie ich es versprochen habe", sagte der 34-Jährige.

114. unter 117 Startern wurde Taufatofua am Freitag in Pyeongchang, er brauchte rund 57 Minuten und damit knapp 23 mehr als der Schweizer Sieger Dario Cologna für die Strecke, die schwieriger war, als alles, was er kannte. "Ich bin bolle stolz auf ihn", sagte sein deutscher Trainer Thomas Jacob anschließend und lobte: "Das war eine tolle Leistung, er ist nicht Letzter geworden. Ein Coconut-Fighter gibt eben nie auf."

Großer Jubel im Ziel

Tatsächlich: Dem Kolumbianer Sebastian Uprimny und einem mexikanischen Einzelkämpfer mit Namen German Madrazo zeigte Taufatofua die Hacken. Das Trio ließ sich im Ziel gemeinsam feiern, stolzierte mit Landesfahnen unter dem Jubel der Zuschauer umher - so gut war die Stimmung im olympischen Langlaufstadion zuvor kein einziges Mal gewesen. Selbst Cologna klatschte anerkennend Beifall.

Taufatofua war schon bei den Sommerspielen 2016 in Rio als Taekwondoka und Fahnenträger mit eingeöltem freiem Oberkörper zum Publikumsliebling geworden. Die Neuauflage war ungleich härter. Minus 15 Grad bei der Eröffnungsfeier hielten ihn nicht von der erneuten "Oben ohne"-Einlage ab. Und die zwei Runden über jeweils 7,5 km verlangten Taufatofua doch einiges mehr ab, als das - nun ja - bisschen Kampfsport in Brasilien.

"Die 15 Kilometer waren nie besonders nett zu mir, wir haben eine Hassliebe zueinander", sagte Taufatofua: "Meine schlechteste Zeit über diese Strecke war eine Stunde und 40 Minuten, und ich habe auf einer Abfahrt dabei einen Ski verloren."

Da war er diesmal besser. Vor allem stellte er sich besser an, als der notorischste seiner exotischen Loipen-Vorgänger: Der Venezolaner Adrian Solano, der 2017 bei der WM vogelwild durch die finnischen Wälder lief, bleibt unangefochten der schlechteste Skilangläufer der Geschichte.

Die Ippen-Digital-Zentralredaktion berichtet rund um die Uhr in ihrem Live-Ticker über Olympia 2018. Außerdem haben wir für Sie zusammengefasst, wann und wo alle Wettkämpfe live im TV laufen und welche Entscheidungen heute fallen. Den aktuellen Medaillenspiegel finden Sie hier.

sid

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

BVB schöpft neuen Mut: «Nicht den Fuß vom Gaspedal»

Borussia Dortmund ist der Gewinner des 29. Spieltages. Dank des 4:1 über Bremen und der Niederlagen der Konkurrenten scheint ein Champions-League-Platz doch noch …
BVB schöpft neuen Mut: «Nicht den Fuß vom Gaspedal»

Top-Clubs wollen europäische Fußball-Superliga gründen

Zwölf Topclubs aus Italien, Spanien und England haben sich zusammengeschlossen und wollen eine europäische Superliga gründen. Bei dem höchst umstrittenen Projekt geht es …
Top-Clubs wollen europäische Fußball-Superliga gründen

Formel 1: Chaos-Rennen in Imola - Vettel erlebt nächstes Drama

Formel 1: Der Große Preis der Emilia Romagna steht an. In Imola wird es emotional - wir begleiten das Rennen heute im Live-Ticker.
Formel 1: Chaos-Rennen in Imola - Vettel erlebt nächstes Drama

Die Lehren aus dem Großen Preis der Emilia Romagna

Sebastian Vettel quält sich am Ende durch den nächsten Grand Prix mit Aston Martin. Haas-Pilot Mick Schumacher sieht eine verpasste Chance in Imola. Lewis Hamilton wird …
Die Lehren aus dem Großen Preis der Emilia Romagna

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.