Nach Olympia-Silber

Knifflige Aufgabe bei Eishockey-WM - Halbfinale "weit weg"

+
Bundestrainer Marco Sturm während eines Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur. Foto: Peter Kneffel

Mit einem neu zusammengestelltem Nationalteam soll bei der WM ein neues Eishockey-Wunder gelingen. Mit Olympia ist das Turnier in Dänemark allerdings nicht vergleichbar. Bundestrainer Marco Sturm dämpft vor dem Eröffnungsspiel am Freitag die Erwartungen.

Herning (dpa) - Olympia zählt nicht mehr. "Halbfinale bei einer WM, das ist ziemlich weit weg", sagte Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

"Es ist ein neuer Anfang, ein komplett anderer Kader als vor zwei Monaten. Deswegen wird es für uns enorm schwierig werden, an die Erfolge anzuknüpfen."

Mit nur zehn Finalisten von Pyeongchang, dafür aber mit sieben Nordamerika-Spielern inklusive NHL-Star Leon Draisaitl, geht der Silberschmied der Winterspiele die komplizierte Weltmeisterschaft in Dänemark an. Die Erwartungen vor dem Auftakt gegen den WM-Gastgeber sind trotz des Umbruchs riesig. Eine neue Eishockey-Begeisterung soll entfacht werden.

Allerdings sind Olympia-Hauptdarsteller wie Christian Ehrhoff und Marcel Goc zurückgetreten. Insgesamt 15 Winterspiele-Teilnehmer, die vor zwei Monaten zum größten Erfolg des deutschen Eishockeys beigetragen haben, reisten nicht mit nach Herning.

Angeführt vom NHL-Trio Draisaitl, Dennis Seidenberg und Korbinian Holzer will die Auswahl dennoch zum dritten Mal in Serie ins WM-Viertelfinale einziehen. Sturm setzt auch gezwungenermaßen auf ein stark verjüngtes Team, darunter acht Turnier-Debütanten. "Ich glaube, das ist der richtige Weg, um langfristig wieder neue Ehrhoff, Goc und Reimer zu produzieren", sagte Verteidiger Moritz Müller. Sturm war allerdings auch kurz vor der Abreise noch mal gezwungen, seinen Kader umzubauen. Wegen einer Knieverletzung verlängerte Angreifer Marcel Müller die Liste der Absagen, Mirko Höfflin wurde nachnominiert.

Der Druck ist allerdings spürbar, den Hype bestätigen zu müssen, soll die Euphorie nicht gleich wieder verpuffen. "Natürlich sind jetzt die Erwartungen höher als normal. Aber eigentlich hat sich nichts verändert, rein vom Spielerischen, vom Kader her", sagte Sturm. "Wir können jetzt nur wegen Olympia-Silber nicht von heute auf morgen neue Spieler produzieren. Wir müssen uns wieder hinten anstellen."

Eine Sensation wie in Südkorea scheint trotz - oder gerade wegen - der NHL-Profis unmöglich. Die Spieler der besten Liga der Welt heben die Kontrahenten auf ein höheres Niveau. Sturm hat sich zum Ziel gesetzt, auch nach der WM unter den Top Acht der Weltrangliste zu stehen. Seit seiner Amtsübernahme im Sommer 2015 hat er die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bunds von Rang 13 auf 7 geführt.

Das Olympia-Wunder schaffte der Dingolfinger allein mit Spielern aus der Deutschen Eishockey Liga, er konnte auf zahlreiche Routiniers mit einem außergewöhnlichen Teamgeist setzen. Diesmal baut der deutsche NHL-Rekordprofi auf sieben Spieler aus Nordamerika, auf die Profis aus Übersee konnte er sich auch bei den Weltmeisterschaften 2016 und 2017 verlassen. Hinzu kommt der bisherige Münchner Dominik Kahun als künftiger Stürmer des NHL-Teams Chicaco Blackhawks.

Noch hofft der Bundestrainer zudem auf NHL-Goalie Philipp Grubauer, der allerdings nur im Falle eines Ausscheidens mit Washington eine starke Option wäre. Kommen die Capitals in den NHL-Playoffs gegen Pittsburgh weiter, könnte Stürmer Tom Kühnhackl nachreisen. Ohne Grubauer als Nachrücker könnte sich die Torhüter-Position allerdings als Schwachstelle erweisen. Nur Timo Pielmeier hat WM-Erfahrung, der bei Olympia überragende Danny aus den Birken fehlt verletzt.

Aus den nordamerikanischen Minor-Leagues holte Sturm Frederik Tiffels (22), Markus Eisenschmid (23) und Manuel Wiederer (21) ins Team, Marc Michaelis (22) erhält als College-Spieler eine Chance. Ob er junge Spieler extra einbaue, weil sie motivierter seien als Silbermedaillengewinner? "Genauso ist es", antwortete Sturm.

WM-Homepage

WM-Spielplan

Spielplan Deutsches Team

Turnier-Format

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

ALBA Berlin kontert Ludwigsburger Schauspielerei-Vorwürfe

Nach dem Berliner Auftaktsieg zum Halbfinalauftakt gegen Ludwigsburg gibt es weiter verbalen Zündstoff in der Serie. Große Verwunderung herrscht beim Hauptstadtclub über …
ALBA Berlin kontert Ludwigsburger Schauspielerei-Vorwürfe

Formel-1-Kalender 2018: Alle Termine und Startzeiten im Überblick

21 Rennen umfasst der Formel-1-Kalender 2018. Unter anderem wird nach einem Jahr Pause wieder in Deutschland gefahren. Alle Termine, Startzeiten und Infos zu den …
Formel-1-Kalender 2018: Alle Termine und Startzeiten im Überblick

Vettels Chefansage - Hamilton erwartet starkes Red Bull

Sebastian Vettel will dem Mythos Monaco ein persönliches Erfolgskapitel hinzufügen. Der Ferrari-Star möchte auf dem engen Stadtkurs gegen WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton …
Vettels Chefansage - Hamilton erwartet starkes Red Bull

Toto Wolff vor Monaco-Rennen: Red Bull und Ferrari Favoriten

Monte Carlo (dpa) - Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hat Red Bull und Ferrari die Favoritenrolle für den Grand Prix von Monaco zugewiesen.
Toto Wolff vor Monaco-Rennen: Red Bull und Ferrari Favoriten

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.