Zwischen Göttingen und Kassel

Nach tödlichen Unfällen: Polizei verstärkt Kontrollen auf A7 - Zahl der Unglücksfälle drastisch angestiegen

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Zahlreiche Einsatzkräfte waren bei einem Auffahrunfall mit drei Lkw am Mittwoch auf der A7 im Einsatz. Darunter auch die Umweltfeuerwehr mit Gefahrgutausrüstung und Fachberatern.

Nach drei schweren Lkw-Unfällen auf der A7 zwischen Göttingen und Kassel weitet die Polizei ihre Kontrollen aus. Die Zahl der Unfälle ist drastisch angestiegen.

  • Unfälle auf der A7 zwischen Dreieck Drammetal bei Göttingen und Kassel
  • Drei schwere Lkw-Unfälle mit zwei Toten und mehreren Verletzten in nur zwei Tagen
  • Polizei kündigt stärkere Kontrollen an

Update am 24.02.2020, 10.45 Uhr: Nicht nur in den vergangenen Tagen kam es zwischen Hann. Münden-Lutterberg und Kassel-Mitte unverhältnismäßig oft zu Stau und Unfällen, sondern seit der Einrichtung der Baustelle in der Nähe von Kassel im April 2019. Sowohl die Straßenverkehrsbehörde Hessenmobil als auch das Polizeipräsidium Nordhessen sehen aber kaum noch Möglichkeiten, die Situation weiter zu entschärfen. Auf niedersächsischer Seite sieht die Polizei aber deutlichen Handlungsbedarf. 

„Wir tun alles, was möglich ist, um die Staugefahr zu minimieren und die Verkehrsteilnehmer auf die besondere Verkehrssituation im Bereich der Baustelle sowie davor aufmerksam zu machen“, sagt Hessenmobil-Sprecher Marco Lingemann. Besondere Herausforderungen seien die dichte Folge der Anschlussstellen und der starke Lkw-Verkehr.

A7 zwischen Kassel und Göttingen: Diese Maßnahmen werden ergriffen

Immer wieder seien die Verkehrsführung und Beschilderung optimiert worden. Inzwischen stünden schon sechs Kilometer vor der Baustelle die ersten Hinweisschilder, die vor Staugefahr warnen. Es sind ein Überholverbot und Tempolimit für Lkw (60 Kilometer pro Stunde) eingerichtet worden. Für Autos gilt ein Limit von 100 km/h. 

Zusätzlich gibt es seit September Schilderbrücken mit elektronischen Anzeigentafeln, die die Verkehrsführung auf die A49 verdeutlichen. Auch die Streckenführung wurde verändert: „Seit November 2019 ist am Autobahndreieck Kassel-Süd die Zufahrt zur A44 wieder geöffnet. Dadurch gibt es weniger spurwechselnden Verkehr vor dem Kreuz Kassel-Mitte“, sagt Lingemann. 

Zusätzlich habe man die Verzögerungsspur an der Anschlussstelle Kassel-Nord verlängert, sodass Fahrer dort früher ausfädeln können. „Die Sicherheit auf Hessens Straßen ist unser oberstes Ziel. Wir tun alles, was uns möglich ist, um Unfälle zu vermeiden. Wie alle Verkehrsunfälle mit Todesfolge, haben uns auch die tragischen Ereignisse auf der A 7 in den vergangenen Tagen sehr bewegt“, sagt Lingemann. Mit den niedersächsischen Kollegen stimme man sich regelmäßig ab, auch in der kommenden Woche sei ein Treffen geplant. 

A7: Drastischer Anstieg von Unfällen zwischen Kassel und Göttingen

Seit Einrichtung der Baustelle im April 2019 haben sich laut Polizei auf dem Abschnitt 527 Verkehrsunfälle ereignet, davon 3 mit tödlichem Ausgang, 16 mit Schwerverletzten und 33 mit Leichtverletzten (Stand: 19. Februar). 317 dieser Unfälle ereigneten sich innerhalb der Baustelle und gingen mit Sachschäden oder Leichtverletzten überwiegend glimpflich aus. 

Die drei tödlichen Unfälle ereigneten sich außerhalb der Baustelle an einem Stauende. „Der Großteil der Unfälle auf diesem Streckenabschnitt ist auf die Baustelle an sich und den Rückstau aufgrund der Baustellensituation auf der A7 und den anderen Autobahnen in Kassel zurückzuführen. Entsprechend liegen die Zahlen im Vorjahreszeitraum deutlich niedriger“, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz. Zwischen dem 1. April 2018 und dem 1. April 2019 gab es nämlich zwischen der Anschlussstellen Lutterberg und Kassel-Nord insgesamt nur 30 Unfälle.

Nach den drei schweren Lkw-Unfällen innerhalb von zwei Tagen mit zwei Toten und mehreren Verletzten auf der A7 am Dreieck Drammetal bei Göttingen sowie zwischen Hedemünden und Kassel will die Göttinger Polizei jetzt ihre Kontrollen verstärken und mehr Präsenz zeigen.

A7: Der Autobahn-Abschnitt zwischen Göttingen und Kassel im Fokus der Polizei

Das sagte Polizeidirektor Rainer Nolte, Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Göttingen, im Gespräch mit unserer Zeitung. Besonders im Fokus steht dabei der Abschnitt der A7 zwischen Göttingen und der hessischen Landesgrenze.

