Laufstar Asbel Kiprop

Schwere Vorwürfe durch mutmaßlichen Dopingsünder: Werden Proben manipuliert?

+
Der mutmaßliche Dopingsünder Kiprop nach dem Sieg bei einem 1.500-Meter-Finale in Peking 2015.

Verlangen Dopingkontrolleure Geld, damit Proben sauber bleiben? Olympiasieger Asbel Kiprop deutet das an. Die AIU sieht die Schuld für den EPO-Befund dagegen beim Kenianer.

London/Köln - In seiner Verzweiflung wählte Asbel Kiprop harte Worte. Von "Erpressung" und "versuchter Bestechung" ist in der Erklärung die Rede, die der Leichtathletik-Olympiasieger nach dem positiven Dopingtest veröffentlichte, der seit Donnerstag seine Karriere bedroht. Der Vorwurf, den Kiprop ziemlich unverhohlen andeutet, ist einer mit reichlich Zündstoff: Verlangen Dopingkontrolleure Geld, damit Proben sauber bleiben?

Glaubt man dem dreimaligen 1500-Weltmeister Kiprop, dessen positiver Epo-Test inzwischen bestätigt ist, widerfuhr ihm möglicherweise genau das. Bei dem Test am 27. November 2017 in der kenianischen Stadt Iten, der ihm zum Verhängnis wurde, sei er zwischen der Abgabe und der Versiegelung um Geld gebeten worden, behauptet der 28-Jährige. Kiprop sah nach eigenen Angaben zunächst keinen Zusammenhang zur Probe und zahlte Geld an die Kontrolleure. Möglicherweise zu wenig, wie er nun glaubt.

Doping-Experte: Es „gibt Mittel und Wege“ für Manipulation

"Nachdem ich die Urinprobe abgegeben hatte, habe ich die Probe auf dem Tisch stehen lassen, an dem Paul Scott und Simon Karugu (die Kontrolleure, d. Red.) saßen", so Kiprop. Er habe dann den Betrag in seinem Schlafzimmer bargeldlos auf das Handy von Karugu transferiert, dieser Vorgang sei nachweisbar. Reichte der Betrag, kenianischen Medien zufolge 3200 Kenia-Shilling (ca. 26 Euro), nicht aus? "Ich weiß nicht, ob die Probe daraufhin manipuliert wurde", so Kiprop, rückblickend sei er "erstmals erpresst" worden.

Machten sich die Kontrolleure also an der Probe zu schaffen, während Kiprop im Schlafzimmer war? "Eine Manipulation von negativ zu positiv durch Kontrolleure ist möglich, vor allem, bevor der Dopingbehälter versiegelt worden ist. Aber selbst dann, das hat die jüngste Vergangenheit ja gezeigt, gäbe es Mittel und Wege", sagte der Nürnberger Doping-Experte Fritz Sörgel dem SID: "Trotzdem ist für mich die Wahrscheinlichkeit erheblich größer, dass Kiprop nur ein weiterer Doper ist, der Ausflüchte sucht."

Vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hatten Recherchen der ARD-Dopingredaktion ergeben, dass die damals gängigen Dopingbehälter der Schweizer Firma Berlinger mehr oder weniger problemlos auch nach der Versiegelung wieder geöffnet und verschlossen beziehungsweise kopiert werden konnten. Berlinger hat sich mittlerweile aus dem Geschäft zurückgezogen, die WADA sucht einen neuen Partner, der Dopingbehältnisse produziert.

Kiprop wurde im Voraus informiert

Pech für Kiprop: In der Anti-Doping-Gesetzgebung gilt die Beweislastumkehr. Das heißt, dass der positiv getestete und angeklagte Athlet im Gegensatz zum Strafrecht selbst seine Unschuld beweisen muss.

Unstrittig ist dagegen, dass Kiprop einen Tag im Voraus über den bevorstehenden Test informiert wurde. Das bestätigte die unabhängige Integritätskommission (AIU) des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, die von einem "extrem enttäuschenden" Vorgang sprach. Den positiven EPO-Befund könne mit diesem Hinweis aber nicht in Zusammenhang stehen.

Kiprop beteuert Unschuld

"Die AIU ist der Ansicht, dass es keinen Austausch oder eine Sabotage gab und dass die Probe, die am 27. November genommen wurde, diejenige Probe ist, die im Labor untersucht wurde", teilte die Kommission mit. Auch Kiprops Behauptung, ihm sei im Gegenzug für ein Geständnis der Posten eines IAAF-Botschafters im Anti-Doping-Kampf versprochen worden, wies die AIU zurück.

Kiprop beteuerte derweil erneut seine Unschuld. "Ich bestreite vehement jegliches Doping. Ich steht hinter meinen Anti-Doping-Überzeugungen und bin die letzte Person, die so eine scheußliche und unsportliche Sache machen würde", heißt es in der Stellungnahme: "Ich habe mir seit 2007 eine saubere Karriere aufgebaut und kann diese nicht mit so einer Tat wegwerfen."

SID

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Federer folgt Anderson ins Halbfinale der Tennis-WM

London (dpa) - Roger Federer ist dem Südafrikaner Kevin Anderson ins Halbfinale der ATP World Tour Finals der acht besten Tennisprofis gefolgt.
Federer folgt Anderson ins Halbfinale der Tennis-WM

Schach-WM: Wieder Remis zwischen Carlsen und Caruana

London (dpa) - Schach-Weltmeister Magnus Carlsen hat sich in der 5. WM-Partie von Herausforderer Fabiano Caruana nicht überraschen lassen und in einem spannenden Duell …
Schach-WM: Wieder Remis zwischen Carlsen und Caruana

Bundestrainer-Kandidaten: Kreutzer, Popiesch und Alavaara

Nach dem Nein der DEG zu einem Wechsel von Harold Kreis zum DEB wird die Bundestrainer-Suche kompliziert. Immer wahrscheinlicher wird eine wenig prominente Lösung. Als …
Bundestrainer-Kandidaten: Kreutzer, Popiesch und Alavaara

Freund dämpft Erwartungen: "Tournee wird zu früh kommen"

Wisla (dpa) - Skisprung-Olympiasieger Severin Freund hat die  Erwartungen nach über eineinhalb Jahren Verletzungspause gedämpft. Für die Ende Dezember …
Freund dämpft Erwartungen: "Tournee wird zu früh kommen"

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.