Schweres Industrieunglück

Dutzende Tote nach Chemie-Explosion in China

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Die Explosion verwandelte den Chemiepark in ein Trümmerfeld. Foto: Ji Chunpeng/Xinhua

Am Tag nach dem Explosionsunglück in China wird das ganze Ausmaß deutlich: Neben Dutzenden Todesopfern gibt es Hunderte Verletzte. Die verantwortliche Firma hat schon früher bei der Sicherheit geschlampt.

Peking (dpa) - Nach einem der schwersten Industrieunfälle in China seit Jahren ist die Zahl der Opfer sprunghaft angestiegen: Mindestens 47 Menschen kamen nach der Explosion eines Chemiewerks in der ostchinesischen Stadt Yancheng (Provinz Jiangsu) ums Leben.

Rund 90 Menschen wurden schwer verletzt, viele davon befanden sich am Freitag noch in einem kritischen Zustand. Das teilte die Lokalregierung von Yancheng mit. Unmittelbar nach dem Unglück am Donnerstag war zunächst von sechs Toten die Rede gewesen.

Zahlreiche Autos, Wohnhäuser und andere Gebäude wurden durch die gewaltige Druckwelle der Explosion teilweise noch in sechs Kilometer Entfernung von der Unglücksstelle beschädigt. 640 Menschen zogen sich Schnittwunden und andere Verletzungen zu und begaben sich zur Behandlung in Krankenhäuser. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von blutverschmierten Menschen.

Die Explosion alarmierte auch Chinas Präsident Xi Jinping auf seiner Auslandsreise in Italien. Dort forderte der Staatschef laut staatlicher Nachrichtenagentur Xinhua "umfassende Anstrengungen", die Opfer zu suchen und zu retten. Zudem ordnete er für die Lokalregierungen des Landes an, aus der "harten Lektion" des erneuten Unfalls zu lernen und die Sicherheitsvorschriften zu verschärfen.

UN-Generalsekretär António Guterres drückte der Bevölkerung und der Regierung Chinas sein Mitgefühl aus. Zudem kondolierte er den Angehörigen der Opfer und wünschte den Verletzten eine schnelle Genesung, wie sein Sprecher am Freitag mitteilte.

Das Unglück erinnert an die bisher größte Katastrophe dieser Art in der nordostchinesischen Millionenmetropole Tianjin. Dort waren im August 2015 bei der Detonation eines Chemielagers im Hafen 173 Menschen getötet worden. Chinas Regierung hatte danach angekündigt, die Chemielager und Fabriken des Landes auf Sicherheitsrisiken prüfen zu wollen. Trotzdem kam es seitdem immer wieder zu schweren Unfällen - jedoch nicht in einem Ausmaß wie nun in Yancheng.

Auch dieses Mal gibt es den Verdacht, dass Regeln missachtet wurden. Ausgelöst hat die Explosion offenbar ein Feuer in einer Chemiefabrik der Firma Jiangsu Tianjiayi, die nach Angaben von Staatsmedien hauptsächlich Pestizide herstellt und 195 Menschen beschäftigte. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit immer wieder gegen Vorschriften verstoßen.

Nach der Explosion am Donnerstag nahm die Polizei Firmenchef Zhang Qinyue und andere Manager in Gewahrsam. Laut Gerichtsunterlagen mussten Zhang Qinyue und andere Mitarbeiter bereits 2017 hohe Geldstrafen zahlen, weil die Firma Umweltauflagen nicht eingehalten hatte. Eine damals verhängte Haftstrafe gegen den Firmenchef, der sich bei dem Unglück am Donnerstag ebenfalls Verletzungen zugezogen hatte, wurde damals zur Bewährung ausgesetzt.

Die staatliche Aufsicht für Arbeitssicherheit stellte in einem Bericht aus dem vergangenen Jahr zudem mindestens 13 Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften bei der Firma fest. Schlechter Brandschutz und unzureichende Sicherheitsschulung wurden bemängelt.

"Alle Türen und Fester wurden in unserem Haus herausgerissen, Teile der Decke fielen herunter", sagte eine 18 Jahre alte Anwohnerin, die mit ihrer Familie etwa zwei Kilometer von der Unglücksstelle entfernt lebt, der Deutschen Presse-Agentur: "Zum Glück war niemand zuhause." Im Kindergarten ihrer jüngeren Schwester habe es jedoch viele Verletzte gegeben.

"Wir haben es zweimal laut knallen gehört. Dann sind die Fenster plötzlich zersprungen", sagte der Besitzer einer Werkstatt in der Nähe des Industrieparks der dpa. Einer seiner Mitarbeiter sei durch die Scherben verletzt worden.

Rettungskräfte brachten Tausende Arbeiter und Bewohner umliegender Dörfer in Sicherheit. Zudem testeten Behörden die Luft- und Wasserqualität auf mögliche Belastungen.

Viele Chinesen reagierten am Freitag mit Wut auf das Unglück. "Machen unsere Aufsichtsbehörden wirklich ihre Arbeit? Wir wollen ein sicheres Land", schrieb ein Nutzer des sozialen Netzwerkes Weibo. "Sie haben ihre jährlichen Inspektionen nicht bestanden, sind aber immer noch in Betrieb. Aus Menschenleben wird ein Witz gemacht", kritisierte ein andere Nutzer.

Zuletzt starben im vergangenen November bei der Explosion eines mit Chemikalien beladenen Lastwagens im Norden Chinas mindestens 23 Menschen. Monate davor waren bei einem Feuer in einem Chemiewerk in Ostchina vier Menschen ums Leben gekommen.

Gerichtsurteil Jiangsu Tianjiayi

Bericht Arbeitsaufsicht

Mitteilung Lokalregierung

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