„Sind ein kleines Eishockeyland“

Vor dem WM-Start: NHL-Star Draisaitl warnt - und ist selbst gefordert

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Auf Leon Draisaitl lastet vor der WM ein großer Druck.

Anders als bei Olympia steht bei der WM in Dänemark schon zum Auftakt viel auf dem Spiel. Gegen den Gastgeber ist ein Sieg Pflicht, um das Viertelfinale zu erreichen. Vor allem NHL-Star Leon Draisaitl ist gefordert.

Herning - Kurz vor dem ersten Bully holte Leon Draisaitl die Olympiahelden aus dem siebten Himmel zurück aufs harte WM-Eis. "Es war überragend, was die Jungs geleistet haben. Aber wir sind immer noch ein kleines Eishockeyland, das darf man nicht vergessen", sagte der deutsche NHL-Star nach dem Abschlusstraining für das Auftaktspiel am Freitag (20.15 Uhr/Sport1) gegen Gastgeber Dänemark: "Die Teams werden uns nicht freiwillig ins Viertelfinale oder Halbfinale laufen lassen."

68 Tage nach der Silbersensation von Pyeongchang startet die Nationalmannschaft in eine schwierige Weltmeisterschaft. Der Olympia-Hype um den größten Erfolg in der deutschen Eishockey-Geschichte wirkt noch nach, das Selbstbewusstsein und die Erwartungen sind gestiegen, doch das Team hat seine Führungsspieler verloren. 15 Silbermedaillengewinner von Südkorea fehlen; junge, unerfahrene Spieler sollen in die Bresche springen - und der erst 22-jährige Draisaitl.

Junger Draisail als Leader gefordert

"Ich bin noch jung, aber das spielt keine Rolle", betonte der Stürmer der Edmonton Oilers, "ich habe schon einiges an Erfahrung gesammelt." Auf dem besten deutschen Eishockeyspieler lastet besondere Verantwortung, wenn die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) in der dänischen Provinz in Herning ihre Position unter den Top Acht der Welt verteidigen will.

Denn bei nur fünf Spielern über 30 im WM-Kader ist vor allem Draisaitl als "Leader" gefordert. Bundestrainer Marco Sturm ist überzeugt, dass der NHL-Star in diese Rolle schlüpfen kann: "Leon wird sein Spiel durchziehen, und er wird die Mannschaft mitreißen."

Sturm fordert: „Olympia abhaken“

Schon einmal sind Eishockey-Olympiahelden nur zwei Monate später böse abgestürzt. Nach der überraschenden Bronzemedaille in Innsbruck 1976 schrammten Alois Schloder und Co. bei der WM in Kattowitz haarscharf am Abstieg vorbei. Erst ein Tor 21 Sekunden vor Schluss gegen Polen rettete sie. "Man muss Olympia jetzt abhaken", forderte deshalb auch Sturm.

Der Bundestrainer setzt nach zahlreichen Absagen auf die Jugend. Acht WM-Debütanten und 13 Spieler unter 26 Jahren stehen im Aufgebot. "Wir sind sehr jung geworden", wunderte sich NHL-Verteidiger Dennis Seidenberg, mit 36 Jahren der Oldie im Team und von Sturm am Donnerstagabend zum Kapitän ernannt: "Es weht ein frischer Wind."

Trotz der vielen Neulinge soll es das große Nervenflattern aber nicht geben. "Es ist für viele die erste WM. Aber das heißt ja nicht, dass sie mit zitternden Händen und Knien rauslaufen", sagte Draisaitl. Zu viel Nervosität kann sich das deutsche Team zum Auftakt auch nicht erlauben, denn die WM beginnt quasi mit einem Endspiel. Ein Sieg gegen Dänemark ist fast schon zwingend notwendig, um das Viertelfinale zu erreichen.

Wie in Pyeongchang: Motivierendes Banner in der Kabine

Am Sonntag (16.15 Uhr/Sport1) folgt das nicht minder wichtige Duell mit Norwegen. "Wir können uns nicht ins Turnier reinfühlen", warnte Draisaitl, "dann ist es schon zu spät." Auch wenn viele Silbermedaillengewinner von Pyeongchang fehlen - eines ist geblieben. "Wir haben als Banner in der Kabine wieder unser Motto: Glaube, Freude, Leidenschaft", berichtete Verteidiger Moritz Müller: "Das sind die Tugenden, die uns erfolgreich gemacht haben und die uns auch hier erfolgreich machen werden."

Lesen Sie auch: Neuanfang nach Olympia - Silber schürt Erwartungen für Eishockey-WM

sid

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