Bundesliga-Relegation

Schwaches Werder darf weiter hoffen - Heidenheim hat Druck

Werder-Coach Florian Kohfeldt kam mit seinem Team in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim nicht über ein 0:0 hinaus. Foto: Martin Meissner/AP POOL/AP
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Werder-Coach Florian Kohfeldt kam mit seinem Team in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim nicht über ein 0:0 hinaus. Foto: Martin Meissner/AP POOL/AP

Viele Beobachter hatten mit einem klaren Bremer Sieg gerechnet. Doch davon war der Bundesligist im Relegations-Hinspiel weit entfernt. Werder ließ die Erstliga-Tauglichkeit vermissen - und hat dennoch weiter gute Chancen auf den Klassenerhalt.

Bremen (dpa) - Von Erstliga-Tauglichkeit war Werder Bremen in dieser Saison schon oft weit entfernt. So plan-, mut- und kraftlos wie im Relegations-Hinspiel gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim hatte man die Grün-Weißen aber selbst in dieser dramatisch schlechten Saison noch nicht oft gesehen.

"Das war eine katastrophale Leistung", analysierte Werder-Coach Florian Kohfeldt den erschreckenden Auftritt völlig schonungslos. Und doch besteht für die Bremer nach wie vor die Möglichkeit, auch in der nächsten Saison Erstligist zu sein.

Ja, die Chancen stehen nach dem 0:0 gar nicht so schlecht. Schon ein Treffer könnte am Montag im Rückspiel in Heidenheim für die Rettung reichen. So wie es der große Nordrivale Hamburger SV vor sechs Jahren gegen die SpVgg Greuther Fürth vorgemacht hat. "Das einzig Positive ist, dass wir kein Gegentor bekommen haben. Das 0:0 nach einem sehr schlechten Spiel von uns lässt uns noch die Möglichkeit, die Liga zu halten", sagte Kohfeldt.

So paradox es nach diesem starken und mutigen Auftritt des 1. FC Heidenheim klingt: Der Verlierer des torlosen Hinspiels war eher der Zweitliga-Dritte. Denn das Team von Trainer Frank Schmidt versäumte es im Dauerregen am Osterdeich, einer völlig verunsicherten Bremer Mannschaft bereits im ersten Spiel alle Hoffnung auf die Rettung zu nehmen. "Das 0:0 ist ein sehr gutes Ergebnis, aber auch ein gefährliches", brachte es Heidenheims Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald treffend auf den Punkt.

Heidenheims Langzeit-Coach Schmidt wollte dem unmittelbar nach dem Schlusspfiff nicht ganz folgen. "Wir machen hier ein gutes Spiel und jetzt heißt es, das Ergebnis ist gefährlich", sagte Schmidt ein wenig verärgert. "Wir müssen uns nicht immer damit beschäftigen, was alles schieflaufen kann, sondern mehr damit, was alles klappen kann, so wie heute", sagte Schmidt. "Ich habe meinen Spielern zu ihrer Leistung gratuliert."

Dazu hatte Kohfeldt so gar keinen Grund. Der 37 Jahre alte Coach verfolgte an der Seitenlinie 90 Minuten lang entsetzt die Darbietung seines Teams, das fünf Tage zuvor gegen den allerdings auch völlig lustlosen 1. FC Köln beim 6:1 offensiv noch so geglänzt hatte. Doch gegen Heidenheim agierten die Grün-Weißen von Minute eins an viel zu langsam und behäbig. Die Angst vor dem ersten Abstieg seit 40 Jahren schien den Favoriten zu lähmen.

Das neue Sturmtrio Milot Rashica, Niclas Füllkrug und Yuya Osako konnte sich daher überhaupt nicht in Szene setzen. "Ich kann gar nicht bewerten, ob unser Plan nicht funktioniert hat, weil wir gar nicht in ihn reingekommen sind", sagte der für seine manchmal sogar zu genauen Spielvorbereitungen bekannte Kohfeldt konsterniert.

Zum x-ten Male in dieser Saison ist es nun die Aufgabe des Bremer Trainers, seine Mannschaft wieder aufzurichten und Zuversicht zu verbreiten. "Was mir Mut macht, ist, dass wir heute katastrophal gespielt haben und besser spielen können. Das müssen wir aber auch am Montag", sagte Kohfeldt. Sonst droht Werder der Gang in die zweite Liga.

Für Heidenheim wäre ein Aufstieg dagegen der größte Erfolg in der Geschichte des Clubs aus dem 50.000-Einwohner-Städtchen. "Der Glaube an die Sensation war schon davor da, aber nach diesem Spiel ist er natürlich noch ein Stück gewachsen", sagte Heidenheims Sebastian Griesbeck. Die Chance ist so groß wie nie. Ein angeschlagener Gegner, ein Heimspiel, ein knapper Sieg reicht - doch erstmals haben die Schwaben nun auch selbst etwas zu verlieren. Wer mit dem Druck am Montag am besten umgeht, darf in der kommenden Saison gegen Bayern München und den neuen Bundesliga-Star Leroy Sané spielen.

© dpa-infocom, dpa:200703-99-655341/4

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