A7: Nach Unfällen zwischen Göttingen und Kassel - Vor allem Lkw im Visier der Polizei

  • Der erste schwere Unfall in dieser Woche ereignete sich am Dienstag (18.02.2020) zwischen Anschlussstellen Hann. Münden/Lutterberg und Kassel/Nord: Mehrere Lkw waren ineinander gekracht - für einen 61-jährigen Fahrer aus Schmalkalden in Thüringen kam jede Hilfe zu spät.
  • Einen Tag später, am Mittwoch (19.02.2020), ereignete sich gleich zwei schwere Lkw-Unfälle innerhalb kürzester Zeit auf der A7: Nach einem Lkw-Unfall mit zwei Verletzten kurz vor der Anschlussstelle Hann.Münden/Lutterberg, ereignete sich im Stauende am Dreieck Drammetal bei Göttingen ein folgenschwerer Auffahrunfall mit drei Lkw bei dem ein Fahrer tödlich verletzt wurde.

Bei den drei Unfällen auf der A7 zwischen Göttingen und Kassel hatten Lkw-Fahrer das Stauende übersehen und waren mit ihren Lastwagen aufgefahren. Alle drei Fälle seien vergleichbar abgelaufen, so Nolte. Aus diesem Grund soll es vor allem Kontrollen geben, ob die Lastwagenfahrer Sicherheitsabstände und die vorgeschriebene Geschwindigkeit einhalten. 

Dafür würden sowohl Zivilfahrzeuge eingesetzt, die mit einer besonderen Technik für Geschwindigkeits- und Abstandsmessung ausgestattet seien, als auch Streifenwagen, die zudem die Präsenz der Polizei deutlich sichtbar zeigen sollen.

A7: Unfälle zwischen Göttingen und Kassel - Handynutzung wird ebenfalls stärker kontrolliert

Weiter soll verstärkt kontrolliert werden, ob Fahrer während der Fahrt auf der A7 zwischen Göttingen und Kassel mit Handys oder Navigationssystemen hantieren und so abgelenkt sind. Intensivieren, so Nolte, will die Polizei außerdem ihre Präventionsarbeit. 

So soll beim nächsten Truckerstammtisch, zu dem die Göttinger Polizei regelmäßig einlädt, das Thema Ablenkung und Sicherheitsabstand im Fokus stehen.

A7: Nach schweren Lkw-Unfällen zwischen Göttingen und Kassel - Sicherheit im Stauende im Fokus

Auch die Öffentlichkeitsarbeit will die Polizei verstärken und über ihre Kontrollen auf der A7 zwischen Göttingen und Kassel berichten, auch über die sozialen Medien. Eine bessere Absicherung von Stauenden, sei ein weiteres wichtiges Thema. Hierzu gebe es für die kommende Woche auch einen Abstimmungstermin zwischen der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und Hessen Mobil, die zuständige Behörde für das Nachbarland.

A7: Unfälle zwischen Göttingen und Kassel - Großbaustelle bei Kassel ist Ursache für viele Staus

Ursache vieler Staus auf der A7 von Göttingen in Fahrtrichtung Süden ist die Großbaustelle bei Kassel - hier wurde bereits vor Monaten berichtet, dass Lkw-Fahrer sich nicht an das Überholverbot halten und sich eine regelrechte Wildwest-Kultur etabliert hat.

A7: Unfälle zwischen Göttingen und Kassel - Task-Force für mehr Sicherheit auf der Autobahn?

Unterdessen hat der SPD-Landtagabgeordnete aus Hann.Münden, Gerd Hujahn, gefordert, mit allen Akteuren wie Landkreisen, Straßenbauämtern, Polizei und anderen Institutionen eine länderübergreifende „Task Force“ einzurichten, um die Sicherheit auf der A7 zwischen Göttingen und Kassel zu gewährleisten. 

Zudem warnt er vor einer Überlastung der Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten in der Region und insbesondere der Schwerpunktwehren aus Staufenberg und Hann. Münden. Sollte es bei der Häufigkeit der Einsätze bleiben, komme die Hann. Mündener Feuerwehr an ihre Belastungsgrenze, sagte Hann. Mündens Feuerwehrchef Dieter Röthig.

A7: Nach den schweren Unfällen zwischen Göttingen und Kassel - Ursache erforschen

Wie Hujahn fordert er, dass sich nach den drei schweren Unfällen auf der A7 zwischen Göttingen und Kassel jetzt alle Verantwortlichen zusammensetzen und Ursachenforschung betreiben. Hans-Jürgen Stock, stellvertretender Gemeindebrandmeister von Staufenberg, äußerte sich ähnlich. In Staufenberg sei vor allem die Landwehrhäger Stützpunktfeuerwehr stark belastet, da sie so gut wie bei jedem Autobahneinsatz mit ausrücke.

A7: Unfall zwischen Kassel und Göttingen mit vier Lastwagen im September 2019

A7 bei Kassel: Polizei verstärkt Kontrolle auf Autobahn

Bei der ersten Polizei-Kontrolle auf der A7 bei Kassel nach den drei schweren Unfällen auf der Autobahn hat die Autobahnpolizei Göttingen ein erschreckendes Ergebnis gemacht.

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